B-Steri aus China selbst repariert

IMG_0960Diesen China Sterilisator mit der Spezifikation B (aktuell geforderte Geräteeinrichtung mit Vakuumpumpe zum Leerpumpen der Kammer vor dem Einblasen des überhitzten Wasserdampfes) betreibe ich seit  März 2011. Selbstverständlich verfügt das Chinagerät auch über einen eigenen mitgelieferten Drucker, der alle Sterilisationszyklen fortlaufend nummeriert und den Verlauf dokumentiert.

Dieses Gerät hatte bisher 2 Pannen. Und zwar beobachteten wir relativ schnell nach der Lieferung ungewolltes „Wasserlassen unter sich“ des Teiles am Schluss jedes Sterilisationsvorganges. Die Ursache ließ sich nach Abschrauben (6 Kreuzschlitzschrauben) der linken Gehäusewand leicht erkennen: Eine loses Schlauchende für die Auslüftung des Kessels. Mit Hilfe eines Kunststoff Kabelbinders war dieses Problem leicht zu lösen.

IMG_1832Etwas schwieriger gestaltete sich ein Fehler, der erst nach etwa 6 Monaten auftrat. Das Gerät fing an, penetrant zu piepsen und zeigte in der unteren Anzeige „E1“ an. Der Blick in die Bedienungsanleitung offenbarte, dass E1 der Temperatursensor des Dampferzeugers mit elektrischer Heizung ist. Per Rücksprache mit dem LIeferanten „Medenstar“ über Email übersandte mir dieser kurzfristig ein Auswechselteil für diesen Sensor.

Beim Einbau des neuen Teiles zeigte sich, dass der Aufbau des Sterilisator von innen recht sauber ausgeführt ist und für einen alten Zerleger von Elektronik Teilen keine wirklichen Herausforderungen darstellt. Insbesondere sind alle Elektro-Ventile gut beschriftet (lateinisch) und die zuführenden Leitungen auf der Steuerplatine einfach wiederzuerkennen.

Im Bild 2 ist die Platine abgebildet und im Bildzentrum der Stecker für den Temperatursensor E1. Und auch hier schlägt Murphy’s Gesetz zu: Wenn man die 16. Schraube am Gehäusedeckel festgezogen hat, stellt man fest, dass die Dichtung fehlt … Als ich den Sensor komplett neu installiert, im Dampferzeuger festgeschraubt und das Kabel hitzegeschützt verlegt hatte, stellte sich heraus, dass das eigentliche Problem nicht der Temperatur Sensor war, sondern nur der gottverdammte Stecker. IMG_1833Darum griff ich zur Redneck Lösung: ich setzte den Stecker mit rotem Kunststoff in der Dose fest.

 

Ergebnis: Gerät funktioniert wie gewohnt.

 

Ungewohnte Offenheit

Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) bin jetzt ganz sicher, das richtige Gerät gekauft zu haben, übrigens für den angenehmen Kurs von Euro 1.000,– plus Importabgaben. Vor diesem Chinasteri besaß ich 2 verschiedene „Sterimax“ B-Sterilisatoren von Aesculap, gewartet durch eine einschlägig bekannte Firma in Düsseldorf. Auch an diesen Teilen hatte ich meinen Akkuschrauber angesetzt, um eine piepsende Betriebsstörung zu beseitigen.

Aber die beteiligten Firmen (Hersteller und Wartung) geben sich bei dem deutschen Produkt alle Mühe, die Fehlermeldungen der Prozessorplatine hinter kryptischen Ziffern zu verbergen, deren Bedeutung sie ihrem Nutzer nicht mitteilen wollen. Ohne eine solche Unterstützung und der Lieferung von Ersatzteilen ist der Nutzer auf das nicht ganz nachvollziehbare Geschäftsgebahren der Wartungsfirma angewiesen, die es bei allen bisherigen „Wartungen“ und Reparaturen geschafft hatte, die 1.000 Euro Marke locker zu überspringen. Bei gefühlten 2 Vorkommnissen dieser Art im Jahr, sucht auch der Zahnarzt nach Alternativen.

