Grundsatzartikel: Warum die Diagnose „CMD“ veraltet ist

Dass die Okklusion (= der Biss) als Ursache von Schmerzen im Dreieck Schläfe – Gesicht – Hals nicht mehr in Betracht kommt, gilt unter den besser informierten Fachleuten als geklärt. Wenn Sie diesen Satz so nicht stehen lassen wollen, dann warten Sie mal ab, was es dazu an weiteren unangenehmen Überraschungen über die herkömliche CMD Lehre gibt.

Hier erfahren Sie als Patient oder Behandler die Fakten über CMD, die die Betreiber der deutschen CMD Industrie – jawohl es gibt eine solche und die macht einen ganz erheblichen Umsatz kann ich Ihnen sagen *) – am liebsten mit dem ganz großen Tipp-Ex Stift aus der Welt bringen würden.

Hinter jeder farbigen Überschrift findet sich ein Link auf den entsprechenden Artikel hier in Zahnfilm DE . Die Artikel nehmen alles auseinander, was einstmals zum Glaubenskanon der reinen Gnathosophie Lehre gehörte. Angefangen bei den 10 schwachsinnigen Geboten, wie z.B. „du darfst als Behandler keine Okklusionsstörung herbeiführen“, über die nutzlosen Schienen bei M-TMD bis hin zu den sumpfigen Niederungen der CMD Hauptzampanos, die durch exzessive Werbung für ihre Etablissements und konkreter Schlechtleistung am Patienten auffallen.

Soweit nicht anderslautend angegeben, stammen alle zitierten Texte von mir (Joachim Wagner, Zahnarzt), in den Artikeln selber sind häufig die Literaturangaben zu den Texten zu finden..

 *) Wenn Sie diesbezüglich Zweifel haben, kann ich auch konkret werden, mit Namen und Zahlen.

 

Das Dahl Prinzip: Was es kann

Auszug aus dem Artikelinhalt: …. Deutschland erwache! Der norwegische und der britische Zahnkollege ist sich komplett sicher, dass das absichtliche Stören des Bisses mit millimeterhohen Aufbauten auf einzelne Zähne bzw. Zahngruppen zum Zwecke der Platzschaffung a) Ein Verfahren mit einer vorhersagbar hohen Erfolgsquote darstellt und b) Nur eine vernachlässigbar kleine Menge an unerwünschten Nebenwirkungen hervorbringt, die im Vergleich zu den handfesten Vorteilen im Sinne der Patienten unwichtig sind.

Das Dahl Prinzip heißt darum Dahl Prinzip, weil die erste der in Tabelle 1 aufgeführten Studien von Björn Dahl und Olaf Krogstad aus Oslo, Norwegen stammt und bereits 1982 erschien. Darin beweisen die beiden Forscher, dass man bei 20 Teilnehmern im Durchschnitt eine Intrusion der Frontzähne von 1,04 mm und eine Eruption der Seitenzähne von 1,47 mm erhält, wenn man ihnen eine Modellgußplatte, siehe Bild 1, auf die Rückseite der oberen Schneidezähne einsetzt. Die dafür nötige Zeit beträgt 6 – 14 Monate. ….  weiter

CMD Geschwafel auf beeindruckendem Niveau

Auszug aus dem Inhalt: ….  [1. Absatz von Prof. (Rus) med.dent M. Beck, 2. Absatz von Joachim Wagner, Zahnarzt]

Im Clinical Reasoning können diese Interaktionen zwischen dem stomatognathen System und der  Halswirbelsäule mithilfe des  Meersemann-Tests analysiert werden. Dabei werden die trigeminalen Afferenzen aus dem Kiefergelenk, dem Parodontium und der Kaumuskulatur durch das probatorische Einbringen zweier Zahnwatterollen im Bereich der Kauleiste  manipuliert. Dann wird die Halswirbelsäule hinsichtlich der bereits identifizierten Funktionsdefizite erneut beurteilt. Haben sich diese in ihrem Ausmaß und der Qualität deutlich verändert, gilt der Test als positiv. Ein  positiver Test beweist keine  CMD, aber er unterstützt die Annahme, dass zervikale Funktionsstörungen einer trigeminalen Facilitation unterliegen. 

