Icilin und (-)-Menthol unterdrücken neuropathische Schmerzen

Englische Forscher haben Jahre hart gearbeitet und 2006 ihre Ergebnisse vorgestellt. In einer langen Reihe von methodisch sehr verschiedenen Versuchen an Ratten konnte geklärt werden, warum

  • eine milde Kühlung der Haut auf 16 bis 18 Grad Celsius
  • das Aufbringen von Menthol auf der Haut
  • die Anwendung des synthetischen Kaltfühl-Mittels Icilin

Schmerzen in dem betroffenen Gebiet für eine knappe Stunde fast unterdrücken kann.

Seit wenigen Jahren ist die Existenz von sogenannten TRP (Transient Receptor Potential) Kationen Kanälen bekannt. Das sind Kanäle durch die Zellhaut von Nervenzellen, die das Fließen von Kationen (z.B. Kalium oder Natrium Ionen) steuern. Der Kanaltyp TRPM8 hat die Eigenschaft bei 18 bis 19 Grad Celsius die Schleuße zu öffnen. Außerdem hat er Andockstellen für Menthol und Icilin. Wird die Andockstelle besetzt, öffnet sich ebenfalls der Kanal. Das Öffnen des Kanals führt zur Wanderung der elektrisch geladenen Atome, das wiederum verursacht eine plötzliche Spannungsänderung an der Zelloberfläche der Nervenzelle und diese wird von einem langsamen Fasertyp (C und A-Delta) Richtung Zentralnervensystem (ZNS) weitergeleitet. Und dort hemmt diese Botschaft das Verarbeiten von Schmerzsignalen aus anderen Fasern.

Ein sehr eindrucksvoller Versuch dazu sieht so aus: Ratten bekommen in einer ersten Operation den Nervus Sciaticus (Hinterpfote) teilabgebunden. Nach 12 Tagen bildet sich dadurch eine Überempfindlichkeit der Hinterpfote gegen Wärme und gegen die Berührung mit dünnen Fasern aus. Beides kann gemessen und in Zahlen erfasst werden. Bekommen die Tiere 2 Minuten vor der Messung eine bestimmte Sorte Menthol oder Icilin, verschwindet die Empfindlichkeit auf Wärme und Berührung fast komplett für ca. 45 Minuten.

Um nun zu beweisen, wie genau der Mechanismus funktioniert, mußten natürlich viele andere Untersuchungen und Experimente durchgeführt werden. Hier eine kleine Auswahl der Erkenntnisse:

  1. TRPM8 hat immer eine schmerzhemmende Funktion, TRPA1, der unter 10 Grad aktiv wird, verstärkt dagegen Schmerzen
  2. die Wirkung auf TRPM8 ist unabhängig von Morphium-Rezeptoren
  3. Menthol und Icilin wirken sowohl auf der Haut, als auch direkt ins Rückenmark gespritzt
  4. bei kompletter Nervdurchtrennung funktioniert der Menthol Effekt nicht mehr auf der Haut, aber im Rückenmark

Bedeutung für die Zahnmedizin: Endlich wird wissenschaftlich bestätigt, warum Mentholaufbereitungen (Melissengeist, japanisches ….) wirken, und hierdurch bietet sich auch die Chance, neuropathische Schmerzen im Gesichtsbereich mit der körpereigenen Schmerzhemmung mindestens anbehandeln zu können.

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