CMD = Cranio Mandibular Disorder neu einteilen

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Mit CMD oder auch häufig auch synonym TMD = Temporo Mandibular Disorder bezeichnet man bekanntlich Beschwerden und Schmerzen im größeren Bereich um die Kiefergelenke. Dabei zeigt sich schon das erste Problem: welcher Bereich soll das sein? Zählen Kopfschmerzen dazu, was ist mit Nacken, Schulter, Arm ….?
Und außerdem, warum nimmt man einen so unbestimmten englischen Begriff „disorder“, der sich mit „Störung“ oder „Unordnung“ übersetzen läßt. Hat dieses Wort „disorder“ einen vergleichbaren Aussageinhalt wie etwa „rheumatoide Arthritis“ oder stehen hinter der begrifflichen Unklarheit auch diagnostische Schwierigkeiten?

Letzteres ist wohl anzunehmen. Mit TMD/CMD werden so unterschiedliche Zustände wie Befindlichkeitsstörungen im Gesicht auf der Grundlage einer Depression und/oder Angst/Panikstörung, echte Knochenprobleme, neuropathische Schmerzen und nicht erkannte Zahnprobleme tituliert. Kein Wunder also, dass eine Riesenkonfusion sowohl auf der Patientenseite als auch auf der Therapeutenseite feststellbar ist.

Seit 1992 gibt es eine weitere Unterteilung der TMD. Damit verbunden sind die Herren Dworkin und LeResche, die die „Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD)“ als vorläufige wissenschaftliche Unterteilung der TMD vorgestellt haben. Bekanntlich wird dort unterschieden zwischen 1. Myofasziale TMD 2. Akuter Kiefergelenksschmerz ohne die Myofaszialen 3. Arthrose + Arthritis. Dazu kommt noch die psychiatrische Befundung, die letztlich nur die Gruppe 1. betrifft.

Aus praktischen Erwägungen sollte die neue Einteilung von CMD/TMD wie folgt aussehen

  1. Myofaszialer Schmerz. Hier sind alle Patienten gemeint, die keinen echten Knochenbefund haben, dafür aber schwankende, meist nur mittelstarken Beschwerden im größeren Kiefergelenksbereich und gleichzeitig einen psychiatrischen Befund mit einer folgenden Störungen haben: Depression, Angst/Panik, Agoraphobie, BDD, Kompulsiv/Obssesiv. Laut RDC/TMD Anteil = 33%
  2. Neuropathischer Schmerz. Das sind alle Fälle mit Trigeminus Neuralgie, „atypischem Gesichtsschmerz“, „idiopathischen persistierenden Gesichtsschmerzen“, „Odontalgie“ oder allgemein alle, die einen Phantomschmerzen mit hohen bis höchsten Schmerzwerten ohne sichtbare somatische Ursache haben. Geschätzter Anteil = 20 bis 30%.
  3. Arthritis/Arthrose. Hier sollen alle entzündlich bedingten Schmerzen im Kiefergelenk zusammengefaßt werden. Laut RDC/TMD Anteil = 30%
  4. Mechanische Gelenkschmerzen. Diese sehr kleine Untergruppe hat keine Entzündung wie die Gruppe 3, sondern chirurgisch einfach korrigierbare mechanische Fehler: z.B. Gelenkscheibe liegt völlig daneben, Knacken mit Schmerzen etc. Geschätzter Anteil = unter 10%
  5. Sonstige Ursachen. Darunter fallen u.a. Schmerzen, die von nicht erkannten Zahnproblemen ausgehen. Je nach Vorselektion handelt es sich hierbei um einen erklecklichen Anteil der „TMD“ Kranken. (Z.B. jahrelange Schienentherapie bei nicht erkanntem Zahnriss). Geschätzter Anteil = über 10%

Die Okklusion als bisher wichtigster Faktor in der zahnärztlichen Diagnostik einer TMD/CMD kommt hier übrigens nicht vor. Die Fälle der Klasse 2 aus der RDC/TMD Systematik verteilen sich hier auf die Gruppen 2, 4 und 5, wohingegen die Klassen 1 und 3 gleich sind wie bei RDC/TMD.

Wozu dient speziell die Hereinnahme der Neuropathien? Ganz einfach um dem ungeübten Diagnostiker die wichtigsten Schmerzquellen im Gesicht unter einer gemeinsamen Schublade anzubieten. Wenn jetzt wieder ungeklärte Schmerzen im zahnärztlichen Hoheitsgebiet zu sortieren sind, wird mit der neuen Einteilung nicht einfach einer der wichtigsten Faktoren, die Neuropathien, ausgeblendet. Das war in der Vergangenheit leider häufig der Fall.

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