Zum Meersemann Test: unvalidiertes blödsinniges Zeug, was immer wieder – unter der Hand – von halbseidenen „CMD Zahnärzten“ an Orthopäden, Osteopathen als DER tolle Schnelltest weitergegeben wird. Der einzige validierte (= auf seine Wiedergabe Richtigkeit überprüfte) Schnelltest geht so: „Haben Sie über mehr als 6 Monate Schmerzen im Dreieck Schläfe, Unterkiefer, Gesicht?“  …   weiter

 

TMD (CMD) ist nichts für Schienenmacher Teil 2

Auszug aus dem Inhalt:   …. Kommentar

Der Text ist selbsterklärend. Andrea leidet an Zitat „öfter schlimmere verspannungen u. schmerzen in der kiefermuskulatur …. ohren dauernd … klingeln usw.. hab ich echt angst das mein hauptproblem der schwindel wieder ärger…“ ; bekommt aber jetzt vom 2. Zahnarzt bescheinigt, dass der Biss okay wäre. Und das bitte vor dem Hintergrund, dass er als Zahnarzt erst dann richtig verdient, wenn er was zum Biss verändern findet. Dafür war noch keiner zu blind, nach meiner bescheidenen Erfahrung. Wir können also beruhigt davon ausgehen, dass da nichts ist.

Und nun?

Hier liegt eine lupenreine sogenannte myofaziale TMD, auch M-TMD genannt, (Einteilung nach den RDC/TMD Kriterien, Copyright Dworkin & LeResche) vor, von der wir durch empirische (doppelblinde, randomisierte, klinische) Studien wissen, dass dort Schienen keinen Sinn ergeben. Die Patientin bestätigt das indirekt durch ihre Erfahrung mit Schienen und der Bescheinigung zweier Zahnärzte, dass es der Biss nicht ist. Wichtig für die mitlesenden Kollegen: M-TMD betrifft mehr als die Hälfte aller TMD (CMD) Fälle und stellt den absolut überwiegenden Anteil aller CMD Fälle bei Frauen. *) …   weiter

 

Dr. Greene / Dr. Laskin: TMD (CMD) nichts für Dentisten

Auszug aus dem Inhalt:  [Übersetzung aus dem Amerikanischen, Autor Dr. Laskin] … Unsere ursprüngliche Absicht bei der Verwendung von Placebos in den Medikations Studien war ganz traditionell, aber der hohe Anteil der positiven Ergebnisse veranlassten uns, selbst einige recht innovative Placebos in nachfolgenden Studien zu entwickeln und einzusetzen. Zum Beispiel beschlossen wir, ein „realistisches Rezept“ Verfahren zur Abgabe einer Placebo-Medikation anstatt der typischen Doppel-Blind-Technik mit geheimen codierte Zahlen auf der Flasche (Laskin und Greene, 1972) zu versuchen. Wir brachten unsere Universität Apotheke dazu, Kapseln mit Laktose vorzubereiten, die nur durch die Vorlage eines schriftlichen Rezeptes und die Zahlung einer kleinen Gebühr erhalten werden konnten. Der „Droge“ wurde der suggestive Name Myolax gegeben, und sie erwies sich als etwa 50% effizienter, als die gleiche Placebogabe in einer anderen Doppelblindstudie. Wir haben auch die erste „Placebo-Schiene“ entwickelt, das war einfach ein Acryl-Gaumen-Gerät, das die Okklusion des Patienten nicht geändert hat (Greene und Laskin, 1971). Dieses Gerät war nicht nur sehr erfolgreich in der Linderung der Symptome, sondern es produzierte auch Antworten von vielen Patienten darüber, wie ihre Kiefer und Biss sich anders fühlte beim Tragen. Unser sham [= Placebo] TENS Verfahren verwendete eine Maschine mit blinkenden Lichtern, aber ohne elektrische Strom durch die Elektroden (Gold et al., 1983). Schließlich waren wir bereit für  „Den Großen Schlag“ – wir spielten den Patienten vor, ihren Biss (Gleichgewicht des Bisses) in einer Serie von 25 TMD Patienten nach einer gründlichen Analyse der Okklusion und dem Gespräch mit dem Patienten anzupassen. Wir hatten keine hohen Erwartungen, vor allem nicht, dass wir dabei waren, unsere all-time hohen Placebo-Ansprechrate Rekord aufzustellen: 64% dieser Patienten berichteten über eine große oder totale Verbesserung nach nur zwei Sitzungen von Mock [= vorgespielten] Einschleifsitzungen (Goodman et al, 1976.), Und die meisten von ihnen waren sehr zufrieden mit der „Verbesserung“, wie sie bissen. Die Ergebnisse dieser Studien zeigten, dass viele TMD Patienten starke Placebo-Responder sind, und dass solche Effekte, dazu die Einflüsse der Arzt-Patient Beziehung, einen starken Einfluss auf das Ergebnis verschiedener rationaler Therapieansätze haben. Sie erklärte auch, warum bestimmte andere Behandlungen manchmal wirksam sein können, obwohl eine wissenschaftliche Grundlage fehlt. Im Wesentlichen zeigten die Experimente, dass bei TMD Patienten oft nicht zählt, was für sie getan, sonder wie es getan wird. ….          weiter

