Psychiatrie Kongress 2010 – Scientology Mitesser

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P1020137Auf dem Außengelände des Internationalen Congress Centrums verteilen an jedem Tag des Psychiatrie Kongresses 2 bis 4 angeheuerte Helfer kleine Hochglanzkarten mit Einladungen zu Filmvorführungen unter dem Motto „Psychiatrie – Tod statt Hilfe“.

Macht man sich die Mühe, das Kleingedruckte ganz unten genau zu studieren, kommen interessante Details zum Vorschein. Eine Adresse in München, Amalienstr. 49a, ein Herr Bernd Trepping und die Scientology Church tauchen dort auf.

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Kaum bin ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) wieder zu Hause und habe Zugriff auf Google und einen vernünftigen Bildschirm, klärt sich schnell auf, was hinter dieser Aktion steckt. Bernd Trepping ist ein Überzeugungstäter und verbringt offenbar sein Leben mit solchen Desinformationskampagnen gegen die Psychiatrie u.a. eben auch mit jährlichen „Einsätzen“ vor dem Kongress der deutschen Psychiater.

Ich fand hier dazu 2 interessante Details im Netz:

 

1. Hamburger Abendblatt 26. Juni 2008   Scientology-Beauftragte warnt vor Verein KVPM  Der Verein „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ (KVPM), der der umstrittenen Scientology-Organisation nahesteht, hat an der Fuhlsbüttler Straße eine Ausstellung mit dem Titel „Psychiatrie: Tod statt Hilfe“ eröffnet. Die Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta warnt vor der KVPM: „Dieser Verein ist ein Bestandteil von Scientology und dient einzig und allein der Werbung von neuen Mitgliedern. Das Gefährliche an der Ausstellung ist, dass die Arbeit der Psychiatrie diffamiert wird, um so neugierig auf vermeintlich bessere Alternativen zu machen.“ Dem widerspricht KVPM-Präsident Bernd Trepping: „Wir betreiben mit der Ausstellung keine Mitgliederwerbung für Scientology. Wir wollen lediglich umfassend über die Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte aufmerksam machen.“ ug  Scientology, der kriminelle, menschenverachtende und gegen die Menschenrechte verstossende Kult und profitorientierte Gewerbebetrieb, hat halt verworrene Vorstellungen von Menschenrechten 🙂 Übrigens hält in dieser von Fachkreisen als ‚amüsantes Gruselkabinett‘ bis ‚Geisterbahn‘ verlachten Ausstellung kein einziger Hinweis auf „Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ einer näheren Überprüfung stand. Durch das stete Wiederholen von Lügen werden diese halt nie wahr.

