Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht in Deutschland

Reader_26.08.2011_125222Ursprünglich sollte der Titel des Artikels lauten „Neues Glas Ionomer Nano Material gesichtet“ mit dem Untertitel:  Der deutsche Dentalmaterial Hersteller 3M / Espe testet in einem indischen Labor neues Material. ketacnano1

Es zeigt sich aber, dass das Material mit Namen „Ketac N100“ bereits seit mindestens 2009 in Ländern wie den USA, der Schweiz und Österreich lieferbar ist. Eigenartigerweise in Deutschland aber bei etlichen der großen Händler, z.B. M+W Dental, Büdingen nicht .

 

Allmählich kristallisiert sich heraus, wieso in Deutschland widersprüchliche Liefersituationen gemeldet werden. Dabei spielen mehrere Fakten eine Rolle:

1. Auf dem deutschen Dentalmarkt erzielen alle Hersteller nach wie vor die höchsten Preise weltweit für ihre Produkte, weil die pro Kopf Ausgaben für Zähne nirgendwo so hoch liegen. *)

2. Das Produkt Ketac N100 wurde offenbar in erster Linie mit Blick auf den Weltmarkt entwickelt, also für Länder, die bereits einen etablierten Markt für Glas Ionomer Materialien besitzen. Das sind traditionell Großbritannien, Australien, Japan, und jetzt zunehmend die ehemaligen Ostblockstaaten, dazu China und Indien. Das läßt sich auch an den Ländern ablesen, die die Forschungsarbeiten mit Ketac N100 seit etwa 2008 durchgeführt haben.

3. Ketac N100 wird in den USA **) für den Weltmarkt produziert in Form eines sogenannten „Klickers“, der gleichzeitig  2 gleich lange Stücke Pasten aus entsprechenden Röhren drückt, die dann per Hand (!) vermischt werden sollen. Laut Herstellerangaben soll der Klicker für 40 Anwendungen ausreichen, und kostet bei Dentina, Konstanz ca 65 Euro, was einem Portionspreis mit MWSt von etwa 1,75 Euro gleichkommt. Solches missfällt jedoch der deutschen Marketing Abteilung von 3M / Espe, die ihre besten Gewinne erzielt mit einzeln verpackten Kunststoff-Einzelkapseln für einen halben Zahn. Beispiel: Ketac molar, mit einem Stückpreis von 2,40 Euro. Wohlgemerkt für altes Material und ohne die Möglichkeit, die angemischte Menge zu dosieren.

 

Die Erklärung für die seltsame Funkstille um das gar nicht so neue Hochleistungs Material „Ketac N100“ ist demnach ganz einfach:  Der Hersteller hat die Werbung für das Produkt in Deutschland – die sogenannte Produkteinführung in der dentalinstriehörigen Presse – gezielt weggelassen, um sich nicht selbst mit eigenem neuen, besseren und auch noch billigeren Material Konkurrenz zu machen. Deshalb weiß nahezu keiner was von der Neuentwicklung und die Händler stellen es nicht ins Regal, weil niemand nachfragt.

Und das ist schade

Die Bilder, die 3M Espe für den deutschsprachigen Raum in den eigenen Verkaufsprospekt  hineingerückt hat, lassen auf alle Fälle vermuten, dass wir es mit einem hochinteressanten Material zu tun haben. Nimmt man dann auch noch ins Kalkül, dass das modernste Produkt des Hauses 3M / Espe nur  in der Günstigpackung für die Dritte Welt zu kaufen ist, dann heißt das für den deutschen Zahnarzt: bestellen, solange der Ami **) der Meinung ist, dass Einzelkapseln nicht in Frage kommen. Billiger kommen wir an diese zur Zeit sonst nirgendwo erhältliche (!) Weiterentwicklung von Ketac Glas Ionomer nicht heran.

 

*) Was auch daran ablesbar ist, dass Deutschland das einzige Land ist, in dem der ganz gewöhnliche Mensch von der Straße sich 2 (zwei) ! Versicherungen parallel für die Zahnarzterei hält – nämlich die Gesetzliche und dazu die Zusatzversicherung. Nirgendwo sonst auf der Welt fällt das der Menschheit sonst ein.

**) Wahrscheinlich haben sich die 3M Leute in Minnesota mit den Espe Leuten in Seefeld/Deutschland wegen der Einzelpatronen für Ketac N100 in die Wolle bekommen, und der Ami hat sich mit dem Argument durchgesetzt, dass in der großen weiten Welt Einzelfüllungen für 4 Dollar aufwärts nicht attraktiv an Zahnärzte zu verkaufen sind. Reader_26.08.2011_124247

 

 

Nachtrag 29.08.2011

 

Der Eintrag von Ketac N100 im Katalog 2010 des Versandhändlers Dentina, Konstanz (Henryschein Depot) entpuppt sich heute als veraltet. Beim Versuch einer Bestellung teilt uns der Händler mit, dass das Material nicht mehr lieferbar sei. Also doch eine zentral gesteuerte Nichtversorgung für …schland.