 

Auch in Deutschland: TMD (CMD) wird Schmerzforschung

Auszug aus dem Inhalt:  [1. Absatz ist die Übersetzung aus dem Englischen eines wissenschaftlichen Artikels] … 

Die Schmerzempfindlichkeit von TMD Patienten lag zwischen denen von FMS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Die Gruppe der TMD-Patienten war inhomogen in Bezug auf ihre muskulären Triggerpunkt Summen: Es gab eine unempfindliche Gruppe (n = 12) ähnlich wie gesunde Kontrollen und eine sensible TMD Gruppe (n = 9), die FMS-Patienten ähnelt. Dennoch erfüllten sensitive TMD Patienten nicht die diagnostischen Kriterien für FMS in Bezug auf weit verbreitete Schmerzen was sich in ihren Schmerzen Zeichnungen darstellte. Die TMD Untergruppen unterscheiden sich nicht im Hinblick auf psychische Parameter. Die empfindliche Untergruppe war empfindlicher im Vergleich zu gesunden Kontrollen und unempfindlichen TMD Patienten in Bezug auf ihre QST-Profile über alle Testgebiete sowie ihre Empfindlichkeit auf orofazialen Muskeln und Trigeminus Foramina. Allerdings hatten sensitive TMD Patienten eine kurze Schmerz Dauer, was ein Argument gegen einen Übergang von TMD zu FMS im Laufe der Zeit ergibt. Die Daten legen vielmehr eine Überlappung in der Pathophysiologie von TMD und FMS nahe, z. B. eine Störung der zentralen Schmerzverarbeitung. Diese Patienten könnten auf der Grundlage der Anzahl ihrer überempfindlichen muskulären Triggerpunkte als ein einfaches praktikables Screening-Tool identifiziert werden.

Kommentar

Kein Zahnarzt weit und breit. Gottseidank. Von Treedes Arbeit haben die keine Ahnung. Wollen es auch nicht. Alleine schon das Vokabular: „regionales Schmerzsyndrom“, „Fibromyalgie“, „QST-Profil“, „Schmerzzeichnung“ etc. , wer von der bohrenden Zunft interessiert sich denn dafür?   …….      weiter

M-TMD (CMD) macht Veränderungen im trigeminalen und limbischen System

Auszug aus dem Inhalt:  [Übersetzung aus der Einleitung des Volltextes einer wissenschaftlichen Studie]

