Bisswunder Nachkontrolle

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SANY0188Im Dezember 2008 schrieb ich den Artikel „Ein Bisswunder„. Im Wesentlichen ging es darin um das „gewaltsame“ Herunterdrücken einer zu hohen Krone durch einfaches Probetragen über einige Tage ohne den Schleifer dafür zu benutzen.

Der Betroffene, Herr Ü. (32) suchte vor wenigen Tagen meine Praxis erneut wegen einer Routinekontrolle auf und ich benutzte die Gelegenheit, einige Fotos vom jetzt vorzufindenden Biss zu schießen. Auf die Frage, ob er denn noch irgendetwas Verdächtiges an dem überkronten Zahn – es handelt sich um den letzten links unten, also Zahn 37 – spüren würde, antwortet mir der Kunde: nein, gar nichts, weder beim beißen noch bei Temperatur.

Vergleicht man die Bilder mit den Aufnahmen im Dezember 2008, läßt sich allenfalls eine noch sattere Verzahnung erkennen, jedenfalls keinerlei Hinweis auf eine Umkehr des „Bisswunders“ von damals. SANY0192

Zur Wiederholung: Entgegen der landläufigen Meinung, man müsse eine 2 mm (!)  hohe Bißerhöhung beim Eingliedern einer neuen Krone in jedem Falle als Behandler aktiv mit dem Schleifer in der Hand kürzen, zeigt dieses Beispiel eindrucksvoll, dass das rein provisorische Eingliedern und 14 – tägige Abwarten und Einbeißen-Lassen ausreicht, die 2 mm zu hohe Krone in den Unterkieferknochen zu drücken. Anderes ist hier nicht geschehen.

 

Der dunkle Punkt auf der Kaufläche der Krone war bereits vorhanden, als die Krone neu angefertigt angeliefert wurde. An dieser Stelle befindet sich laut Zahntechniker eine nur 0,5 mm dicke Metallschicht. Deshalb verbietet sich dort eine keramische Verblendschicht ebenso wie jeder Versuch, mit dem Schleifer Platz für den Gegenbeißer zu schaffen. Um es also klar und deutlich auszudrücken: Mir hat im Dezember 2008 der Zahntechniker schlichtweg verboten, an der Krone irgendetwas einzuschleifen, denn dann könne ich auch gleich ganz neu anfangen mit neuer Präparation (Abschleifen des Zahns), neuem Abdruck, provisorischer Krone usw …

Was liegt also auf der Hand, wenn die Krone auf dem letzten Zahn an sich gut paßt, der Patient aber ausschließlich auf die Krone beißt? Eben: Abwarten und den Patienten laissez faire (= machen lassen).

 

Nachwort

Natürlich werden alle Gnatholegen (= Kollegen mit Gnathologie im Kopf) Zeter und Mordio schreien angesichts solcher Wagner’schen Untaten und Bauerntrampeleien. Das ist unzahnmedizinisch, unfachmännisch und grobmotorisch, werden sie sagen. Aber wie moralisch vertret- oder nichtvertbar ist es wirklich? Und an dieser Stelle sage ich Joachim Wagner, praktischer Testzahnarzt vor Ort: zu hohe Kronen sind ein vergleichsweise unwichtiges Problem. Sie führen erfahrungsgemäß nicht dazu, dass Patienten mehr als einmal zur Korrektur erscheinen, im krassen Gegensatz zu Schleifpulpitiden (= Zahnnerventzündungen nach zu starkem Beschliff für Kronen) oder Spaltpulpitiden (= Zahnnerventzündungen durch mikroskopische Fehler unter Kunststoff auf nacktem Dentin).

 

 

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