Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3

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SANY0073

 Bild 1

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: Wir kennen diesen Patientenfall bereits aus der Geschichte „Normal: Große Karies von 2 Vorbehandlern unentdeckt„, in der nachzulesen ist, dass unser Patient G.G. (57) in den letzten 3 Jahren 5 Zahnärzte gesehen hat, darunter 3 angestellte Zahnärzte des Zahnarztpraxis Filialbetriebs Dr. Z in Köln.

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 Bild 2

Alle 3 Z-ler haben die nackten Haltezähne dieser Brücke gesehen, weil der Patient dort mehrfach vorstellig wurde zum wiederholten Wiederbefestigen einer 3 Jahre alten Arbeit eines Vorgängers (Dr. D.) hier aus Leverkusen, der nach Anfertigung der Brücke in Rente ging. Es wurde auch ein Kostenvoranschlag zur Erneuerung der Brücke geschrieben, den ein Gutachter guthieß.

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 Bild 3

So sieht es im Inneren einer lockeren Krone aus, unter der der abgeschliffene Stumpf seit Monaten „am Wegrosten“ ist. Es hat wohl noch ein paar Phosphat Zement Reste (= das weiße Material), das hindert die Karies aber überhaupt nicht am schnellen Vorankommen.

Achten Sie auch auf die Winkel, mit der der Vorbehandler (Dr. D.) den Eckzahn zugeschliffen hat. Sowohl in mesial-distaler Richtung (= Richtung des Zahnbogens) als auch in der Senkrechten dazu (= bukkal-palatinal) ähnelt der Stumpf eher einer ägyptischen Pyramide, als einem korrekt kegelförmig gestalteten Zahnstumpf.

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 Bild 4

Und auf Pyramiden sitzt eine zementierte Krone nur eine kurze Zeit fest, bevor sie sich garantiert löst. In dieser Vergrößerung (auf Ihrem Bildschirm sehen diesen Stumpf ungefähr 10 mal größer als er in Wirklichkeit ist) ahnt der geübte Betrachter bereits die sich anbahnende Zahnkatastrophe. Der Stumpf hat eine viel zu intensive Färbung und ist sichtbar porös.

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 Bild 5

Zwischen Bild 4 und Bild 5 liegen einige Minuten Handarbeit mit einem scharfen Löffel, ein Bohrer ist hier nicht mehr erforderlich. Es erwischt praktisch die gesamte klinische Krone (= den Reststumpf) und dazu wird der Zahnnervraum (= die Pulpa) eröffnet, in der sich zeigt, dass der Zahnnerv schon vor längerem dahingeschieden sein muss. Von Letzterem hat Herr G. nichts bemerkt, sagt er.

Beachten Sie bitte die Knirschfacette auf dem unteren Schneidezahn, der gegen den zerstörten 13 beißt. Dort fehlen lockere 3 mm Schmelz plus Dentin an abgeknirschter Zahnsubstanz. Das vermittelt einen zutreffenden Eindruck von der Gewalt, die am Tag und besonders in der Nacht auf diese Stelle einwirkt.

Die Merkwürdigkeiten

Laut Patient fiel diese Brücke relativ früh nach der Anfertigung durch die Lockerung auf. Da der Behandler s.o. nicht mehr zur Verfügung stand, liess sich Herr G. die Fililalpraxis Dr. Z. in Köln von Kollegen empfehlen und begann dort das weitere Management der verunglückten Brücke. Relativ früh wurde dort festgestellt, dass es eine neue Brücke bräuchte. Allerdings waren sich die verschiedenen Behandler von Dr. Z nicht einig, ob oder wie die Erneuerung verlaufen sollte. Fakt ist aber, dass 3 Behandler die Gelegenheit hatten, die alte Brücke neu zu befestigen und dabei einen direkten Blick auf den 13 werfen zu können, zuletzt im November 2011.