Temporomandibuläre Erkrankungen sind eine heterogene Gruppe von klinischen Problemen, die die Kaumuskulatur, das Kiefergelenk und die damit verbundenen Strukturen betreffen. Myofasziale Schmerzen der Kaumuskulatur (M-TMD) ist eine häufige Erkrankung bei TMD, die von dumpfen Schmerzen und überempfindlichen Regionen der straffen Skelettmuskel Faser geprägt sind. Die Störung betrifft ca. 10,5% der amerikanischen Frauen [19], und ist am häufigsten bei Frauen im gebärfähigen Alter zu sehen. Klinische Anzeichen und Symptome beinhalten Kiefer und Gesicht Ruheschmerzen, die durch Funktion oder Abtasten der Gegend verschlimmert werden. Während die Ätiologie {= Herkunft} der M-TMD nicht sicher ist [1], gibt es Hinweise auf eine Sensibilisierung {= Empfindlicherwerden auf Schmerzsignale} des zentralen Nervensystems (ZNS). Personen mit einer M-TMD erfüllen oft die diagnostischen Kriterien für eine Fibromyalgie[25], eine Bedingung, die eine CNS Sensibilisierung mit einbeziehen kann. Es gibt auch Hinweise für Hyperalgesie {= Schmerzüberempfindlichkeit} und zeitliche Summation {= Zusammenrechnung} von Wärme Schmerzen, obwohl es fraglich ist, ob die erhöhte Schmerzempfindlichkeit spezifisch auf dem Kaumuskulatur Bereich wirkt [37] oder überall im Körper [47]. Der letztere Fall würde bedeuten, dass eine erleichterte Verarbeitung von Schmerz-Nachrichten im zentralen Nervensystem , vielleicht durch neuronale Reorganisation im Gehirn, Hirnstamm und Rückenmark manifestiert, möglich wäre. Das Trigeminus Schmerzsystem bietet zahlreiche Ansatzpunkte für eine mögliche neuronale Fehlregulation. Der klassische Weg führt die trigeminothalamocorticalen nozizeptiven {=Schmerz} Informationen aus dem Ganglion trigeminale in der Peripherie, durch die Wirbelsäule und dem Hirnstamm, dem Thalamus, und schließlich zu den primären somatosensorischen Kortex [31]. Insbesondere ist der sensorischen Kernkomplex des Trigeminus im Hirnstamm ein wichtiger Standort für die kraniofaziale {= Schädel + Gesicht} nozizeptive Transmission {= Schmerzübertragung} [32] und kann eine wichtigen Region der Neuroplastizität {= Veränderung der Nerven} und zentrale Sensibilisierung [45] darstellen. Nach unserem Kenntnisstand sind keine früheren Studien durchgeführt worden, um zu prüfen, ob bei M-TMD Patienten ZNS Anomalien vorliegen. In dieser Studie untersuchten wir mögliche ZNS Substrate {= Beweise} von M-TMD durch die Untersuchung der grauen Substanz {= Zellkörper der Großhirnrinde} Unterschiede in 15 M-TMD Einzelpersonen und 15 gesunden Kontrollpersonen. Die Teilnehmer absolvierte eine Magnetresonanztomographie (MRT)-Sitzung mit einem hochauflösenden, T1-gewichteten, strukturellen Scan des Gehirns. Durch Voxel {= dreidimensionale Pixel} basierte Morphometrie (VBM) wurden die Unterschiede im regionale Volumen der grauen Substanz (GMV) zwischen den M-TMD-und Kontrollgruppen ausgewertet. …    weiter

 

Auch in Italien: TMD (CMD) Fall vor Gericht verloren wegen mangelnder Evidenz

Auszug aus dem Inhalt:  …

Das Feld der TMD (CMD) Diagnose und Behandlung ist in den letzten Jahren in wachsendem Maße in das Interesse der Justiz gerückt. Die altbackenen Theorien, die sich auf der Bisstheorie gründen, wurden als fehlerhaft entlarvt und Kliniker, die immer noch irreversible [= nicht wieder rückgängig zu machende] Behandlungen bei TMD (CMD) durchführen sollten sich der möglichen legalen Konsequenzen ihres Verhaltens bewußt werden.