Selbstredend hält uns das nicht davon ab, uns das Material im Ösiland zu besorgen, wo es – genau wie in der Schweiz – überall feilgeboten wird.

9 Replies to “Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht in Deutschland”

  1. RE: Deutsche Zahnärzte werden von 3M Espe nicht mit neuem Nano Ketac beliefert
    sehr interessant über dieses Material zu erfahren. Wäre wert, weiterverfolgt zu werden, vor allem die Frage, der Zulassung für Deutschland, nachdem es in anderen Ländern bereits seit Jahren im Einsatz ist und hier keiner was von wußte.
    Danke fürs Einstellen.

  2. RE: Deutsche Zahnärzte werden von 3M Espe nicht mit neuem Nano Ketac beliefert
    Hallo,

    da ich in meiner Praxis über Aera (www.aera-online.de) einkaufe, habe ich da mal nachgeschaut.
    Einfach N100 eingeben.
    Zwei Anbieter aus Deutschland haben es nach deren Liste im Verkauf
    – Dental Direct Koblenz
    – Super-Dental GmbH

    Keine Ahnung, wo die das herbekommen.

  3. RE: Deutsche Zahnärzte werden von 3M Espe nicht mit neuem Nano Ketac beliefert
    Man kann das Material auch über Pharmador online shop bestellen.

    Wenn ein Zahnmaterial in einem anderen EU Land verwendet wird ist es auch in Deutschland zugelassen, da die Richtlinien gleich sind.

    Vielleicht haben die deutschen Zahnärzte keine Lust auf das Zahnmaterial.

  4. RE: Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht aktiv in Deutschland
    interessant ist aber wenn laut Herr Wagner , dieses Material Ketac Nano gerade auch in den Ländern verkauft wird , wie Japan, oder Osten, zum Beispiel Rußland, dort wird kein Amalgam verwendet.
    Deshalb denke ich ist dort auch die Nachfrage größer.
    Die deutschen Zahnärzte verkaufen ja als alternative zu Amalgam schon lieber die teueren Füllungen.Der Verdienst soll ja noch da sein

  5. RE: Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht aktiv in Deutschland
    wie sind denn die Preise? Vielleicht ist Ketac einfach billiger als Amalgam… 8)

  6. RE: Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht in Deutschland
    Im Backenzahnbereich, wie lange hält da eine Zementfüllungen mit GIZ, bis sie wieder erneuert werden muss?

  7. RE: Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht in Deutschland
    Hallo Sven.
    Im Okklusalbereich (einflächig)
    kann eine solche Füllung sehr alt werden.
    20 Jahre sind keine Seltenheit, allerdings wäscht sich die Füllung mit den Jahren etwas aus was zum Höhenverlust führt und unter Umständen den Gegenzahn elongieren läßt.
    Für zwei oder dreiflächige Füllungen sehe ich GIZ als Indikation im Seitenzahnbereich eher kritisch weil der Approximalkontakt (Kontakt zum Nachbarzahn)nicht dauerhaft gewährleistet werden kann.
    VG, Markus

  8. RE: Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht in Deutschland
    [quote name=“Markus“]Hallo Sven.
    Im Okklusalbereich (einflächig)
    kann eine solche Füllung sehr alt werden.
    20 Jahre sind keine Seltenheit, allerdings wäscht sich die Füllung mit den Jahren etwas aus was zum Höhenverlust führt und unter Umständen den Gegenzahn elongieren läßt.
    Für zwei oder dreiflächige Füllungen sehe ich GIZ als Indikation im Seitenzahnbereich eher kritisch weil der Approximalkontakt (Kontakt zum Nachbarzahn)nicht dauerhaft gewährleistet werden kann.
    VG, Markus[/quote]

    Ah, vielen Dank für die Info, Markus.

    Dann ist eine solche Füllung durchaus mehr als nur ein Provisorium und kann im besten Falle lange halten.
    Im weniger optimalen Falle zumindest so lange, bis die Frage geklärt ist, ob ein Inlet aus Gold oder eine Krone, oder je nachdem was indiziert ist und bezahlt werden kann, sorgfältig geplant werden kann.

  9. RE: Artikelversion 3: Hersteller vermarktet Hochleistungs GIZ Produkt nicht in Deutschland
    Ja die GIZ sollen vor allem auch als alternative Ersatzfüllungen nach den Entfernen von Amalgamfüllungen genommen werden und ca 2 Jahre als Übergangslösung dann in den Zähnen bleiben

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