Neuropathien verstehen: Nerven in der Haut

duenne nervfasern

Bildbeschreibung

Die Veränderungen in der Innervation der Haut kann verwendet werden, um die neuropathischen Schmerzsyndrome unterschiedlicher Herkunft einzuteilen.

  • (a) Die normale Innervation der Haut dient dem Organismen, sich durch die gesunde Nozizeption (= Schmerzwahrnehmung) zu schützen. Auch dabei werden ständig die Wachstumsfaktoren (zB. NGF und GDNF) in der Haut produziert und dann retrograd (= rückwärts) zu den sensorischen (Empfindung erfassenden) Nervzellkörpern transportiert.
  • (b) Wenn Nervzellkörper verloren gehen oder Nervleitungen abgeschnitten werden und nicht nachwachsen können (’statische‘ Denervierungs Neuropathien), dann ist die verkleinerte Hautinnervation der noch intakten sensorischen Fasern  abnorm hohen Konzentrationen von Neurotropinen (= Wachstumsfaktoren) ausgesetzt; diese hypertrophe Mikroumgebung ist dafür bekannt, die Erregbarkeit zu verstärken und das Sprießen der Nerven zu fördern.
  • (c) In der „Dynamische“ Denervierungs Neuropathie führen wiederkehrende metabolische (= vom Stoffwechsel her) oder andere Arten von Stress dazu, dass die Nervenzelle ihre längsten Axone (= Nervleitungen) nicht erhalten kann. Während der Perioden der Auf- und Abbauvorgänge können pro-inflammatorische Zytokine (= Entzündungsförderstoffe) oder anderen Mediatoren (= Einflüsse) die Nervfasern erregen. Darüber hinaus sind die noch intakten Nervenenden einer hypertrophen (stark wachstumsfördernden) Umgebung ausgesetzt.
  • (d) In einer Klasse von Neuropathien oder ‚dynias‘, die am besten an der Vulvodynie (Dauerschmerzende Schamregion bei Frauen) oder am Gullian-Barré-Syndrom (GBS) zu zeigen ist, führt die Aktivierung des Immunsystems (oder vielleicht auch andere Faktoren) zu lokalen Regionen mit Hyperinnervation (= zuviel Nerven) von kutanen Nozizeptoren (= Schmerzempfängern in der Haut) und diese Nervenendigungen zeigen dazu auch noch eine Übererregbarkeit. 

Im Mund und Gesicht

Der Mechanismus (b) und (c) dürfte im Mund am häufigsten vorkommen. Der Fall (b) tritt ein, wenn mechanisch ein Stück des Nervus Trigeminus durchtrennt, beschädigt oder entfernt wird. Das geschieht gewöhnlich beim Entfernen von Zahnnerven, beim Ziehen von Zähnen (in denen Endstücke vom Trigeminus drin sind), unglücklicherweise dann und wann beim Spritzensetzen im Mund, und – was wichtig ist für die Entscheidung, ob Weisheitszähne gezogen werden sollten – ab und zu auch beim Entfernen unterer Weisheitszähne. Nicht zu vergessen auch zu tief platzierte Implantate im Unterkiefer.

Der Fall (c) läuft etwas komplizierter ab. Er kommt typischerweise bei schwerer Diabetes (Zuckerkrankheit) und HIV vor. Die Nervleitungen gehen an ihrem Ende durch die garstige Umgebung zugrunde. Das trifft im Mund auf einen Spezialfall zu: Die untergehende Zahnpulpa (= Zahnmark) bringt den Endast des Trigeminus in ihrer Mitte durch das entzündete Umfeld mit zum Absterben und verursacht dadurch häufig auch eine Überempfindlichkeit in der Nachbarschaft, z.B. an den Nachbarzähnen.

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