Das hier vorliegende Papier beschreibt einen eindrücklichen Fallbericht eines Patienten, bei dem ausgreifende und nicht rückgängig zu machende Behandlungen durchgeführt wurden mit dem Ziel, ihn von seinen TMD (CMD) Symptomen zu befreien. Die Behandlung war nicht erfolgreich und der zahnärztliche Praktiker wurde vor Gericht gerufen wegen einer Klage wegen Falschbehandlung. Der Kliniker wurde als schuldig verurteilt wegen einer fehlerhaften Behandlung auf Grundlage von fehlenden wissenschaftlichen Beweisen für die irreversible Herangehensweise an die TMD (CMD), die irrtümlich benutzt wurde und dem Patienten nicht nur keinen Vorteil gebracht hat, sondern überflüssige finanzielle und biologische Nachteile.

Der Nichteinhaltung des Vertrags mit dem Patienten, die in der Regel nicht durch Versicherungen abgedeckt wird, zwang den Behandler, das Geld an den Patienten zurück zu geben. Die moralischen und juristischen Folgerungen dieses Falls werden diskutiert, mit dem speziellen Blick darauf, dass die juristisch einwandfreie medizinische Beratung die höchsten Standards an Beweise erfüllen muss und ausschließlich auf dem aktuellen wissenschaftlichen Wissensstand zu erfolgen hat. …   weiter

Der Holländer ändert auch einfach den Biss

Auszug aus dem Inhalt:  ….Niederländische Besonderheiten

Im Unterschied zu deutschen Lehrbüchern lichten die Kollegen aus dem benachbarten Flachland nirgendwo in ihrem Buch bei ihren Bisshebungen die Werkzeuge aus der Bissvermesser-Kiste ab. Vergeblich wartet man als deutscher Prothetiker also darauf, dass chromblitzende Bissgabeln, Gesichtsbogen, Artikulatoren oder Computer-Anschlüsse hochwichtig ins Bild gehalten werden. In der Tat bringen es die Tomatenfarmer fertig, auf den kompletten 251 Seiten über Knirschen, Bißhöhe und deren Reparatur nur ein (!) einziges Bild eines Artikulators einzusetzen. Und das auch nur um eine solide Bisshebung – ohne Schiene natürlich – für die Leser des Buchs optisch besser darzustellen. Welch ein Gegensatz zu den Materialschlachten unserer bissgläubigen „Funktionsspezialisten“.

Zwischen Bild 3 und Bild 4 vermisst der deutsche Durchschnitts Zahnarzt eine 5 seitige Theorie Abhandlung, wieso und warum es erlaubt ist, einfach 1 mm bis 2 mm Material unter die Frontzähne zu pappen. Diese Bilder verunsichern ihn. Für den einfachen Wald- und Wiesenzahnarzt stellt eine solche Maßnahme bis heute – wir reden vom Beginn des Jahres 2011 – noch immer ein Sakrileg, also eine schwere Sünde dar. Ja, sicher. Was da alles passieren kann. Das Kiefergelenk könnte explodieren, die Schneidezähne schwerstens geschädigt werden, die Schmerzen unendlich …    weiter

 

Mythos 7: Die zentrische Kondylenposition ist der Schlüssel zur Diagnose von CMD

Auszug aus dem Inhalt:  … Im Mythos 7 geht es um einen – für die Gnathologen – zentralen Kampfbegriff: die so genannte zentrische Kondylenposition (Kondyle = Gelenkkopf). Dabei handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um den Schlußbiss. Um flüssiger zu schreiben, kürze ich den komplizierten Begriff „zentrische Kondylenposition“ auch mit der Abkürzung ZR = Zentrale Relation ab. Der wichtigste  Weltanschauungs Vordenker der Gnathologen, Dr. Ronald H. Roth, schrieb in den 70-er Jahren der ZR eine überragende Stellung in der Diagnostik und Behandlung der TMD (in Deutschland noch CMD genannt) zu. Aber er vertrat damals die Meinung, dass die beste ZR Stellung hinten liegen müsse (retrudiert). Alle Gnathologen und Kieferorthopäden folgten ihm daraufhin jahrzehntelang blind und behandelten ihre Patienten dahingehend.

