Instrumentelle Funktionsanalyse nicht geeignet für CMD Diagnostik

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Technische Geräte in der CMD Diagnostik

Gonzalez YM, Greene CS, Mohl ND.

Department of Oral Diagnostic Sciences, State University of New York at Buffalo, School of Dental Medicine, 3435 Main Street, Buffalo, NY 14214, USA. ymg@buffalo.edu

axiografieEs wird behauptet, dass bestimmte Diagnose Geräte routinemäßig angewendet werden müßten, um zwischen einer Kiefer Dysfunktion und normaler Variation und den verschiedenen krankhaften Zuständen des Kiefergelenks zu unterscheiden. Diese Behauptungen, wonach Kieferbewegungs Aufzeichnungsgeräte diagnostischen Wert für die Erkennung von CMD haben, werden kaum durch wissenschaftliche Beweise unterstützt. Die klinische Nützlichkeit von Elektromyographie Geräten ist begrenzt durch technische, methodologische, und Interpretationsschwierigkeiten der gefundenen Werte, und darüberhinaus durch bedeutende Überlappungen zwischen beschwerdefreien und beschwerdebehafteten Patienten. Behauptungen, dass schall- oder vibrationsaufzeichnende Geräte unterscheiden können zwischen den verschiedenen Kiefergelenks Zuständen, wurden nicht durch gut durchdachte wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen. Solange keine akzeptablen Werte für die technische und diagnostische Validität [= Das Verfahren untersucht wirklich das Gewünschte und nicht etwas anderes] klar und deutlich bewiesen sind, können diese Diagnosegeräte nicht als Hilfen in der Differentialdiagnose oder zur klinischen Entscheidungsfindung bei CMD herangezogen werden.

Oral Maxillofac Surg Clin North Am. 2008 May;20(2):211-20, vi.

Technological devices in the diagnosis of temporomandibular disorders.

Gonzalez YM, Greene CS, Mohl ND.

Department of Oral Diagnostic Sciences, State University of New York at Buffalo, School of Dental Medicine, 3435 Main Street, Buffalo, NY 14214, USA. ymg@buffalo.edu

Abstract

Claims have been made that certain diagnostic devices should be routinely used to differentiate between jaw dysfunction and normal variation and between various pathologic conditions of the temporomandibular joint. The claims that jaw-tracking devices have diagnostic value for detecting TMD are not well supported by the scientific evidence. The clinical usefulness of electromyography devices is limited because of technical, methodologic, and data interpretation problems, as well as significant overlap between asymptomatic and symptomatic groups. Claims for the use of sonography and vibratography machines to discriminate between various intracapsular TMJ conditions have not been substantiated by well-designed research. Until acceptable levels of technical and diagnostic validity have been clearly established, these diagnostic devices cannot be relied on as aids in differential diagnosis or in clinical decision making in the TMD field.

PMID: 18343326 [PubMed – indexed for MEDLINE]

 

Kommentar

Da ist es wieder: das alte Problem. Rundum in der Welt heißt es – mit Ausnahme von Deutschland, Österreich und Japan – ziemlich einheitlich: CMD (international korrekter TMD) läßt sich mit Gerätschaften, welcher Art auch immer, nicht eindeutig diagnostizieren. Egal ob die Kiefergelenkbahn eins- bis 5-dimensional mechanisch oder computermäßig vermessen wird (= Axiografie), oder die Geräusche aus dem Gelenk aufgezeichnet werden, oder die Muskulatur elektronisch abgehorcht wird. Kein einziges dieser Verfahren ist in der Lage, einen klaren Nachweis für eine Erkrankung des Kiefergelenks oder der komplexeren Erkrankung TMD zu liefern.

Im Gegensatz dazu reicht die mündliche Auskunft der Patientin, sie habe Schmerzen um das Ohr, die Schläfe, die Kaumuskulatur etc. seit mehr als 4 Wochen, um einen begründeten Verdacht auf TMD zu stellen. Helfen denn die Geräte vielleicht in solchen Fällen weiter, um aus einem Verdacht eine Gewißheit zu erhalten? Auch hier sagen die drei Autoren dieses wissenschaftlichen Papieres, die Herren Gonzalez, Greene und Mohl eindeutig: Nein. Auch für die Differentialdiagnose, ob eine TMD oder doch vielleicht eine unerkannte Pulpitis den Schmerz macht, taugen diese Geräte allesamt nicht.

Warum wenden dann in Deutschland, Österreich und Japan immer noch Zahnmediziner solche zweifelhaften Verfahren wie die Kiefergelenkbahn Aufzeichnung (= Axiografie) an? Antwort: Weil sie lieber nette Märchen von einem alten österreichischen  Exzahnmediziner glauben, als die Nase in die aktuelle Forschung zu stecken. Und liebe Kollegen – rennen Sie erst gar nicht zum Rechtsanwalt – ich weiß genau, was ich hier schreibe.  Zu diesem Thema habe ich folgende denkwürdigen Sätze gefunden: 

Zitat

Über die CMD-Zahnärzte Die CMD-Zahnärzte (Studiengruppe Wiener Schule*) ist eine Vereinigung von funktionsanalytisch arbeitenden Zahnärzten und Zahntechnikern. Die Gruppe wurde 1997 in Düsseldorf gegründet. Was machen die CMD-Zahnärzte? Arbeitsgrundlage der CMD-Zahnärzte ist die wissenschaftlich langjährig international anerkannte Forschung und Lehre von Prof. Dr. Rudolf Slavicek (Wien) auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie des funktionsgestörten Kauorgans.

Zitat Ende

Um die „wissenschaftlich langjährig international anerkannte Forschung und Lehre von Prof. Dr.  Rudolf Slavicek (Wien)“ werde ich mich demnächst in einem weiteren Artikel kümmern.

One Reply to “Instrumentelle Funktionsanalyse nicht geeignet für CMD Diagnostik”

  1. RE: Instrumentelle Funktionsanalyse nicht geeignet für CMD Diagnostik
    Neuentwicklung: So jetzt melde ich mich mal wieder mit positiven Entwicklungen (Frühjahr 2011).

    Jetzt habe ich doch glatt von meinem Psychiater erfahren, dass sein Tisch-Tennis-Kollege ein neues Gerät „Relactor“ (er ist selbst starker Knirscher und zufällig Zahntechniker) entwickelt hat. Seine Herstellung ist UNABHÄNGIG von der fehlerhaften Funktionsanalyse. Es entspannt die gesamte Kiefer/Mund-Muskulatur gemäß nach Osteopathischer Behandlung. Sieht aus wie ein Fränkl. Ich nutze dazu eine normale Schutzschiene. Da ich starker Knirscher bin, wirkt es bei mir eher im Mundbereich (z.B. Ohrenschmerzen, Knacken). Bei mittelschweren Fällen verbessern sich die Pressauswirkungen und die Verspannungen im Rücken etc.. Es gibt keine Nebenwirkungen und in jedem Fall gibt es eine positive Wirkung. Falls es nicht wirken sollte, kann man das Gerät wieder zurück geben. Kosten: 600 €

    Mehr Infos unter enilorac78@googlemail.com

    Viele Grüße aus Heilbronn
    Caroline

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