Zahnknackser schlägt zum dritten Mal zu

Herr G.G. (74) taucht hier in zahnfilm.de jetzt zum zweiten Mal auf. Sein Debut können Sie hier lesen So sind sie, die Männer – Pulpa offen und nix gemerkt.

Damals zählte Herr G.G. 70 Jahre und brach sich seinen Zahn 34 horizontal auf Zahnfleischhöhe ab, und zwar unter einer Metallkeramikkrone mit Geschiebe etwa 4 Wochen nach Neueinbau durch mich. Nun reüssiert unser Patient mit seinen beiden Eckzähnen im Oberkiefer, die ein Vorbehandler mutigerweise vor etwa 10 Jahren mit Ceka Ankern an Metallkeramikkronen „versorgt“ hatte.

 

Bild 1

Der zerstörte Zahn nennt sich 13, oder auch rechter oberer Eckzahn. Beachten Sie bitte die metallische Trennstelle an der Krone des Nachbarzahns 12. Dort habe ich – Joachim Wagner, Zahnarzt – die verlötete Krone 13 abgetrennt.

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Bild 2

So sieht eine abgetrennte ehemals verlötete Krone auf dem Eckzahn aus, die einen so genannten Ceka Anker tragen mußte. Mit etwas Nachdenken erschließt sich auch dem Nichtfachmann, warum solche Konstruktionen nach 10 Jahren bei einem Hardcore Knirscher zu mehr als 50% in die Hose gehen.

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Bild 3

Als Praktiker war mir im Juli 2010 schon aufgefallen, dass die Krone 13 nicht mehr fest auf ihrem Stumpf gesessen hat. Das Problem bei solchen Beobachtungen ist regelmäßig das, dem Patienten die Behandlungsnotwendigkeit nahezubringen. Ich habe mich damals darauf beschränkt, die Lockerung festzustellen und bei Beschwerden sofort einzuschreiten. Leider kamen die Beschwerden erst im Zerstörungsstadium wie im Bild 1 zu bewundern.

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Bild 4

Präzise am 16.03.2011 erscheint Herr G.G. (74) nun mit Schmerzen links oben. Mit Lupenbrille und dickem Scaler (= grober Haken) kann ich ermitteln, dass diesmal die verlötete Krone 23 auf dem ihrem Stumpf locker sitzt. Das Klopfen auf den 23 schmerzt erheblich, die Kälteprobe verläuft negativ.

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Bild 5

Ohne jedes Röntgenbild greife ich zum Schleifer und trenne die Lotstelle zwischen 22 und 23, woraufhin mir die Krone 23 erwartungsgemäß entgegenfällt und das Bild 5 entsteht. Der Zahn 23 wurde sauber horizontal abgebrochen, trotz der Verlötung der Kronen 22 und 23.

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Bild 6

Wenn Sie, verehrte Leser, in die erste Geschichte des Patienten G.G. hineinschauen, wird Ihnen dieser Anblick bekannt vorkommen. Das Bruchmuster entspricht im Detail dem des damals abgebrochenen Zahns 34.

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Bild 7

Der einzige Unterschied zum Fall damals ist nun, dass der Zeitpunkt der Entdeckung des Geschehens durch die Verlötung um geschätzte 6 Wochen verzögert wurde, weil damals die Einzelkrone einfach herunterfiel. Und diese Zeit macht den Unterschied zwischen keinem Schmerz damals und deutlichem Schmerz heute. Der ohne Anästhesie aus der freiliegenden Pulpa entfernte Restnerv zeigt, warum das so ist: Er ist in Fäulnis übergegangen.

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Besprechung

zahnfilm.de beleuchtet ausgesprochen gerne die Dunkelzonen der gegenwärtigen Zahnmedizin, also die Bereiche, in denen die herrschende Theorie der Prothetik kein bißchen mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Nach wie vor blenden unsere wackeren Prothetik Professoren planmäßig wesentlich Anteile der Wirklichkeit aus ihrer Wahrnehmung aus, um ihr Weltbild nicht in Gefahr zu bringen.

Das betrifft besonders den Bereich der harten Knirscher. Harte Knirscher verursachen mindestens 50% aller schwierigen Komplikationen in der zahnärztlichen Prothetik, das wird von offizieller Seite aber bis heute nicht eingestanden. Mir als Praktiker braucht keiner zeigen, wie ein Leichtbeisser „saniert“ werden kann. Diese Spielerei ist doch für Kinder. Liebe Freunde von der Prothetik Front, beantworten Sie mir lieber bitte folgende Fragen:

  • Konkret: wie wollen Sie Herrn G.G. jetzt weiterversorgen? Eckzähne ziehen? Und dann? Sind Sie sicher, dass Implantate bei diesem Mann funktionieren? Und was ist, wenn die Kohle dafür fehlt?
  • Schauen Sie sich bitte dieses Foto an:Knirscher vom Dienst Möchten Sie bei diesem Patienten wirklich irgendetwas einbauen? Wenn ja, was?
  • Ich habe eine Extremknirscherin, die zermalmt bervorzugt auch ihre eigenen Backenzähne, bricht komplette Wände von intakten Backenzähnen ab usw. Einen Eindruck erhalten Sie hier Einbeiß Quickie  Wer von Ihnen traut sich bei dieser Frau Vollkeramik einzubauen? Genausogut könnte ich auch fragen: sind Sie noch zu retten?

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