Inzwischen ist, bedingt durch eindeutige Nachweise, dass die retrudierte ZR Lage nicht stimmen kann, ein Sinneswandel auch bei eingefleischten Gnathologen eingetreten, die die ZR heute mehr nach vorne/oben (anterosuperior) ansiedeln wollen. Dummerweise wurde nie genau geprüft, inwieweit diese Behauptungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Denn schaut man in richtigen Gelenke von richtigen Menschen mit Hilfe der Magnetresonanz Tomografen (Kernspin) nach, stellt sich heraus, dass a) 89% der Gelenkköpfe nicht mittig stehen, b) zwar viele Menschen ihren Gelenkkopf mehr vorne/oben haben, aber bei einem ordentlichen Teil sie in der hinteren (retrudierten) Stellung stehen und c) eine abweichende Stellung der Gelenkköpfe kein Vorstadium von TMD darstellt.

Gerade der letzte Satz ist wichtig, denn die Gnathologen behaupten das Gegenteil. Noch schlimmer: Sie führen sich selber ad absurdum (beweisen ihren eigenen Unsinn), indem sie jahrzehntelang Hundertausende von Schmerzpatienten in die falsche Richtung  (retrudierte ZR) therapiert haben. Merkwürdigerweise ist das aber  a) jahrelang niemand aufgefallen, b) haben die Patienten offensichtlich keine bleibenden Schäden erlitten und c)  ist es – insgesamt betrachtet  – wohl ziemlich gleichgültig. Alleine aus dieser grandiosen Fehlleistung in der Theorie und nachfolgend der Therapie kann man ableiten, wie relativ unwichtig die gesamte Gnathologie ist. …   weiter

 

Schienen sind bei Myoarthropathien nichts nütze

Auszug aus dem Inhalt:   … Übersetzung
Kein Effekt von experimentellen Störkontakten der Kauflächen auf die Druckschmerzschwelle der Kaumuskeln bei gesunden Frauen

Michelotti A, Farella M, Steenks MH, Gallo LM, Palla S.

Department of Dental and Maxillo-Facial Sciences, Section of Orthodontics and Clinical Gnathology, University of Naples Federico II, Italy. michelot@unina.it

Es wurde lange behauptet, dass Störkontakte auf Kauflächen zu Schmerzen und Verspannungen der Kaumuskeln führen würden. Angespannte Muskeln sind empfindlicher gegenüber Druck, was mit Hilfe der Druck Algometrie gemessen werden kann. Wir testeten den Effekt von okklusalen Störungen auf die Druckschmerzschwelle der Kaumuskeln mit Hilfe eines doppel blinden Crossover Experiments, das an 11 jungen gesunden Frauen durchgeführt wurde. Goldene Streifen wurden entweder auf die Kaufläche (aktive Störung) oder auf die Außenfläche des gleichen Zahns (Placebo Störung) geklebt und für 8 Tage dort belassen. Die Druckschmerzschwelle des Muskulus Masseter und Temporalis anterior wurden ermittelt unter Störkontakt freien Bedingungen, mit Placebo Störung und aktiver Störung. Die Ergebnisse zeigen, dass das Aufkleben einer Goldfolie auf bestimmte Kauflächen für 8 Tage keinen signifikanten Einfluss auf die Druckschmerzschwellen der Kaumuskeln von gesunden Frauen hat.   ….  weiter

 

Instrumentelle Funktionsanalyse nicht geeignet für CMD Diagnostik

Auszug aus dem Inhalt:  … Da ist es wieder: das alte Problem. Rundum in der Welt heißt es – mit Ausnahme von Deutschland, Österreich und Japan – ziemlich einheitlich: CMD (international korrekter TMD) läßt sich mit Gerätschaften, welcher Art auch immer, nicht eindeutig diagnostizieren. Egal ob die Kiefergelenkbahn eins- bis 5-dimensional mechanisch oder computermäßig vermessen wird (= Axiografie), oder die Geräusche aus dem Gelenk aufgezeichnet werden, oder die Muskulatur elektronisch abgehorcht wird. Kein einziges dieser Verfahren ist in der Lage, einen klaren Nachweis für eine Erkrankung des Kiefergelenks oder der komplexeren Erkrankung TMD zu liefern.

