Das Dahl Prinzip: Was es kann

modellguss

 Bild 1  Abgebildet sehen Sie eine herausnehmbare Modellgussplatte (Stahlplatte) für einen einzigen Zweck: Sie soll den Biss im Bereich der oberen Schneidezähne um 1 bis 3 Millimeter, also recht ordentlich, heben. Die Idee dahinter ist, dass sich nach durchschnittlich 3 Monaten a) die Schneidezähne etwas eindrücken und gelichzeitig b) die hohl liegenden Backenzähne verlängern, was Platz verschafft bei abgeknirschten Frontzähnen.

Br Dent J. 2005 Jun 11;198(11):669-76; quiz 720.

Das Dahl Konzept: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Quelle

GKT Dental Institute of King’s College London, Mayday and St George’s Hospitals, London, UK.

fronterhoehungZusammenfassung

Das Gerät nach Dahl wurde vor fast 30 Jahren beschrieben. Diese herausnehmbare Metall Biss Plattform wurde verwendet, um neuen Raum in der Senkrechten in einem bestimmten Bereich des Mundes zu schaffen, damit die Platzierung von Schutzteilen/Kronen auf abgeknirschten Frontzähne erleichtert wird.

Das Konzept Dahl wird traditionell mit dem Management von abgenutzten Zähnen verbunden. Jedoch kann das gleiche Prinzip erfolgreich und sicher an einer Vielzahl von klinischen Situationen angewandt werden. Dies hat die Behandlung von schwierigen Probleme, die in der Vergangenheit kaum lösbar schienen, vereinfacht. Die Vorteile liegen beim Erhalt der Zahnsubstanz und die langfristigen Effekte, die das mit sich bringt.

Dieser Aufsatz bespricht die Literatur im Zusammenhang mit dem Dahl Konzept und wie sich das Konzept weiter entwickelt hat. Es gibt eine Diskussion über mögliche zukünftige Anwendungen und die Forschung.

PMID:
15951771
[PubMed – indexed for MEDLINE]

Bild 2   Ein klinischer Fall behandelt nach dem Dahl Konzept a) Präoperative Ansicht der abgenutzten Frontzähnen im Schlussbiss. b) Präoperative Ansicht der abgenutzten Frontzähne. (Beachten Sie die Verzerrung in der Okklusionsebene.) c) Sofortige postoperative Ansicht (in der Beißposition der maximalen Verzahnung) im Anschluss an die Platzierung von direkten Kompositfüllungen auf die Zähne 11, 21, 41 und 42 bei einem höheren Abstand der Kiefer zueinander (= erhöhte vertikale Dimension der Okklusion), mit offenem Biss im Seitenzahnbereich. d) Wiederherstellung der okklusalen Kontakte auf den Seitenzähnen nach 3 Monaten.


seitenerhoehungAbbildung 3: a) Präoperative Ansicht, die die Verzerrung der Okklusionsebene und der Mangel an Bißhöhe infolge des zu weiten Durchbruchs der nicht in Kaukontakt stehenden Zähne 35 und 36 zeigt. b) Das zementierte Kobalt-Chrom Dahl Gerät in situ (= an Ort und Stelle). Man beachte die erhebliche Erhöhung der vertikalen Dimension der Okklusion. c) Postoperative Ansicht. Im gesamten Zahnbogen wurden die Kaukontakte innerhalb von 3 Monaten während des Tragen des Gerätes wieder hergestellt.
Br Dent J. 2005 Jun 11;198(11):669-76; quiz 720.

The Dahl Concept: past, present and future.

Source

GKT Dental Institute of King’s College London, Mayday and St George’s Hospitals, London, UK.

Abstract

The Dahl appliance was described nearly 30 years ago. This removable metal bite platform was used to create inter-occlusal space, in a localised part of the mouth, to facilitate the placement of restorations on worn anterior teeth. The Dahl concept is traditionally associated with the management of worn teeth. However, the same principles can be successfully and safely applied to a variety of clinical situations. This has simplified the management of historically complex problems. The advantages are the preservation of tooth tissue and the long-term benefits that brings. This paper reviews the literature related to the Dahl concept and how the concept has developed. There is a discussion regarding possible future applications and research.

