Psychisches Lernprogramm für TMD (CMD)

J Negat Results Biomed. 2007 Mar 23;6:4.The_Mouth_the_Face_and_the_Mind_Oxford_Medical_Publications_-_Mozilla_Firefox_09.09.2010_102209-1

Psychisches Lernprogramm für Temporo Mandibular Disorders – eine Pilotstudie.

Jerjes W, Madland G, Feinmann C, El Maaytah M, Kumar M, Hopper C, Upile T, Newman S.

Unit of Oral & Maxillofacial Surgery, Division of Maxillofacial, Diagnostic, Medical and Surgical Sciences, Eastman Dental Institute & University College London, London, UK. waseem_wk1@yahoo.co.uk

Zusammenfassung

 

HINTERGRUND: Temporomandibuläre Störungen (TMDs) [in Deutschland noch hartnäckig Cranio Mandibuläre Dysfunktion genannt] sind die am meisten herausragenden Krankheitszustände, die die Kiefergelenke (TMJ) betreffen, aber viele Patienten leiden nur unter milden selbstlimitierenden Symptomen [= wird nicht schlimmer] und sollten nicht in die Spezialisten Behandlung überwiesen werden.

Das Ziel diese Studie war es, ein einfaches, kosteneffektives Behandlungsprogramm für TMD mit Hilfe einer CD-ROM zu entwickeln. 41 Patienten (Alter 18-70) [Frauenanteil ca. 90%] nahmen an der Studie teil, sie wurden in 3 Gruppen eingeteilt: 1) die erste Gruppe sah eine Informations Placebo CD-ROM (die anatomische Informationen über das temporomandibuläre System enthielt), 2) die zweite Gruppe erhielt auf der CD-ROM Informationen, die darauf abzielen, dass die Patienten wieder mehr Kontrolle und Selbsterfolg [über die TMD] erhalten und 3) die dritte Gruppe erhielt das Gleiche wie 2) aber zusätzlich eine Einführung in Selbstberuhigungstechniken zusammen mit einer Hörkassette für die progressive Muskel Entspannung. Jeder in den Gruppen mußte eine Anzahl Fragen in [mehreren] Fragebögen beantworten, einmal am Anfang und 6 Wochen später.

ERGEBNISSE: Die beiden Experimentalgruppen (die 2. und 3.) waren beide gleich erfolgreich bei der Schmerzbekämpfung, Beseitigung von Behinderung und negativem Stress und beiden waren besser als die Aufmerksamkeits Placebo Gruppe (1.) , obwohl die experimentellen Gruppen anscheinend gegenüber der Placebo Gruppe in den Gebieten: Behinderung, Schmerz und despressive Gefühle Verbesserungen zeigen.

SCHLUSSFOLGERUNG: Diese Pilot Studie zeigt die Machbarkeit und die Annahme des Entwurfs durch die Patienten. Eine volle, randomisierte [Behandelte werden nach Zufallsprinzip auf Placebo und Verum verteilt], kontrollierte [mit unbehandelten Kontrollpersonen vergleichende] Studie ist notwendig, um die Erfolgsrate der hier entwickelten Behandlung bestätigen zu können.

 

PubMed_Central__J_Negat_Results_Biomed._2007_6_4._Published_online_2007_March_23._doi_10.11861477-5751-6-4._-_Mozilla_Firefox_09.09.2010_110128-1BACKGROUND: Temporomandibular disorders (TMDs) are by far the most predominant condition affecting the temporomandibular joint (TMJ), however many patients have mild self-limiting symptoms and should not be referred for specialist care. The aim of this pilot study was to develop a simple, cost-effective management programme for TMDs using CD-ROM. 41 patients (age 18-70) participated in this study, patients were divided into three groups: the 1st group were involved in an attention placebo CD-ROM (contain anatomical information about the temporomandibular system), the 2nd group received information on CD-ROM designed to increase their control and self efficacy, while the 3rd group received the same programme of the 2nd group added to it an introduction to self-relaxing techniques followed by audio tape of progressive muscle relaxation exercises. Each of the groups was asked to complete a number of questionnaires on the day of initial consultation and six weeks afterwards.

RESULTS: The two experimental groups (2nd & 3rd) were equally effective in reducing pain, disability and distress, and both were more effective than the attention placebo group (1st), however the experimental groups appeared to have improved at follow-up relative to the placebo-group in terms of disability, pain and depressed mood.

CONCLUSION: This pilot study demonstrates the feasibility and acceptability of the design. A full, randomized, controlled trial is required to confirm the efficacy of the interventions developed here.

