Neuropathie des Trigeminus macht andere Hirnveränderung als TMD

J Neurosci. 2011 Apr 20;31(16):5956-64.

Verschiedene Schmerzen, verschiedene Gehirne: Anatomie des Thalamus bei neuropathischen und nicht-neuropathischen chronischen Schmerzsyndromen.

Gustin SM, Peck CC, Wilcox SL, Nash PG, Murray GM, Henderson LA.

Herkunft

Institut für Anatomie und Histologie, University of Sydney, Sydney, New South Wales, Australien.

Zusammenfassung

Von neuropathischen Schmerzen des Trigeminus(TNP) und chronischen Muskelschmerzen im Gesicht (TMD) wird angenommen, dass sie grundsätzlich verschiedene Ursachen haben. Es wird vermutet, dass TNP durch eine Beschädigung oder Druck auf die somatosensorischen Afferenzen [= ganz allgemein: den Nerv] im Trigeminus-Nerv entsteht, während TMD vor allem resultiert aus der Aktivierung von peripheren Nozizeptoren [= Sensoren am Nervende] . Neuropathische Schmerzen gehen mit Veränderungen in der Gehirn Anatomie einher, weshalb einige Arbeitspapiere annehmen, dass die TNP durch die Änderungen in höheren Hirnstrukturen aufrecht erhalten wird, während dies bei TMD nicht der Fall ist.

Das Ziel dieser Untersuchung ist es, festzustellen, ob Änderungen in der regionalen Anatomie des Gehirns und der Biochemie in beiden Bedingungen auftreten. 21 TNP Patienten, 20 TMD Patienten und 36 gesunden Kontrollpersonen konnten  rekrutiert wurden. Voxel-basierte Morphometrie der T1-gewichteten anatomischen Bilder [= Kernspin Aufnahmen] zeigten keine signifikanten regionalen grauen Substanz Veränderung des Volumens der TMD Patienten. Im Gegensatz dazu war die graue Substanz im Volumen von TNP Patienten im primären somatosensorischen Kortex, anterioren Insula, Putamen, Nucleus accumbens und dem Thalamus reduziert, während das Volumen der grauen Substanz in den hinteren Insula erhöht war. Der Thalamus Volumen Rückgang wurde nur bei TNP Patienten mit Trigeminus-Neuropathie, nicht aber bei solchen mit Trigeminusneuralgie gesehen. Darüber hinaus zeigten sich in Trigeminus Neuropathie- Patienten  Magnetresonanz- Spektroskopie eine signifikante Reduktion in der N-acetylaspartate/creatine-Verhältnis, ein biochemischer Marker der neuronalen Lebensfähigkeit, in der Region des Thalamus Volumenverlust. Die Daten deuten darauf hin, dass die der Pathogenese [= Krankheitsursache] zugrunde liegenden neuropathischen und nicht-neuropathischen Schmerz Bedingungen grundlegend andere sind und dass neuropathische Schmerzen, die von peripheren Verletzungen stammen, auch durch strukturelle Veränderungen in Regionen wie dem Thalamus erzeugt und erhalten werden können.

Different pain, different brain: thalamic anatomy in neuropathic and non-neuropathic chronic pain syndromes.

Source

Department of Anatomy and Histology, University of Sydney, Sydney, New South Wales, Australia.

Abstract

Trigeminal neuropathic pain (TNP) and temporomandibular disorders (TMD) are thought to have fundamentally different etiologies. It has been proposed that TNP arises through damage to, or pressure on, somatosensory afferents in the trigeminal nerve, whereas TMD results primarily from peripheral nociceptor activation. Because some reports suggest that neuropathic pain is associated with changes in brain anatomy, it is possible that TNP is maintained by changes in higher brain structures, whereas TMD is not. The aim of this investigation is to determine whether changes in regional brain anatomy and biochemistry occur in both conditions. Twenty-one TNP subjects, 20 TMD subjects, and 36 healthy controls were recruited. Voxel-based morphometry of T1-weighted anatomical images revealed no significant regional gray matter volume change in TMD patients. In contrast, gray matter volume of TNP patients was reduced in the primary somatosensory cortex, anterior insula, putamen, nucleus accumbens, and the thalamus, whereas gray matter volume was increased in the posterior insula. The thalamic volume decrease was only seen in the TNP patients classified as having trigeminal neuropathy but not those with trigeminal neuralgia. Furthermore, in trigeminal neuropathy patients, magnetic resonance spectroscopy revealed a significant reduction in the N-acetylaspartate/creatine ratio, a biochemical marker of neural viability, in the region of thalamic volume loss. The data suggest that the pathogenesis underlying neuropathic and non-neuropathic pain conditions are fundamentally different and that neuropathic pain conditions that result from peripheral injuries may be generated and/or maintained by structural changes in regions such as the thalamus.

PMID:
21508220
[PubMed – indexed for MEDLINE]

 

 


 

Kommentar

An diesem Arbeitspapier sind 3 Feststellungen bemerkenswert

  1. Die Neuropathie des Trigeminus unterscheidet sich anatomisch von der TMD im Hirn
  2. Die Neuropathie des Trigeminus unterscheidet sich anatomisch von der Trigeminus Neuralgie im Hirn
  3. TMD (CMD) soll laut diesem Papier keine Hirnveränderungen – auf jeden Fall nicht im Thalamus – verursachen

Aus den bisher bekannten Arbeiten zu diesem Thema wissen wir aber, dass zumindestes die Feststellung Nummer 3 nicht unwidersprochen ist. In meinem Artikel M-TMD (CMD) macht Veränderungen im trigeminalen und limbischen System  schreiben die dortigen Wissenschaftler, von nachgewiesenen Veränderungen mitten im Hirn; und zwar dem limbischen System. Darum muss das  Papier hier mit einer gewissen Vorsicht gelesen werden.

Aus Sicht des langjährigen auf diesem Gebiet tätigen Kommentators Joachim Wagner, Zahnarzt, dürfte der Hinweis auf einen anatomischen Unterschied der Veränderungen im Hirn von TNP und TMD Patienten aber durchaus Gewicht haben. Wir sollten also vorsichtshalber davon ausgehen, dass TNP und TMD zwei wirklich sehr verschiedene Krankheiten sind.


1. Gustin SM, Peck CC, Wilcox SL, u. a. Different pain, different brain: thalamic anatomy in neuropathic and non-neuropathic chronic pain syndromes. J. Neurosci. 2011;31(16):5956-5964.

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