Behinderung durch TMD (CMD) schlimmer bei Depression und Somatisation

Die nachfolgende Studie kommt aus berufener Hand. International bekannte zahnmedizinische Kliniker legen hier Hand an an eine Multizenter Studie, die sich im wesentlichen mit psychiatrischen Inhalten beschäftigt. Konkret bedeutet das, dass D. Manfredini in Padua, Kristiina Ahlberg in Helsinki und F. Lobbezoo in Amsterdam jeder einen Teil der insgesamt 924 Frauen und 225 Männer mit dem SCL 90 Fragebogen traktiert hat. Natürlich möchten Sie als Leser jetzt wissen, was ein SCL90 Fragebogen ist. Das können Sie hier auf zahnfilm.de direkt im Detail erfahren unter Depressions Index.

Vorgezogener Kommentar

Hier liegt kein Fall von Leichtforschung vor. Der SCL90 ist ein validierter (= von außen auf seinen Aussagewert überprüfter) Test, der seit 1975 (!) im Einsatz ist und sich als zuverlässiges Instrument zur Ersteinschätzung der psychiatrischen Symptome von Patienten erwiesen hat. Die RDC/TMD Achse II Diagnosekriterien gibt es seit 1992 und finden international – soweit ich erkennen kann – große Verwendung, nur nicht in Deutschland. Und schließlich arbeiten 3 schon anderweitig anerkannte am Patienten behandelnde akademische Zentren an einer gemeinsamen Studie zusammen.

Die Aussagen, die hier getroffen werden, dürften sehr schwer zu widerlegen sein. Und was sagen uns die 5 Wissenschaftler im Grunde? Das ist einfach zu erkennen: Lasst die Patienten mit TMD (CMD) einfach den SCL90 ausfüllen, dann können alleine aufgrund der Antworten – ohne jede Untersuchung im Mund – die am schlimmsten Betroffenen (= Schmerzbehinderten) herausgefiltert werden. Und das ist eine Aussage.

 

 

 

manfredini J Dent. 2010 Oct;38(10):765-72. Epub 2010 Jun 25.

Psychosoziale Behinderung bei Temporo Mandibular Disorder Patienten. RDC/TMD Achse II Befunde einer Multizenter Studie

Manfredini D, Winocur E, Ahlberg J, Guarda-Nardini L, Lobbezoo F.

TMD Clinic, Department of Maxillofacial Surgery, University of Padova, Italy. daniele.manfredini@tin.it

Zusammenfassung

lobbezooVorhaben: Die Beziehung zwischen dem Grad der durch Dauerschmerz verursachten Behinderung und dem Depressions- bzw. Somatisations- [= Verkörperlichung] Pegel, als auch der Einfluß der Schmerzdauer auf die Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD) Achse II Befunde wurden ermittelt in einer Untersuchung von 3 Zentren.

Methode: Die Studienmenge (N=1149; Frau zu Mann 4.1:1, Durchschnittsalter 38.6 Jahre) bestand aus Patienten, die um eine TMD Behandlung nachsuchten und in diesem Rahmen auch nach den RDC/TMD Achse II Kriterien einer psychosozialen Bewertung ihrer chronischen schmerz-abhängigen Behinderung (Graded Chronic Pain Scale, GCPS), Depression (Symptoms Checklist-90[SCL-90] Depressionsskala, DEP) und Somatisation Pegel (SCL-90 Skala für nicht-spezifische körperliche Symptome, SOM) unterzogen wurden.

Die zu testende Null Hypothese war, dass 1. keine Beziehung existiert zwischen GCPS Kategorien und DEP und SOM Werten, und 2. keine Unterschiede auftauchen zwischen Patienten mit Schmerzen von etwa 6 Monat in Bezug auf die Häufigkeit der verschiedenen Grade an schmerzabhängiger Behinderung (GCPS), der Depression (DEP) und der Somatisation (SOM).

Ergebnis: In der gesamten Testgruppe lag das Vorkommen von hoher schmerzabhängiger Behinderung bei 16.9% (GCPS Grade III oder IV), starke Depression bei 21,4% und Somatisation bei 28,5%. Es konnte eine Beziehung gezeigt werden zwischen GCPS und sowohl DEP, als auch SOM (Spearman’s correlation test, p<0.001). Eine signifikante [= nichtzufällige] Beziehung wurde gezeigt zwischen Schmerzen über 6 Monate Dauer und hohen GCPS Werten (chi(2), p<0.001), aber keine Beziehung wurde gefunden zwischen DEP und SOM Werten und der Schmerzdauer in der gesamten Testgruppe (chi(2), p=0.742 und p=0.364). Schlussfolgerung: Die schmerzabhängige Behinderung wurde als stark abhängig von den Depressions- und Somatisations- Pegeln gefunden und dazu verbunden mit der Schmerzdauer. Dagegen hatten die Depressions- und Somatisations- Pegel keine  Beziehung zur Schmerzdauer.

J Dent. 2010 Oct;38(10):765-72. Epub 2010 Jun 25.

Psychosocial impairment in temporomandibular disorders patients. RDC/TMD axis II findings from a multicentre study.

Manfredini D, Winocur E, Ahlberg J, Guarda-Nardini L, Lobbezoo F.

TMD Clinic, Department of Maxillofacial Surgery, University of Padova, Italy. daniele.manfredini@tin.it

Abstract

OBJECTIVES: The relationship between the rate of chronic pain-related disability and depression and somatization levels as well as the influence of pain duration on Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD) axis II findings were assessed in a three centre investigation.

METHODS: The study sample (N=1149; F:M 4.1:1, m.a. 38.6 years) consisted of patients seeking for TMD treatment and undergoing RDC/TMD axis II psychosocial assessment to be rated in chronic pain-related disability (Graded Chronic Pain Scale, GCPS), depression (Symptoms Checklist-90[SCL-90] scale for depression, DEP) and somatization levels (SCL-90 scale for non-specific physical symptoms, SOM). The null hypotheses to be tested were that (1) no correlation existed between GCPS categories and DEP and SOM scores, and (2) no differences emerged between patients with pain from more or less than 6 months as for the prevalence of the different degrees of pain-related impairment, depression, and somatization.

RESULTS: In the overall sample, the prevalence of high pain-related disability (GCPS grades III or IV), severe depression and somatization was 16.9%, 21.4%, and 28.5%, respectively. A correlation was shown between GCPS and both DEP and SOM categories (Spearman’s correlation test, p<0.001). A significant association between pain lasting from more than 6 months and high GCPS scores was shown (chi(2), p<0.001), while no association was found between DEP and SOM scores and pain duration in the overall sample (chi(2), p=0.742 and p=0.364, respectively).

CONCLUSIONS: Pain-related disability was found to be strongly related with depression and somatization levels as well as associated with pain duration. Depression and somatization scores were not associated with pain duration.

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