PMID: 17381840 [PubMed – indexed for MEDLINE]PMCID: PMC1839113

 

Kommentar

Die deutsche CMD-Industrie *), und darunter verstehe ich alle, die den betroffenen Frauen viel privates Geld für teilweise fragwürdige „Therapien“ abnehmen, würde nie im Leben auf die Idee kommen, eine solche Studie zu machen, wie sie hier in England am Eastman Dental Institut in London konzipiert und durchgeführt wurde. Im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen von der zahnmedizinischen Akademikerriege kann sich Frau Dr. Charlotte Feinstein nämlich sehr wohl erlauben, die Frage zu stellen, wie man TMD (in Deutschland immer noch CMD genannt) einfach, effektiv und schnell behandelt. Und eben nicht teuer, aufwändig und endlos, wie hierzulande.

Das Eastman Dental Institut (früher Eastman Kodak Institut) ist eine staatliche Einrichtung Großbritanniens, das ähnlich wie die endlich auch in Deutschland eingeführten Qualitätskontroll Behörden für die Medizin, 1) das IQWiG in Köln und 2) DIMDI ebenfalls in Köln, den öffentlichen Auftrag hat, schwerpunktmäßig die kostenträchtigsten Behandlungen in der Medizin auf ihre Effektivität und Angemessenheit zu untersuchen. Und in London unterhält das besagte Institut dazu noch eigene Zahnmediziner, die selber aktiv Studien durchführen.

In der Forschung der  Behandlung von TMD ist Frau Dr. Feinmann seit vielen Jahren geübt. Die hier vorgestellte Studie stellt nur einen kleinen Ausschnitt ihrer Tätigkeit dar. Diese Vorbemerkung spielt eine Rolle bei der Betrachtung des Resultats. Im Ergebnis kommen die Autoren der Studie zum Schluss, dass es darauf ankomme, die „self-efficacy“ = Selbstwirksamkeit zu erhöhen. (Als Erläuterung ein Satz aus der Wikipedia Selbstwirksamkeitserwartung :  „Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) (engl. perceived self-efficacy) bezeichnet in der Psychologie die eigene Erwartung, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können.“)

Die Selbstwirksamkeit erhöhen kann man bestimmt nicht mit passivem Ertragen von Eingriffen der Weißkittelgötter, sondern durch völlig andere Methoden, wie eben Kurse auf einer CD für das persönliche Gedanken Training. Dr. Feinmann hat letztlich in dieser 2007 -er Studie das praktisch ausprobiert, was sie seit Jahren u.a. auch in einem Buch lehrt: bringt den Betroffenen nicht bei, wie ihr Kiefergelenk anatomisch aussieht, sondern zeigt ihnen, wie sie selber die Kontrolle über den Schmerz und die Behinderung zurückgewinnen. Das ist wichtig.

 

*) Falls Sie den Begriff CMD-Industrie für übertrieben halten, denken Sie lieber noch mal nach. Mindestens 5% der durchschnittlichen Praxiszeit gehen für unklare Schmerzen bei Frauen im Alter von 12 bis 70 im Bereich der Kiefer, Schläfen, Ohr drauf. In „spezialisierten“ Praxen kann der Anteil bis nahe 100% gehen, wobei verschärfend hinzukommt, dass diese „Spezialisten“ die höchsten Leistungsdichten  (Umsatz pro Patient) in der ganzen Branche erzielen. Bei bundesweit 80.000 Zahnärzten, 200.000 zahnmedizinischen Fachangestellten (Helferinnen), und 50.000 Zahntechniker kann man ohne Risiko annehmen, dass rund um das Jahr 30.000 Menschen alleine in der Zahnmedizin mit der CMD beschäftigt sind. Dazu kommt das Riesenheer an selbsternannten Osteopathen, also eine Qualifikation, den jeder Masseur in einem Wochenendlehrgang erlernen kann. In den einschlägigen CMD Foren schwören grundsätzlich alle betroffenen Frauen auf „ihren“ Osteopathen, wahrscheinlich wegen der glänzenden (Nicht) Wirkung der zahnärztlichen Schienen. Jedenfalls gibt es in diesem privaten Grauzonenbereich der Paramedizin noch einmal einige Zehntausend Jobs, die der CMD-Industrie zuzurechnen sind.

Die millionenschwere Fortbildung zum Thema CMD wollen wir bitte auch nicht vergessen. Ganze Fachgesellschaften mit ihrem Wanderzirkus an hochbezahlten Dozenten leben davon – und das nicht schlecht.

Und allen den hier Beschäftigten gemein ist: eine einfache schnelle Kur für dieses Leiden wäre nicht im Interesse der Industrie.

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