Zahnärzte und Spezialisten unterschätzen Häufigkeit von Dauerschmerzen in Mund und Gesicht

Bewerte diesen Beitrag
Prim Dent Care. 2011 Jan;18(1):41-4.

Das Wissen von Zahnärzten und Spezialisten über chronische orofaziale Schmerzen: Ergebnisse aus einer Umfrage der beruflichen Weiterbildung.

Ziel:
Das Wissen über chronische Schmerzen im Bereich von Mund und Gesicht der britischen allgemeinen Zahnärzte (GDP = General Dental Practitioner) und der Chirurgie-Spezialisten zu erkunden.

Methoden:
Nach einer jüngsten landesweiten Umfrage unter GDPs und Spezialisten zu der Diagnose von Schmerzen im Gesicht, wurden alle, die geantwortet hatten, aufgefordert, vier Multiple-Choice-Fragen zu chronischen Schmerzen als Teil einer beruflichen Weiterbildung Übung zu beantworten. Die Fragen wurden mit Rücksicht auf die Literatur und in Rücksprache mit einem Experten für Gesichtsschmerzen formuliert. Das Ganze wurde per Post durchgeführt.

Ergebnisse:
Von den 380 Probanden, die die Original-Umfrage ausgefüllt hatten, beantworteten 212 (56%) auch die Multiple-Choice-Fragebögen. Spezialisten beantworteten deutlich mehr Fragen richtig als die GDPs (P <0,001). Die Mehrheit der Spezialisten -49/83 (59%) erreichte einen Wert von drei oder mehr korrekten Antworten, verglichen mit 39/129 (30%) der GDPs. Dies ist aufgrund der Variation bei der Beantwortung einer Frage zurückzuführen. Deutlich mehr Spezialisten – 50 (60%) – wählten korrekterweise die Trigeminusneuralgie (TN) als eine Bedingung, die nicht mit COFP (= chronischen Mund/Gesichtsschmerzen) assoziiert ist, während nur 41 (32%) GDPs diese Antwort ankreuzten. Beide  – Spezialisten und GDPs –  unterschätzten stark das Vorkommen von COFP in allgemeinen Kliniken.

Schlussfolgerung:
Die Ergebnisse legen nahe, dass Fachspezialisten und die GDPs über ausreichende Kenntnisse verfügen können, um eine angemessene Diagnose von COFP zu stellen, aber sie heben auch die Wissenslücken hervor und vielleicht auch die Notwendigkeit für weitergehende Einbeziehung von COFP in den zahnärztlichen Lehrplans.

PMID:
21214979
[PubMed – indexed for MEDLINE]

Prim Dent Care. 2011 Jan;18(1):41-4.

Dentists‘ and specialists‘ knowledge of chronic orofacial pain: results from a continuing professional development survey.

Source

National Institute for Health Research (NIHR), Oral Health Unit, School of Dentistry, University of Manchester, Manchester, UK.

Abstract

AIM:

To explore the knowledge of chronic orofacial pain within general dental practitioners (GDPs) and dental specialists.

METHODS:

Following a recent national survey of GDPs and specialists on the diagnosis of facial pain, all those who responded were asked to answer four multiple-choice questions on chronic orofacial pain as part of a continuing professional development exercise. The questions were formulated using a review of the literature and consultation with a facial pain expert and were administered by post.

RESULTS:

Of the 380 subjects who completed the original survey, 212 (56%) returned completed multiple-choice questionnaires. Specialists correctly answered significantly more questions than GDPs (P<0.001). The majority of specialists-49/83 (59%)-obtained a score of three or more, compared to 39/129 (30%) GDPs. This was due to variation in answering one question. Significantly more specialists–50 (60%)–correctly selected trigeminal neuralgia (TN) as a condition that is not associated with COFP, whereas only 41 (32%) GDPs chose this answer. Both specialists and GDPs grossly underestimated the prevalence of COFP in secondary care clinics.

