Psychiatriekongress 2010: Rückgang der Suizide

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Bild 1

Die Fotos sind einem Poster der Arbeit von Genz A., Kropf S., Krause T., und Bogerts B. unter dem Titel „Psychiatrische Versorgung und der Rückgang von Suiziden – gibt es einen Zusammenhang?“ von der Psychiatrischen Klinik der Universität Madgeburg entnommen. Magdeburg liegt im rot gekennzeichneten Bereich des Bildes 1 und bezeichnet das Bundesland Sachsen-Anhalt.

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Bild 2

Die Autoren des Posters schreiben in ihrer Einleitung wörtlich:

“ Das Land Sachsen-Anhalt gehörte in Deutschland zu den Regionen mit den traditionell höchsten Suizidraten. Nach der Wiedervereinigung weist die offizielle Statistik einen dramatischen Rückgang suizidaler Handlungen aus. Die Ursachen dieser außerordentlich positiven Entwicklung sind weitgehend unklar und unerforscht und insbesondere der Bezug zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgungsstruktur nicht untersucht. In einem ersten Schritt waren die möglichen Zusammenhänge mit den stationären Versorgungsangeboten zu erfassen.“

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Bild 3

Die Grafik im Bild verdeutlicht 2 wichtige Tatsachen:

a) Magdeburg als Metropole wurde immer – auch unter den Roten – relativ gut psychiatrisch versorgt.

b) aber bereits „kleinere“ Städte wie Dessau und Halle erhielten vor 1990 nur das, was übrig war. Wie das dann in der eigentlichen Pampa ausgesehen haben dürfte, läßt nicht allzuviele Denkmöglichkeiten übrig.

Für ganz Sachsen-Anhalt verdoppeln sich jedenfalls zwischen 1990 bis 2006 die Zahl der stationären Plätze in der Psychiatrie pro Kopf der Bevölkerung, was hauptsächlich den kleineren Städten/Gemeinden zugute kommt.

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Bild 4

Die Grafik spricht Bände. Von 1990 bis 2007 verringern sich die Selbstmorde bei Männern von 38 auf 9, bei Frauen von etwa 14 auf 2 Selbstmorde pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

 

Kommentar

Unsere intellektuellen Warmduscher werden hier einwänden, dass die Darstellung der 2 Kurven keineswegs einen Zusammenhang beweist.  May be so. Aber von der Befindlichkeit der ostdeutschen Seele hören wir doch seit Jahrzehnten, wie kalt, berechnend und kommerziell der Westen im Unterschied zum vorherigen „real existierenden Sozialismus“ wäre. Die Kurve in Bild 4 passt dazu wie die Faust auf das Auge, nämlich gar nicht. Ausgerechnet mit der Maueröffnung sinken die Selbstmorde auf nur noch Bruchteile ihrer vorherigen Werte.

Wer auch nur 100 Seiten Psychiatrie Grundkurs liest, wird ganz schnell mit der Tatsache bekannt gemacht, dass Selbstmörder in 9 von 10 Fällen unter einer akuten Depression, Psychose oder Borderline Symptomatik leiden. Dagegen helfen – zugegebenermaßen mit vielen unerfreulichen Nebenwirkungen – heute Pillen. Und der stationären Psychiatrie fällt die heikle Aufgabe zu, die Erstbehandlung von Akutgefährdeten zu übernehmen. Die Kurve zeigt, dass das jetzt deutlich besser klappt.

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