Kinesiologie: wenig Wissen und viel Würfelspiel

Prof. Dr. Hans-Jörg Staehle, Uniklinik Heidelsberg, veröffentlichte in der vorletzten ZM diesen Aufsatz:“‚Applied Kinesiology‘ auf dem Prüfstand“. Natürlich geht es mal wieder um die Frage, ob man den Kinesiologen mit Hilfe neuer Studien grobe Unzulänglichkeiten in der Diagnose nachweisen kann. Um es vorwegzunehmen: man kann. Und das geht so:

Heidelberger Kinesiologie-Studie

Man nimmt 2 in der Applied Kinesiology (deutsch: Angewandte Kinesologie = AK) sehr erfahrene Zahnärzte und dazu 112 Freiwillige, die sich auf ihre „Verträglichkeit“ mit 2 verschiedenen zahnärztlichen Materialien testen lassen wollen. Es handelt sich bei beiden Materialien um Komposites (Füllungskunststoff). Die AK-Zahnärzte führen eine Voruntersuchung durch und sortieren vor Beginn bereits 31 Kandidaten wegen „Nichteignung“ aus (z.B. wegen Piercings). Anschließend werden beim ersten offenen Versuch 34 Fälle mit Verträglichkeit von beiden Materialien und 7 Fälle von Unverträglichkeit von beiden Materialien gefunden. Bei den restlichen 40 Probanden werden jeweils 20 Fälle mit Verträglichkeit Material 1/ Unverträglichkeit Material 2 und umgekehrt diagnostiziert.

Jetzt wird es interessant: diese 40 letzteren Fälle werden verblindet (so dass die AK Zahnärzte sich nicht anhand der Gesichter an ihre erste Diagnose erinnern) und wieder getestet. Dabei ergibt sich in 14 Fällen eine Übereinstimmung und in 26 Fällen ein Widerspruch zum ersten Ergebnis. Wertet man das statistisch aus, dann entspricht das Ergebnis des Tests-Retests exakt der Wahrscheinlichkeit beim Würfeln. Mit anderen Worten: die Kinesiologen könnten sich ihre „Untersuchungen“ auch gleich sparen und dafür mit einem Würfel Diagnosen verteilen.

Und jetzt kommt der Clou: konfrontiert man die AK-Zahnärzte mit ihrem offensichtlichen Desaster in der Diagnosefindung, äußerten sie nach Bekanntgabe der Ergebnisse die Vermutung, dass „möglicherweise die Lagerung der kodierten Proben in Papierkuverts eine auf bisher unbekanntem Weg verursachte ungünstige Wirkung entfaltet habe“. Den Spruch muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Uneinsichtig, unbelehrbar, im Wahn gefangen. Das ist der Hauptunterschied zwischen den Gläubigen (an die AK) und dem Rest der Medizin: die Glaubenden werden niemals einen Zweifel an ihrer Glaubengrundlage zulassen. Die vielgescholtenen „Schulmediziner“ tun das jeden Tag. Was gestern richtig war, kann heute schon falsch sein (z.B. Gnathologie). Selbst wenn es jahrhundertealte sicher geglaubte „Gesetze“ betrifft; die Wissenschaft kann nur durch sorgfältiges Überprüfen auch ihrer eigenen Grundlagen voranschreiten. Strickfehler in der Theorie müssen aufgedeckt werden. Fehler im System und eine Debatte über deren Ursachen sind aber in einer Glaubensgemeinschaft nicht erwünscht. Wenn das der Kinesiologe begriffen hat, ist er schon keiner mehr. Das ist deren Problem.

2 Replies to “Kinesiologie: wenig Wissen und viel Würfelspiel”

  1. Was für eine Schmähschrift!
    Meinungsfreiheit hin und her: bevor Sie solch sarkastische Tiraden vom Stapel lassen, sollten Sie sich evtl. vorher auch die andere Seite anhören. Aber das ist sicher nicht in Ihrem Interesse, denn schließlich sind Sie ja derjenige, der alles zu wissen scheint, der sogar Gutachter „zerfleischt“ und andere Gedanken und Therapiemetehoden als die Ihrigen als unwissenschaftlich und sinnlos abtut. Solche Stimmungsmache gegen bestimmte Methoden bzw. Ansichten gehören allenfalls in schlechte Revolverblätter, wenn sie aus der Feder eines Zahnmediziners stammt, dann schäme ich mich dafür!

  2. Liebe Kollegin,
    ich verstehe schon, dass Sie sich als AK-Anhänger hier echauffieren. Aber betrachten Sie das Ganze mal sportlich. Zahnfilm DE ist eine der ganz wenigen Internet Seiten, die versucht, das Gemengelage aus Kommerz und Halbwissen, das im Umfeld von AK immer auftritt, kritisch darzustellen. Sie haben doch 1000 andere bezahlte Dummschschwätzseiten auf Ihrer Seite, die mich totreden.

    Viele Grüße
    Joachim Wagner

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