Im Gegensatz dazu reicht die mündliche Auskunft der Patientin, sie habe Schmerzen um das Ohr, die Schläfe, die Kaumuskulatur etc. seit mehr als 4 Wochen, um einen begründeten Verdacht auf TMD zu stellen. Helfen denn die Geräte vielleicht in solchen Fällen weiter, um aus einem Verdacht eine Gewißheit zu erhalten? Auch hier sagen die drei Autoren dieses wissenschaftlichen Papieres, die Herren Gonzalez, Greene und Mohl eindeutig: Nein. Auch für die Differentialdiagnose, ob eine TMD oder doch vielleicht eine unerkannte Pulpitis den Schmerz macht, taugen diese Geräte allesamt nicht.

Warum wenden dann in Deutschland, Österreich und Japan immer noch Zahnmediziner solche zweifelhaften Verfahren wie die Kiefergelenkbahn Aufzeichnung (= Axiografie) an? Antwort: Weil sie lieber nette Märchen von einem alten österreichischen  Exzahnmediziner glauben, als die Nase in die aktuelle Forschung zu stecken. Und liebe Kollegen – rennen Sie erst gar nicht zum Rechtsanwalt – ich weiß genau, was ich hier schreibe.  Zu diesem Thema habe ich folgende denkwürdigen Sätze gefunden: 

Zitat

Über die CMD-Zahnärzte Die CMD-Zahnärzte (Studiengruppe Wiener Schule*) ist eine Vereinigung von funktionsanalytisch arbeitenden Zahnärzten und Zahntechnikern. Die Gruppe wurde 1997 in Düsseldorf gegründet. Was machen die CMD-Zahnärzte? Arbeitsgrundlage der CMD-Zahnärzte ist die wissenschaftlich langjährig international anerkannte Forschung und Lehre von Prof. Dr. Rudolf Slavicek (Wien) auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie des funktionsgestörten Kauorgans.

Zitat Ende

Um die „wissenschaftlich langjährig international anerkannte Forschung und Lehre von Prof. Dr.  Rudolf Slavicek (Wien)“ werde ich mich demnächst in einem weiteren Artikel kümmern.   ….    weiter

 

Unternehmen Slavicek

Auszug aus dem Inhalt:  …

Wer nun meint, dass R. Slavicek seine Zeit als ordentlicher Professor der Wiener Universität von 1982 bis 1998 (Ruhestand) dazu genutzt haben würde, seinen wilden Theorien über die angebliche Wichtigkeit der Gelenkbahnen einen wissenschaftlich einigermaßen vertretbaren Unterbau zu verschaffen, der sieht sich getäuscht. Er veröffentlicht einige Meßstudien mit Gelenkvermessungen, die nummeriert in Medline so verzeichnet sind. Was man damit anfangen soll, weiß keiner, er wahrscheinlich auch nicht. Des Professors Interesse erlahmt folgerichtig in den 90-er Jahren zusehends, ganz besonders hinsichtlich der Axiographie.

Das hält aber einen harten Kern von so genannten CMD-Zahnärzten hauptsächlich in Deutschland nicht davon ab, a) von der sagenhaften „Wiener Schule“ des Herrn Slavicek zu schwadronieren, b) die „international anerkannte Forschung“ derselben zu betonen, offensichtlich ohne zu wissen, worin die bestehen soll und c) natürlich Gebißvermessungen mit Elektrohardware gegen heftige Gebühren an die eigenen Patienten zu verkaufen.  …  

Kommentar

Zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, das kann man von Rudolf Slavicek sagen. 10 Jahre später, also 1996 hätte er mit seiner Axiografie kaum noch einen Stich gemacht. 10 Jahre vorher, also 1976, war noch kein Bedarf geweckt. Und er hat seine Chancen voll genützt, hat aus der Situation für sich und die Seinen viel gemacht. Tüchtig, geschickt und geschmeidig.

