Normal: Große Karies von 2 Vorbehandlern unentdeckt

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Bild 1

Der Neupatient G.G. (57) kommt zu uns, weil sein langjähriger Behandler Dr. D. aus Leverkusen den Bohrer an den Nagel gehängt hat. Zwischendurch hatte er sein Glück noch in Köln bei Dr. Z versucht, welche offenbar als Filialpraxis mit mindestens 4 angestellten Zahnärzten arbeitet.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass Herr G. einen Knirscher der Klasse von mindestens 2 (auf der Skala 0 bis 4) abgibt, darüberhinaus links unten seit Jahren eine riesige Lücke von 3 fehlenden Seitenzähnen aufweist.

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 Bild 2

Bei der Erstinspektion des Mundes kann ich das Loch im 26 gar nicht übersehen, der sich im Mundspiegel genau so darstellt, wie hier im Bild 2 wiedergegeben. Mit etwas Erfahrung mit zahnärztlichen Gewerbe weiß jeder Bohrfachmensch bei diesem Anblick sofort, dass es sich hier nicht um eine Schönheitsreparatur handeln wird.

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 Bild 3

Die Schmelzränder sind glasartig eingebrochen und der Zahn ist auf einer Breite von mindestens 3 bis 4 mm – und das ist im Mund viel – sperrangelweit offen. In der Öffnung sind Essensreste zu sehen. Grande catastrophe – wenn Sie mich fragen.

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 Bild 4

Die erste vorsichtige Beseitigung der weichen Matsche ohne jede Betäubung zeigt den immensen Hartsubstanzverlust. Nach innen – zum Gaumen hin – konnte mit leichtem Druck des Exkavators (= scharfes Metalllöffelchen) die Schmelzwand des Lochs entfernt werden, so dass die zahnärztliche Turbine zum Schmelzentfernen fast nicht zum Einsatz kam. Der Patient hatte übrigens keine Schmerzen, weder vor, noch während noch nach der Behandlung.

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Vor meiner Konsultation ist der Patient in den letzten 3 Jahren bei Dr. D. und anschließend bei 3 verschiedenen Zahn-Doktores der  Filiale Z in Köln zur Untersuchung und Behandlung gewesen. Dort hat er auch einen Heil- und Kostenplan für die Erneuerung der Oberkiefer Front erhalten. Man sollte meinen, dass diese Herren und Damen für die Berechnung der 01 (Untersuchung im Rahmen der kassenzahnärztlichen Versorgung), die ganz sicher mehr als 1 mal erfolgt sein muss, doch wenigstens den Mundspiegel einmal im Mund hätten herumschweifen lassen können.

Wahrscheinlich lag es am ungünstigen Licht, oder am beschlagenen Spiegel oder am Ischias des Behandlers etc. , dass die Karies 26 unentdeckt blieb, nehmen wir an, smile. Wenn es dann aber mehrfach vorkommt?

Dieser Zahn 26 war beim Besuch des Patienten G. bei uns nur noch wenige Wochen vielleicht Monate von seinem Pulpenuntergang (= Zahnnervuntergang) entfernt. Und er hat auch nach unserer Rettungsaktion noch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit  dorthin.

Die Studie „Qualität des zahnärztlichen Erstbefundes“ sagt nichts anderes, als dass der hier geschilderte Sachverhalt vergleichsweise häufig vorkommt, genau genommen bei mindestens einem Drittel aller Zahnpraxen.

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