Mythos 8: Die Eckzahnführung

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Der wichtigste Satz des Aufsatzes des Australiers J. Rinchuse über die Eckzahnführung lautet: „Woda et al 114 schrieb, nach einer umfangreichen Sichtung der Literatur: „Der reine Schutz durch die Eckzähne oder die reine Gruppenfunktion [als Gegensatz dazu] existiert kaum und Balancekontakte scheinen die allgemeine Regel in der Bevölkerung der gegenwärtigen Zivilisation zu sein.“ Die heute vorliegenden Beweise unterstützen keine Sicht mehr, die blind an dem Konzept der Eckzahn gestützten Okklusion für alle Patienten festhält. Ein Typ der funktionalen Okklusion kann nicht mehr als optimal und bevorzugt für alle Patienten betrachtet werden.“

Kurze Erläuterung des Übersetzers Joachim Wagner, Zahnarzt

Noch diese Woche (am 22.10.2010) las ich in der DZW eine Aussage eines „Westerburgers“ hinsichtlich des zu wählenden Bisstyps beim Knirscher/Presser. Der Vortragende erklärt darin dem staunenden Publikum das alte Lied von der Großartigkeit der Eckzahnführung, wie gesagt beim Knirscher! Ich als 24 Jahre selbstständiger Zahnarzt an der Knirscherfront bestreite diese Meinung entschieden und kann dazu Tonnen von Bildmaterial auffahren, speziell mit Bildern von abgeriebenen und abgebrochenen (!) Eckzähnen. SANY0087Vergleiche auch diese Geschichte: Funktionsanalytisches Eigentor

Der Australier (von Beruf Kieferorthopäde) ist ebenfalls seit Jahren davon abgekommen, an die Eckzahnführung als alleinseligmachendes Mittel zu glauben. Und er schreibt darüber auch schon längere Zeit. Was Sie hier in einem kurzen Statement von ihm abgedruckt lesen können, ist nur die Kurzzusammenfassung eines viel ausführlicheren Artikels, den er exklusiv der Eckzahnführung gewidmet hat.

 

 

[Weitere ] Vorbemerkung Joachim Wagner, Übersetzer: Der Australier ist anders. aussiEr denkt unabhängiger als viele andere Nationen. Das zeigt sich in der Zahnmedizin deutlich in a) der Bevorzugung von Glas Ionomer Zement (GIZ) gegenüber Kunststoffen, b) der krassen Ablehnung von Homöopathie,  und c) der klaren Ansage gegen die kieferorthopädische Gnathologie, wie im folgenden wissenschaftlichen Artikel des Kieferorthopäden Donald J. Rinchuse. Dr. Rinchuse betreibt seit Jahrzehnten zusammen mit seinem Bruder in Perth, Australien eine Praxis für Kieferorthopädie unter dem Motto „All Dentists are not created equal“ = Nicht alle Zahnärzte sind gleich“. Sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Sanjivan Kandasamy wird 2012 in Perth, Australien die nationionale Konferenz Australiens für KFO leiten.

Alle Zahlen zwischen den Sätzen der Arbeit beziehen sich auf die Literaturangaben ganz unten hier im Text unter der Überschrift „References“. Dort geben die beiden Autoren 123 Stück (!) wissenschaftliche Artikel an, die ihre Aussagen unterstützen.

Mythen der gnathologischen KFO

von J. Rinchuse a and Sanjivan Kandasamy b Greensburg, Pa, and Perth, Australia

Rinchuse

Mythos 8:  Die Eckzahn geführte Okklusion ist der bevorzugte Funktionstyp zu dem man die kieferorthopädische Patientenbehandlung orientieren sollte

Wir haben die Probleme mit der Überzeugung von der Philosophie und dem Konzept der Eckzahn geführten Okklusion für alle kieferorthopädische Patienten und Behandlungen diskutiert. 24 Eine Zusammenfassung davon, was wir in diesem umfangreichen Artikel schrieben, folgt hier. Die Eckzahn geführte Okklusion, als optimaler Typ der funktionalen Okklusion [= Kaubewegungen] zum Ausbilden in kieferorthopädischen Patienten, ist widersprüchlich.

Woda et al 114 schrieb, nach einer umfangreichen Sichtung der Literatur: „Der reine Schutz durch die Eckzähne oder die reine Gruppenfunktion [als Gegensatz dazu] existiert kaum und Balancekontakte scheinen die allgemeine Regel in der Bevölkerung der gegenwärtigen Zivilisation zu sein.“ Die heute vorliegenden Beweise unterstützen keine Sicht mehr, die blind an dem Konzept der Eckzahn gestützten Okklusion für alle Patienten festhält. Ein Typ der funktionalen Okklusion kann nicht mehr als optimal und bevorzugt für alle Patienten betrachtet werden.