Aber sehen wir es mal  nüchtern: Herr Slavicek senior hat Behauptungen in die Welt gesetzt, von denen wir heute wissen, dass sie nicht der Wirklichkeit entsprechen. *) Die Gelenkbahn ist ziemlich unwichtig, gemessen an den Schmerzerkrankungen realer Patientinnen. Die Gelenkbahnaufzeichnung hilft niemandem, keinem Patient und keinem Zahnarzt bei der Diagnose, letzterem dafür aber im Portemonnaie. Und genau das ist das Problem.   …..    weiter

4 Kommentare zu “Grundsatzartikel: Warum die Diagnose „CMD“ veraltet ist

  1. RE: Grundsatzartikel: Warum die Diagnose „CMD“ veraltet ist
    Es entspricht keinesfalls der Realität, dass okklusale Störungen nicht ursächlich seien für eine Cmd-Erkrankung. Aber was hilft es hier mit Ihnen zu dikutieren. Es ist nur erschreckend, dass Sie dem zahnärztlichen Handeln insofern einen Freibrief erteilen, dass in den Mündern der Pat. nach Ihrer Darstellung ohne Rücksicht auf die Okklusion rumgepfuscht werden darf. Am Ende reden Sie sich mit der somatischen als auch der psychischen Disposition des Patienten aus der Verantwortlichkeit für Ihr Handeln heraus, wobei dem „Trigeminuspat.“ schließlich auch noch eine Ladung Neuroleptika verpasst wird.Hier fehlt es an jeglicher Befunddifferenziertung.
    Übrigens der unter dem Artikel „Zentrik nein Danke“ dargestellte Behandler ist Autor eines Buches über die Behandlung von Cmd-Erkrankungen. Der hier dargestellte Artikel zeigt sich gänzlich widersprüchlich zu den inhaltlichen Ausführungen seines Buches.

    freundliche Grüße

    Ertl

  2. Frau Ertl’s Bedenken
    Meine liebe Frau Ertl, es ist wie immer: Sie und ich werden sich nicht einigen. Ich schlage vor, dass Sie Ihren eigenen Blog aufmachen und da Ihre Gnatosophie in extenso ausbreiten.
    Viele Grüße
    Joachim Wagner

  3. RE: Grundsatzartikel: Warum die Diagnose „CMD“ veraltet ist
    Lieber Herr Wagner, ein eigener Blog würde mal abgesehen vom Arbeitsaufwand nichts nützen, zumal die Unverbesserlichen sich erst gar nicht dafür interessieren würden, während die Geschädigten ohnehin wissen, wo es zwickt. Da schau ich doch lieber flugs bei Ihnen vorbei, um gelegentlich einem schwer erziehbaren Hardliner und seinen Jüngern immer wieder in Erinnerung zu bringen, dass schlampige Arbeit zu immensen Auswirkungen für den Pat. führen kann und diese Verantwortung sollte sich jeder, der mit Pat. arbeitet stets hinter die Ohren schreiben.

    Freundliche Grüße

    Ertl

  4. Gelungene Satire
    Vielen herzlichen Dank an den Verfasser dieser Website, der uns in einer gelungenen und scharfsinnigen Satire die Statusängste derjenigen Zahnärzte aufzeigt, die sich durch die neuen Herausforderungen die sich mit dem Krankheitsbild der CMD stellen bedroht und überfordert fühlen. Die diskursiven Gegenstrategien dieser Zahnärzte, die Versuchen die Behandlung in eine andere medizinische Disziplin zu verschieben, werden auf dieser Website bis ins Absurde hin übersteigert, sodass sie für jeden Leser deutlich werden.
    Vielen Dank, lieber Verfasser, dass Sie uns die subversive Kraft der Satire auf so unterhaltsame Art vor Augen führen.

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