5 Jahre Zahnschmerzen – Zahnarzt schläft

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Der Fall des Tages: Frau K. aus L. (56) kommt zur Nachkontrolle 4 Monate nach Extraktion des Zahns 36. Sie ist so froh, jetzt endlich nach 5 Jahren wieder in dieser Gegend schmerzfrei zu sein. Wie bitte? 5 Jahre mit Schmerzen? Sie bestätigt das. Während sie in der Zahnarztpraxis 5 Jahr fortlaufend betreut und behandelt wurde, hatte diese Patientin Schmerzen in der Gegend des 36. Aus der Patientenakte geht hervor, dass die Schmerzen zuerst im Oktober 2001 auftraten .

Das Röntgenbild ist – wie so oft – wenig aussagekräftig. Aufgrund nicht endender Schmerzen wird eine Wurzelbehandlung durchgeführt.

Auch das nutzt nicht allzuviel. Die Kälteempfindlichkeit verschwindet, die Schmerzen bleiben aber fast gleich.In der Folge erhält der Zahn eine Hemisektion = die hintere Wurzel (2002) wird entfernt, dann 2003 eine Krone mit Anhänger. Bei jedem Recall-Termin kommt die Patientin auf das unangenehme Kaugefühl links unten zu sprechen. Im Sommer 2006 hat nun endlich auch der Behandler ein Einsehen und entfernt diesen Zahn komplett.  Das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Sage und schreibe 8 Wochen dauert es dann immer noch, bis der Schmerz im Unterkiefer links komplett verschwindet. Während die Patientin das erzählt, hält sie ihre Hand im Abstand von 2 cm entlang des linken Unterkiefers: „Schon bei der Annäherung der Hand spürte ich schon den Schmerz…“

Was ist – im Nachinein betrachtet – falsch gelaufen?

  • wahrscheinlich hatte der 36 bereits 2001 einen unsichtbaren Riss komplett bis in die Wurzel. Der wurde aber nicht bemerkt.
  • die Beschwerden der Patientin wurden über Jahre nicht Ernst genommen. Das ist der schwerwiegendste Fehler.
  • trotz eindeutiger Meldungen der Patientin wurde munter weitertherapiert.

Die heutige Schmerzfreiheit bestätigt die Vermutung, dass dieser „Phantomschmerz“ in Wirklichkeit die Folge eines nicht erkannten Risses des Zahns 36 war. Durch die lange Dauer trat zusätzlich eine neuropathische Veränderung im Trigeminus ein, die dazu führte, dass auch Wochen nach Entfernung des schuldigen Zahns der „Nervenschmerz“ noch anhielt. In Absprache mit der Patientin wurde heute entschieden, dass die Lücke zur Zeit besser unversorgt bleibt, weil an einer Wiederholung der Geschichte durch Komplikationen beim Abschleifen von Pfeilerzähne für die sonst fällige Brücke weder die Patientin noch der Behandler ein Interesse hat.

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