Die Eckzahn geführte Okklusion ist nur 1 von einigen möglichen funktionalen Okklusions Schemata, das mit kieferorthopädischer Behandlung anvisiert wird. Patienten mit normaler statischer Okklusion (Klasse 1 Okklusion) neigen zur balancierten Okklusion oder aber Gruppenfunktin, aber keine Eckzahn geführte Okklusion. 115,116 Gruppenfunktion und balancierte Okklusion (mit keinen Interferenzen, nur Balancekontakten) scheint ein akzeptables funktionales Okklusions Schema zu sein, abhängig von den speziellen Charakteristika des Patienten.

Die Stabilität und Haltbarkeit der Eckzahn geführten Okklusion ist fraglich. Das Wiedererrichten der funktionalen Okklusion durch eine kieferorthopädische Behandlung zurück zum Original Typ vor der Behandlung bleibt problematisch, denn die KFO Behandlung startet häufig, bevor die bleibenden Eckzähne vollständig durchgebrochen sind. Liefern könnte auch der Einbezug der Kauzyklen Bewegung, die Schädel/Gesicht Anatomie, der statische Okklusions Typ, der aktuelle Mundgesundheits Wert und das Knirschen/Pressen  wichtige und entscheidende Informationen über den am meisten brauchbaren funktionalen Okklusions Typ für jeden einzelnen Patienten. 24

 

 

MYTH 8: CPO IS THE PREFERRED FUNCTIONAL OCCLUSION TYPE TOWARD WHICH TO DIRECT ORTHODONTIC PATIENT TREATMENT We have discussed the problems with the notion of ascribing to the philosophy and concept of CPO for all orthodontic patients and treatments. 24 A summary of what we wrote in this comprehensive article follows. CPO, as the optimal type of functional occlusion to establish in orthodontic patients, is equivocal. Woda et al 114 wrote, after a comprehensive review of the literature, „Pure canine protection or pure group function rarely exists and balancing contacts seem to be the general rule in the population of contemporary civilizations.“ Modern evidence does not support a view that blindly adheres to the concept of CPO for all patients. One type of functional occlusion should not be considered optimal and preferred for all patients. CPO is merely 1 of a few possible functional occlusion schemes that might be attained with orthodontic treatment. Subjects with normal static occlusion (or Class I occlusions) tend to have balanced occlusion or else group function, and not CPO. 115,116 Group function and balanced occlusion (with no interferences, only balancing contacts) appear to be acceptable functional occlusion schemes, depending on the patient’s unique characteristics. The stability and longevity of CPO is questionable. Reestablishing functional occlusion through orthodontic treatment back to the original type before treatment is problematic, since orthodontic treatment is often started before the permanent canines have fully erupted. It would also appear that consideration of chewing cycle kinematics, craniofacial morphology, static occlusion type, current oral health status, and parafunctional habits might provide important and relevant information about the most suitable functional occlusion type for each patient. 24

REFERENCES

24. Rinchuse DJ, Kandasamy S, Sciote J. A contemporary and evidence­based view of canine protected occlusion. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2007;132:90­102.

 

114. Woda A, Vignernon P, Kay D. Non­functional and functional occlusal contacts: a review of literature. J Prosthet Dent 1979;42: 335­41.

115. Rinchuse DJ, Sassouni V. An evaluation of eccentric occlusal contacts in orthodontically treated subjects. Am J Orthod 1982;82:251­6.

116. Tipton RT, Rinchuse DJ. The relationship between static occlusion and functional occlusion in a dental school population. Angle Orthod 1991;61:57­66.

 

Kommentar

Wann endlich hört die Unsitte auf, Vorträge vor Zahnmediziner zu halten und im Gepäck einen Haufen Behauptungen und Meinungen mitzuführen aber bei den entscheidenden Beweisen aus dem wirklichen Leben mit leeren Händen dazustehen? Der oben angesprochene „Westerburger“, der allen Knirschern eine Eckzahnführung verpassen will, ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Fühlen Sie Ihren Eckzahnführungs Predigern mal auf den Zahn, wo in der freien Wildbahn sie ihre „Weisheiten“ herhaben wollen. Warme Luft werden Sie zu hören bekommen, in der Substanz wenig mehr.

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