2. Die Anti-Psychiatrie Kampagne.  Scientology erweckte viel Aufmerksamkeit durch ihre Propagandabemühungen gegen das, was sie als Psychiatrie bezeichnet. Die führte zu grossen Kosten und organisatorischem Aufwand, ausgeführt durch eine Vielfalt von Frontgruppen. Falls das Buch ‚Psychiater: Die Männer hinter Hitler‘ (Roder, Kubillus, & Burwell, 1995) ein repräsentatives Beispiel ist, und ich glaube dass es dies ist, beweist dies ausschlaggebend, dass die Kampagne auf pathetischer Paranoia und völliger Unwissenheit beruht. Das Lesen dieses Buches, und ich empfehle ihnen dafür nicht allzu viel Zeit zu verschwenden, macht klar, dass die Autoren ganz einfach nicht die geringste Ahnung haben was Psychiatrie ist. Dies ist jedoch das geringste von ihren Problemen. Was Sie unbedingt gelesen haben sollten ist eine kurze Stellungnahme von Hubbard mit dem Titel „Verfassungsgemässe Vernichtung“ In ihr werden Sie die Gedankengänge (falls hier ein solches Wort überhaupt benutzt werden darf) für die Anti-Psychiatrie Kampagne. Sie werden feststellen, dass die ‚World Federation of Mental Health‘ hinter einer Verschwörung steht, angeführt von den Kommunisten, um den Westen zu vernichten. Sie werden auch entdecken, dass „Elektroschocks und Hirnoperationen zur Entpersönlichung von dissidenten Elementen durch Hitler entwickelt wurden… Das Gewirr von Schulen und Universitäten [dies ist mit 9. Juni 1969 datiert] lässt sich zurückverfolgen [sic] auf die Agenten dieser Gruppen und ihre Ratschläge an korrupte Politikermarionetten…Aber alle diese Gruppen, deren Kontrolltätigkeit auf der ganzen Welt einheitlich ist und deren Verbindungen direkt nach Russland führen, können sich auf eine schreckliche Überraschung gefasst machen. Seit Scientology auf sie aufmerksam wurde, verloren sie sieben von ihrem Dutzend Spitzenführer“. Der letzte Satz ist rätselhaft und impliziert physische Liquidation und Bedrohung. Dieses Dokument von 1969 wird immer noch von Scientology auf ihren Internet Seiten angeboten (eine frühere Version ist Anhang III in Wallis, 1977). Foster (1971) erwähnt die „Rede von Beria vor amerikanischen Studenten an der Lenin Universität“, welche offensichtlich von Hubbard verfasst wurde und als Demonstration dienen sollte, wie „Kampagnen für geistige Gesundheit“ durch den Kreml durchgeführt werden. Was von Scientology noch nicht bemerkt wurde ist, dass die Sowjet Union verschwand während die weltweite Industrie zur „geistigen Gesundheit“ immer noch in Schwung ist. 1957 gründete Hubbard die ‚National Academy of American Psychology‘, mit dem ihr eigenen ‚Treueschwur‘ „das Lehren von nur ausländischer Psychologie an öffentlichen Schulen und Universitäten zu verhindern“ (Wallis, 1977, p. 200). Hubbard erscheint hier wie ein klassischer Nationalist (Higham, 1970), mit dem Versuch ausländische Einflüsse zu vertreiben. Er bezeichnet die Psychotherapie in den US als „euro-russisch“ (Wallis, 1977, p. 200) und plante deren Ersetzung durch heissblütige amerikanische Psychotherapie. Hubbard hatte ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung über den Ursprung der Psychotherapie des zwanzigsten Jahrhunderts, welche überhaupt nichts mit Russland zu tun hatte, umso mehr mit dem deutschsprechenden Zentraleuropa. Interessant dabei ist, dass „Psychiatrie“, in der Welt von Scientology, der Verbindung mit Nazismus und Kommunismus beschuldigt wird. Die Ursprünge der Anti-Psychiatrie Kampagne, soviel kann gesagt werden, entsprachen kein bisschen der Realität. Als Hubbard seine „Dianetik, Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“ erstmals vorstellte geschah dies scheinbar in Konkurrenz zur Psychotherapie, welche Hubbard aufgrund seiner Unwissenheit als mit Psychiatrie identisch betrachtete. Der nächste Schritt ist die Wahnvorstellung, dass dieses System „geistiger Gesundheit“ allen anderen überlegen sein soll und von den anderen Anbieter „geistiger Gesundheit“ als Bedrohung oder Konkurrenz wahrgenommen würde. Dass diese Anbieter Kommunisten sind und von Russland gelenkt werden ist ein hübscher, aus dem kalten Krieg übrig gebliebener paranoider Touch. Der Gedanke, dass Scientology je eine Bedrohung für Psychotherapie oder „Psychiatrie“ war, ist reine Wahnvorstellung. Die meisten Psychiater und Psychotherapeuten auf der Erde haben nie etwas von Scientology gehört und ihr Einfluss auf die weltweite Industrie der „geistigen Gesundheit“ oder Psychotherapie (Beit-Hallahmi, 1992) war entweder nicht existent oder vernachlässigbar. Von Bedeutung für unsere Diskussion ist, dass dieser spezielle, für die Identität und öffentlichen Aktivitäten von Scientology so zentrale Fall von Paranoia (vgl. Meissner, 1978; Robins & Post, 1997), völlig säkular ist. Er überschneidet sich mit einigen von Lyndon LaRouche aufgestellten Behauptungen, ebenfalls im Rahmen einer völlig säkularen Paranoia (King, 1990). Übrigens, trotz seiner Ablehnung der Psychiatrie, ergab die Autopsie klar, dass Hubbard nicht nur verordnete psychiatrische Medikamente gebrauchte, sondern auch den populären, nicht verschreibungspflichtigen und das zentrale Nervensystem hemmenden Alkohol.   Peter  — Peter Widmer 3803 Beatenberg

3 Replies to “Psychiatrie Kongress 2010 – Scientology Mitesser”

  1. selber urteilen Herr Wagner
    Anstelle dass Sie sich krude Verschwörungstheorien über Scientology anhören, könnten Sie sich doch die Dokumentation „Ein Milliardengeschäft“ selbst anschauen und danach eine sachliche Kritik darüber schreiben. Wieso Vorgekäutes vom Abendblatt und Peter Widmer aufführen? Haben Sie Angst keine eigenen Argumente gegen das was dokumentiert wird zu finden?
    Und ja, auch ich bin ein Scientologe.
    Kürzlich habe ich zum Beispiel eine Packung Nürnbergerli gekauft und stellen Sie sich vor, als ich das Kleingedruckte las fand ich heraus das ich dadurch wohl den FC Bayern unterstütze denn die Firma die die Nürnbergerli herstellt gehört Herrn Höness….. vielleicht verstehen Sie den Wink ja sogar.

  2. RE: Psychiatrie Kongress 2010 – Scientology Mitesser
    Hallo Herr Leinher, danke, dass Sie sich direkt outen als Scientologe. Mit euch diskutiere ich aber nicht, weil mir euer Geschäftsmodell ganz und gar nicht gefällt. Viele Grüße Joachim Wagner

  3. RE: Psychiatrie Kongress 2010 – Scientology Mitesser
    [quote name=“Dirk Leinher“]Anstelle dass Sie sich krude Verschwörungstheorien über Scientology anhören, könnten Sie sich doch die Dokumentation „Ein Milliardengeschäft“ selbst anschauen und danach eine sachliche Kritik darüber schreiben. Wieso Vorgekäutes vom Abendblatt und Peter Widmer aufführen? Haben Sie Angst keine eigenen Argumente gegen das was dokumentiert wird zu finden?
    Und ja, auch ich bin ein Scientologe.
    Kürzlich habe ich zum Beispiel eine Packung Nürnbergerli gekauft und stellen Sie sich vor, als ich das Kleingedruckte las fand ich heraus das ich dadurch wohl den FC Bayern unterstütze denn die Firma die die Nürnbergerli herstellt gehört Herrn Höness….. vielleicht verstehen Sie den Wink ja sogar.[/quote]
    Who the fuck is Herr Höness?
    Beim Club isser nich.
    Schöne Grüße aus Nürnberg. Die Bayern haben hier nicht gewonnen. Zum ersten Mal in dieser Saison.

    LG

    HP

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