 

Fazit: Der Medenstar B-Steri aus Shanghai ist für den Einsatz in der Prärie (z.B. in Leverkusen, weit ab vom Schuß des Herstellers und seiner Händler) geeignet, weil er über eine halbintelligente Fehlermeldung und Dokumentation verfügt. Deshalb kann er von einem durchschnittlich begabten Elektriker ohne Geheimwissen gewartet werden. Das deutsche Gerät für den ca. 5-fachen Preis verweigert solche Auskünfte und erzwingt ärgerliche Boxenstopps beim Spezialisten im Wert von jeweils des Neupreises des Asien-Gerätes. Selbst wenn der Chinese noch innerhalb des nächsten Jahres (Gesamtlaufzeit dann 2 Jahre) eine Blutgrätsche hinlegen sollte (= nicht mehr zu reparieren wäre), ist der Neukauf schon eine beschlossene Sache.

7 Replies to “B-Steri aus China selbst repariert”

  1. RE: B-Steri aus China selbst repariert
    Hallo Herr Kolege Wagner, wollte Sie bezüglich der Firma Medenstar zwei Sachen fragen.
    Erstens: Wie generell der After-Sell-Service ausfällt und zweitens:
    Können Sie etwas zun den Intraoralen Kameras der Firma sagen. Haben Sie da evtl. Erfahrungen gesammelt. Die Preise sind ja unschlagbar günstig. Für Plastikschrott dagegen hoch. 🙂

    Viele Grüße,
    Markus

  2. RE: B-Steri aus China selbst repariert
    Hallo Kollege Markus, der Chinese Medenstar hört sich Reklamationen durchaus offen an, andererseits kann man als Abnehmer in Deutschland nicht erwarten, dass der Shanghai-Lieferant außer Ersatzteilen und Dokumentationen weitere Leistungen erbringen kann. Dafür sind die Teile nun auch zu billig. Das gilt ganz besonders für den Behandlungsstuhl, an dem ich auch 2 bis 3 Dinge nachzubessern hatte. Was die Kamera angeht: keine Ahnung. Bei dem Kurs können Sie aber so oder so nichts falsch machen. Viele Grüße Joachim Wagner

  3. Steri aus China
    Sehr geehrter Herr Kolege Wagner,

    leider erhalte ich per e-mail keine Preisliste der Fa. medenstar.
    Hatten Sie schon die Praxisbegehung, da die Geräte ja kein CE-Zeichen haben, bzw. sehen Sie dort ggfs. Probleme?

    Die Kameras (ich habe 2 auf der letzen IDS gekauft) sind spitze!

    Mit freundlichem Gruß

    Dietmar Schulte

  4. Medenstar
    Mein lieber Kollege Schulte, der Herr Medenstar ist bei mir immer derartig bemüht, dass ich mir nur vorstellen kann, dass Sie eine unzutreffende Email-Adresse verwenden. Nehmen Sie mal meine: export@medenstar.com . Was die Begehungen angeht: Zahnärzte sind einfach zu obrigkeitshörig. Sie geben lieber einen Haufen Geld im voraus aus, um ja nicht mit einem Beamten aneinander zu geraten, der fachlich doch gar nicht in der Lage ist, zu beurteilen, ob die benutzten Verfahren den medizinisch gewünschten Effekt haben.
    Der China Steri hat natürlich ein CE Zeichen und ich lasse alle 6 Monate geeignete Sporenproben aus einem bakteriologischen Qualitätslabor mitlaufen. Bisher ohne jede Probleme: alles steril. Mit dieser Dokumentation sehe ich einer Begehung ruhig entgegen. PUnkt. Viele Grüße Joachim Wagner

  5. Hallo Herr Kollege Wagner,

    gerne würde ich mehr über ihre Erfahrungen chinesischer Dentaleinheiten erfahren. Vermutlich sind die Einheiten nur für Nassabsaugung ausgelegt. Über welchen Vertriebsweg haben Sie die Einheit gekauft und welches Modell können Sie da empfehlen, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben.
    Gruß
    Mügge

  6. Sehr geehrter Herr Kollege Wagner,

    ich lese gerade mit einiger Begeisterung von Ihrem Steri aus dem Land der Mitte und bin drauf und dran, den Versuch ebenfalls zu wagen. Haben Sie damals eigentlich den 25 oder den 16 Liter Kasten bestellt? Leider antwortet die Fa. Medenstar mir ebenfalls nicht unter der og. E-Mail-Adresse. Haben Sie noch Kontakt zu denen – oder hat die Firma sich vielleicht ganz vom europäischen Markt zurückgezogen?

    Grüße

    Thomas Schubkegel

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