Ärztliche Versorgung: es wird NICHT besser

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diesen Leserbrief schrieb Dr. Andreas Heinrichs auf facharzt.de :


Zynismus, Fatalismus, Sarkasmus, was hilft da noch?:

Ich sehe zunehmend menschliche Katastrophen, die von ebendiesen sich jetzt zur Rettung der Ärzteschaft berufenen Wendehälsen zu verantworten sind:

Ein hochkompetenter Kollege einer anderen Fachdisziplin, bei dem ich selbst telephonisch um einen kurzfristigen Termin für eine Problempatientin nachgesucht habe, der hat heute auf meine Bitte am Telephon hemmungslos angefangen zu weinen.

Ein anderer Kollege hat meine 16-jährige Tochter diese Woche völlig grundlos angeschnauzt, dass es eine Pracht war (trotz P-Versicherung), das arme Mädel war ganz verängstigt.

Eine ältere Patientin betritt fast zitternd mein Zimmer und bittet mich, nicht zu schimpfen. Auf meine Nachfrage berichtet sie: "als ich dem Neurologen von dem Kribbeln in meinen Händen erzählt habe, da hat er mich so ausgeschimpft, warum ich ihm diesen Quatsch überhaupt erzähle, und dann hat er mich nach Hause geschickt, ich solle erst wiederkommen, wenn ich Lähmungen hätte"

Ich verbürge mich für die Wahrhaftigkeit dieser Vorfälle alleine aus dieser Woche.

Ganz offensichtlich ist ein erheblicher Teil der Ärzteschaft inzwischen vom System zum Psychopathen gemobbt worden und nicht mehr in der Lage, eine auch nur halbwegs erfolgreiche Leistung als Mensch und Arzt abzuliefern.

Natürlich finden solche Katastrophen nicht ihren Niederschlag in irgendwelchen Qualitätssicherungshandbüchern oder DMP-Bögen, Hauptsache die Mädels sagen alle den gleichen Spruch am Telephon und der Feuerlöscher hat einen schicken neuen Aufkleber.

Sie werden es aber selbst erleben können:

Patienten werden nicht mehr untersucht, nur noch sinn- und kritiklos herumgereicht, und sei der Überweisungsgrund noch so widersinnig, Hauptsache weg, der Nächste, ein Hindernis mehr aus dem Weg geräumt, auf dem Weg zum Sprechstundenende.

Briefe mit Inhalt?
Kommen nicht mehr vor, keine Zeit, keine Kraft mehr. Pat. war da und ich bin ihn zum Glück wieder los, dies ist die Kernaussage der kollegialen Mitteilungen.

Die von Köhler und Co durchgeboxten "Qualitätssicherungsmaßnahmen" der letzten Jahre in Verbindung mit dem programmiert vollzogenen Honorarentzug und den gleichzeitigen Bürokratie- und Kontrollorgien haben offensichtlich die Qualität ärztlicher Arbeit auf einen nie gekannten Tiefpunkt hinabgezwungen.

Wäre eigentlich ein interessantes Thema für eine Umfrage: die Selbstseinschätzung des Ergebnisses der eigenen Arbeit und der Zufriedenheit mit der eigenen Leistung unter Würdigung der externen Einflussfaktoren.

Nehme nur ich alleine diese Untergänge der Kollegen wahr?

Und dann kommen die mit so einem Schwachsinn wie Kittel an die KV schicken. Ich habe eher den Eindruck, die Kollegenschaft sollte mal ihre leeren Psychopharmakapackungen an die KV schicken, vielleicht würde dem feinen Herrn Köhler dann ein Licht aufgehen, welche Schicksale er zu verantworten hat, sollte eher noch einen Rest Charakter haben.

Nein ehrlich Herr Raddatz, das zynische Augenzwinkern vergeht mir langsam.

Andreas Heinrichs


Anmerkung J.W.: mit den leeren Psychopharmakapackungen ist der Eigenverbrauch der Mediziner gemeint.

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