CONCLUSIONS:

The results suggest that specialists and GDPs may have sufficient knowledge to make an appropriate diagnosis of COFP, but they also highlight the knowledge gaps and perhaps the need for more extensive inclusion of COFP in the dental undergraduate curriculum.

PMID:
21214979
[PubMed – indexed for MEDLINE]

Kommentar

Prof. Dr. Joanna M. Zakrzewska kennt sich aus mit Trigeminus Neuralgien (TN) und Dauerschmerzen im Mund und Gesicht, die mit TN nichts zu tun haben. Diese relativ frische Studie aus dem Januar 2011 betont nicht umsonst den Unterschied zwischen der TN und dem auf englisch „chronic orofacial pain“, abgekürzt COFP.

Und dann erfahren wir einen wirklich wichtigen Satz dieser seit 1983 tätigen Spezialistin: „Both specialists and GDPs grossly underestimated the prevalence of COFP in secondary care clinics.“ , was nichts anderes bedeutet, als dass die Zahnmediziner bis heute keine Ahnung von der enormen Ausdehnung dieser Erkrankung im wirklichen Leben haben. Sie unterschätzen es „grossly“ = dramatisch. Das ist endlich eine Aussage, auf die die schmerzgeplagten Schreiberinnen hier im Forum von Zahnfilm DE gewartet haben. Eine anerkannte Professorin für Trigeminus Neuralgien in England mit fast 30 Jahren Berufserfahrung sagt ihnen, dass

  1. Sie eben keine Trigeminus Neuralgie haben, wenn sie unter Dauerschmerzen im Mund und/oder Gesicht leiden, sondern diese Krankheit COFP heißt. Hier in Zahnfilm DE heißt sie Trigeminus Neuropathie, was aber nur ein anderer Ausdruck für die gleiche Krankheit ist.
  2. Sie keineswegs seltene Ausnahmen darstellen, die man als Zahnmediziner deswegen auch nicht erkennen kann. Das Gegenteil ist der Fall, COFP kommt häufiger vor als die Trigeminus Neuralgie und sollte deshalb auch an der Universität endlich ausführlich gelehrt werden.

2 Replies to “Zahnärzte und Spezialisten unterschätzen Häufigkeit von Dauerschmerzen in Mund und Gesicht”

  1. Hallo, ich bin Markus der Mann von Renate. Die leidet seit Die 19.09.17 erbärmlich an Schmerzen im linken hinteren Unterkiefer. Etwa alle 4 Std auch nachts bekommt sie eine Attacke, die 30 min extrem sein kann und meist nach weiteren 30 min wieder verschwindet. Die Zähne sind nach Ansicht vom Zahnarzt, Oberarzt der LMU Zahnklinik München und meinem Kieferortopäden nach bekannten Testverfahren als unauffällig eingestuft, der vorletzte Zahn hat eine mindestens 15 Jahre alte Krone. Sie nimmt nun alle 4 Std. 60er Ibuflam, 2xtägl. Amoxi-Clavulan Aurobindo und bei Bedarf 30 Tropfen Novainsulfon 500.
    Wir versuchen damit gerade das WE zu überstehen und sind am Montag wieder beim wenigstens freundlichen (teuren) Kieferorthopäden. Der hatte am Freitag diesen Bereich noch gespritzt, was sehr gut funktionierte und kam dann zum Ergebnis, dass es ja dann doch von den Zähnen kommen muss und keine Neuralgie der Gesichtsnerven ist, was ihm lieber gewesen wäre weil er ja keinen Befund an den Zähnen hat.
    Kennt jemand eine Adresse in/um München wo man mit einer solchen Problematik gut aufgehoben ist?

    1. Hallo, Sie schildern eine typische Pulpitis. Das hat in der Tat nichts mit „Nervenschmerzen“ zu tun. Notwendig ist eine Wurzelbehandlung. Welcher Zahn es nun wirklich ist, läßt sich oft mit einem Beißtest auf ein Holz in der Größe eines Bleistiftes ermitteln.

      VG J. Wagner

Kommentar verfassen