PMID:
15951771
[PubMed – indexed for MEDLINE]

 dahl ergebnisse

Tabelle 1:  Es liegen bereits 5 Studien mit insgesamt etwa 120 Teilnehmern aus dem Zeitraum von 1982 (Dahl & Krogstad) bis 2003 (Redman et.al.) vor, die ausnahmslos Erfolgsraten zwischen 83% und 100% in Bezug auf das beabsichtigte Therapieziel aufwiesen. Die dafür nötige Behandlungsdauer betrug im Mittel 4 bis 9 Monaten.


Anmerkungen

Deutschland erwache! Der norwegische und der britische Zahnkollege ist sich komplett sicher, dass das absichtliche Stören des Bisses mit millimeterhohen Aufbauten auf einzelne Zähne bzw. Zahngruppen zum Zwecke der Platzschaffung a) Ein Verfahren mit einer vorhersagbar hohen Erfolgsquote darstellt und b) Nur eine vernachlässigbar kleine Menge an unerwünschten Nebenwirkungen hervorbringt, die im Vergleich zu den handfesten Vorteilen im Sinne der Patienten unwichtig sind.

Das Dahl Prinzip heißt darum Dahl Prinzip, weil die erste der in Tabelle 1 aufgeführten Studien von Björn Dahl und Olaf Krogstad aus Oslo, Norwegen stammt und bereits 1982 erschien. Darin beweisen die beiden Forscher, dass man bei 20 Teilnehmern im Durchschnitt eine Intrusion der Frontzähne von 1,04 mm und eine Eruption der Seitenzähne von 1,47 mm erhält, wenn man ihnen eine Modellgußplatte, siehe Bild 1, auf die Rückseite der oberen Schneidezähne einsetzt. Die dafür nötige Zeit beträgt 6 – 14 Monate.

Dass dieses Prinzip auch im Seitenzahnbereich anwendbar ist, deutet das Bild 3 an. Dort hat man auf der linken Seite einen starren Barren aus Nichtedelmetall (Chrom-Kobalt) auf die vorgesehenen Brückenpfeiler zementiert, mit der Folge, dass der Biss nur noch auf dem 36 aufbiß und der Rest der Zähne ziemlich weit in der Luft hing. Laut Bildtext der Studie hat sich daraufhin der Biss innerhalb von 3 Monaten perfekt eingebissen (Bild 3c). 

Die deutsche Kiefergelenks Theorie hat diesen Fall überhaupt nicht auf ihrem Radarschirm. Angeblich wäre ein solches Vorgehen  so was von gefährlich, dass ein anständiger deutscher Zahnarzt sich mit derlei Ideen erst gar nicht beschäftigen sollte … Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) schreibe hier keinen Kabaretttext, sondern gebe nur den Inhalt einer Diskussion in einer Email-Zahnarztgruppe wieder. Kurzum: Zwischen dem Dahl Prinzip und der Bisstheorie deutscher Zunge liegen Welten.

Nur so ist es zu erklären, dass 99% aller deutschen Zahnärzte weder wissen, dass man sehr wohl den Biss durch das millimeterhohe Aufbauen alle Schneidezähne massiv ändern kann, noch, dass dies gerade keine TMD (in Deutschland noch hartnäckig CMD genannt) hervorruft.


1. Poyser NJ, Porter RWJ, Briggs PFA, Chana HS, Kelleher MGD. The Dahl Concept: past, present and future. Br Dent J. 2005;198(11):669–676; quiz 720.

2. Dahl BL, Krogstad O. The effect of a partial bite raising splint on the occlusal face height. An x-ray cephalometric study in human adults. Acta Odontol. Scand. 1982;40(1):17–24.

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