Kunststoff Zahnopfer Teil 4

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Bild 1

Meine langjährige Patientin Frau L. (38) kommt vorgestern wegen Heiß/Kalt Schmerzen links oben zu mir. Die schnelle Durchsicht will keinen Hinweis auf die Ursache liefern, denn große löchrige Stellen lassen sich mit den Sonden (Haken und gerade Sonde) nicht ermitteln. Durch Klopfen und Kältetest kann aber ganz eindeutig der Zahn 22, im Bild rechts, „verhaftet“ werden.

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Bild 2

Die Entfernung der Kunststoff Füllung bringt dann an den Tag, dass der Vorbehandler mit einer „Unterfüllung“ aus einem weiteren Kunststoff Material gearbeitet hat, welches im Bild 2 als glasige Masse unter der leicht herausbrechbaren Deckfüllung erscheint.

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Bild 3

Unter dieser Kunststoff „Unterfüllung“ befindet sich – wie zu erwarten war – reichlich kariös erweichtes Dentin, was auf eine jahrelange Undichtigkeit dieser Doppelfüllung von der Mundhöhle bis unter die „Unterfüllung“ schließen läßt.

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Zunächst versuchte ich eine Erhaltung des lebenden Zahnnerven durch eine vorsichtige Entfernung der Karie plus Desinfektion und dichtem Verschluss am Dienstag 08.02.2011. Nur 15 Stunden später saß Frau L. wieder mit verstärkten Schmerzen im Behandlungsstuhl und ich nahm am 09.02.2011 die nicht mehr zu umgehende Nerventfernung (= Vitalexstirpation) vor, die übrigens enorme Anstrengungen bei der Anästhesie erforderte.

Bild 4

Die Bilder 4  bis 7 zeigen Kunststoff Füllungen in unterschiedlichem Alter und Aussehen. Ihre Aufgabe als Leser hier besteht nun darin, aufgrund des Aussehens herauszufinden, in welcher Reihenfolge diese Füllungen entfernt und ersetzt werden müssen.

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Bild 5

Unter diesen Füllungen gibt es einen Zahn, der bereits pulpitische Beschwerden verursacht und der deshalb von mir aufgebohrt werden musste.

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Bild 6

Andererseits kann es nicht im Sinne einer überlegten Zahnerhaltung sein, 6 Monate alte Füllungen nur deshalb wieder herauszureißen, weil der Rand schon wieder schwächelt. Auch eine solche Füllung befindet sich unter den Kandidaten in den hier gezeigten 4 Bildern.

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Bild 7

Ahnen Sie, worauf ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) hinaus will?

1. Kunststoff Füllungen sieht man ihren Zustand nicht an. Ob sie bakteriell dicht sind, z.B.

2. Im Gegensatz zu allen anderen Füllungssorten ist die Mikrobendichtigkeit bei Kunststoff für das Zahnschicksal entscheidend. Alle Metalle (Amalgam, Gold, Palladium) brauchen das wegen der Metalloxydbildung im Spalt nicht, (fast) alle Nichtkunststoffe verfügen über ein Mindestmaß an Bakterizidie (Tötungskraft gegen Bakterien)

3. Die normale Kariessuche reicht in vielen Fällen nicht aus, den Fehler von Kunststoff Füllungen zu finden, weil hier Mikrospalte genügen, um die Zahnpulpa umzubringen. Bei Glas Ionomer und Amalgam braucht es dafür Riesenspalten und viel Karies dazu.

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Welche Füllung von Bild 4 bis 7 die schlimmste ist, finden Sie unter

Dr. van Meerbeek: Alle Kunststoff Kleber altern  ganz unten.

3 Replies to “Kunststoff Zahnopfer Teil 4”

  1. RE: Kunststoff Zahnopfer Teil 4
    Hallo Herr Wagner, manchmal verstehe ich Sie nicht. Wenn das Ihre langjährige Patientin ist und vorausgesetzt Sie erscheint regelmäßig zur Kontrolle, dann hätte ich an Ihrer Stelle die Füllung längst ausgewechselt, ebenso die am Zahn 21 distal. Die scheint ja auch dieselbe Handschrift zu haben und sieht auf dem ersten Bild von Ihnen nach zentral ebenfalls kariös durchschimmernd aus.
    Übrigens würde bei regelmäßiger Röntgendiagnostik ein solcher Defekt auch auf einem OPG auffallen, wenn Sie diesen ranzoomen und kontrastieren, Wirbelsäulenüberlagerung hin oder her korrekte Einstellung vorrausgesetzt.
    Schade eigentlich,oder was denken Sie?
    Viele Grüße,

    Markus

  2. RE: Kunststoff Zahnopfer Teil 4
    Hallo Herr Wagner, ich muss Ihrem Kollegen beipflichten. In diesem Falle müssen Sie sich an die eigene Nase fassen.Hier quasi sehenden Auges über Jahre hinweg mögliche Diagnostik nicht in Anspruch zu nehmen, um dann so zu tun, als hätten hier nur die anderen Fehler gemacht, spricht dafür, dass es an Ihnen an erforderlicher Selbstkritik mangelt.

    Ertl

  3. RE: Kunststoff Zahnopfer Teil 4
    | Welche Füllung von Bild 4 bis
    | 7 die schlimmste ist, finden Sie
    | unter Dr. van Meerbeek: Alle
    | Kunststoff Kleber altern ganz unten.

    Nein, leider nicht. Die Auflösung Ihres Rätsels bleibt dem geneigten Leser verborgen. Der Verweis führt ins Nichts.

    Und darüber hinaus: Ich hätte vermutlich „Kunststoffüllungen“ geschrieben statt „Kunststoff Füllungen“ und natürlich auch „Kunststoffkleber“.

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