Tinnitus Patienten haben gehäuft TMD

60 % aller Tinnitus Patienten (Dauerton im Ohr) zeigen mehr als 2 Symptome für TMD (Schmerzen in der größeren Umgebung der Kiefergelenke) im Unterschied zu Tinnitus-Freien Kontrollpersonen, bei denen 36,5 % solche Anzeichen haben (p = 0,001 , bedeutet: kann auf keinen Fall Zufall sein).

Das hat die Abteilung für Konservierende Abteilung der Unizahnklinik Greifswald im Jahr 2004 herausgefunden. Dazu wurden 30 Fälle mit akutem Hörverlust und begleitendem Tinnitus auf TMD Symptome untersucht und mit Tinnitus-Gesunden verglichen.

Ergebnis: Tinnitus Patienten leiden hochsignifikant häufiger unter :

  • Schmerzen beim Abtasten der Kaumuskeln
  • Schmerzen beim Abtasten des Kiefergelenks
  • Schmerzen beim Öffnen des Mundes

als der Rest der Bevölkerung und 60% dieser Patienten hat mehr als 2 solcher Anzeichen.

Interpretation: Bis heute ist die Ätiologie (Ursache) des Tinnitus nicht bekannt. Vieles spricht für eine Fehlfunktion des Nervus vestibulocochlearis (Hörnerv) und/oder dessen Kerne (Endstation des Hirnnervs) im Nachhirn (Myelencephalon, Teil des Hirnstamms). Und nichts anderes passiert ein paar Millimeter nebenan im Trigeminus bzw. dessen Kerne bei TMD. Auch da tickt es nicht richtig, es läuft nicht rund.
Da ja nun der Beweis vorliegt, dass Tinnitus Leute mehr als zufällig oft auch TMD haben, liegt es nahe zu behaupten, dass die eigentliche Ursache für deren TMD wohl die gleiche ist, die auch zum Tinnitus führt. Wahrscheinlich also ein leichter Schaden im Hirnstamm. Das würde erklären, warum die typischen Mittelchen gegen Tinnitus, wie Infusionen mit Allzweckwaffen (Cortison, Antibiotika, Heparin …), in der Regel nichts nützen.

One Reply to “Tinnitus Patienten haben gehäuft TMD”

  1. RE: Tinnitus Patienten haben gehäuft TMD
    Wenn die Ursache „ein leichter Schaden im Hirnstamm ist“ worauf der Artikel ja deutet, dann bedeutet das, dass Menschen mit diesen Symptomen zu einem Neurologen gehen sollten, damit ihnen geholfen werden kann.

    Leider bestehen gegenüber Neurologen Vorurteile im Sinne von „da gehen nur die hin, die Plemm-Plemm sind“. Dabei werden zum Beispiel auch Schlaganfallpatienten vom Neurologen behandelt, – also immer dann, wenn an Nerven oder zentralen Nervensystem ein Schaden vorliegt.

    Wie ist denn dieser „leichte Schaden im Hirnstamm“ behandelbar? Schade, dass man noch so wenig über die Ursachen solcher Schädigungen weiss.

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