Und jetzt kommen die Fragen, was hier wahrscheinlich besser hätte laufen können

  • 1. Die Brücke ist anerkanntermaßen schnell wieder locker. Ganz besonders bei dieser Knirschstärke in Höhe von 3 auf der Skala 0 bis 4. Warum wurde dem Patient nicht die Dringlichkeit der Angelegenheit erklärt – der Mann ist sehr kooperativ.
  • 2. Phosphatzement ist für Fälle dieser Art kontraindiziert (= verboten), weil Phosphatzement keinerlei kariesprotektive Wirkung hat, im klaren Unterschied zu Glas Ionomer Zementen und dazu auch noch keinerlei Klebewirkung am Dentin entfaltet, ebenfalls im Unterschied zu GIZ. Warum verwendet man den hier noch?
  • 3. Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) bin sicher, dass der Zahn 13 auch im November 2011 bereits matschig war. Warum wird dann einfach wieder die Brücke mit Phosphatzement eingesetzt und nicht wenigstens eine Kariesbehandlung vorgenommen?
  • 4. Dazulernen ist schwierig. Die Kollegen aus Köln planten, die bereits einmal gescheiterte Konstruktion einer Brücke vom rechten Eckzahn auf den rechten großen Schneidezahn einfach zu wiederholen. Selbst bei wohlwollender Betrachtung und der Annahme, dass der Eckzahn so wie im Bild 4 in fester Form vorliegen würde, muss stark daran gezweifelt werden, ob die Wiederholung wirklich Aussicht auf mehr als 5 Jahre Haltbarkeit hat. Das hängt in erster Linie mit dem Knirschen zusammen. Bei genauer Betrachtung des Bildes 5 braucht man sehr viel Gottvertrauen, um diesem Patienten irgendeine verblockte Konstruktion – wieauchimmer – einzubauen. Früher oder später wird sich entweder eine Krone lösen, oder eine Verblendung fliegen gehen. In der Regel löst sich eine Zementierung unbemerkt und führt zu Zahnkatastrophen, wie hier gezeigt. Warum setzen wir also nicht auf Einzelkronen?

Die Vorteile von Einzelkronen bei harten Knirschern

  • a) Nicht verblockte Einzelkronen fallen beim Dezemtieren einfach aus dem Mund. Dadurch bleibt dem Stumpf das Schicksal der unbemerkten Verrottung erspart.
  • b) Bruch an einzelnen Zähnen durch hartes Knirschen läßt sich bei Einzelkronen sehr leicht durch die Erneuerung der Einzelkrone beseitigen. Bei verblockten Konstruktionen ist alles dahin.
  • c) Es laufen immer noch Ammenmärchen in der Zahnmedizin herum, dass verblockte Kronen „sich gegenseitig stützen“ können und deshalb länger halten. Dem ist nicht so. Die Einzelkrone hat unter dem Strich die beste Langzeitbilanz.
  • d) Einzelkronen lassen sich hervorragend mit einzelnen Implantaten kombinieren. Insbesondere auch dann, wenn ein einzeln stehender Kronenzahn aus bestimmten Gründen nicht mehr zu erhalten ist.

Deshalb hat mein Patient diesen Therapievorschlag von mir erhalten:

Für die Zähne 13, 12, 11 drei Einzelkronen, 13 soll dabei eine Spezialpräparation bis zum Knocherand erhalten, 12 ein Implantat der Marke Camlog und 11 einfach eine neue Krone. Der Patient ist darüber informiert, dass im Falle des Versagens der Krone auf 13 ein weiteres Implantat an dieser Stelle notwendig wird.

15 Replies to “Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3”

  1. RE: Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3
    na der Knochendübel natürlich 😛

    nein im Ernst: ist der Zahn erst weg geht es wohl nicht anders. Implantate, Brücken und auch natürliche Zähne sind nicht aufs Knirschen ausgelegt. Entweder konsequentes Schiene tragen nachts oder es gibt halt Schäden.

  2. RE: Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3
    ich rate.

    Keine GKV „Leistung“.
    Privat versichert? Privat abgerechnet?
    „Zahnzusatzversicherung“?
    Ismirschlecht.

    H. P.

  3. Kommentare v HP
    Sorry aber ..
    Was sollen diese Kommentare User H.P.(alias Horst P) ??

    GKV (Regelleistung) ist vermutlich die mehrfach gescheiterte ZE Lösung von 13-21, oder (noch „besser“) Extraktion 13 und Brücke 14-21(ggf. mit „ur“ Befund auf 15. (Weitere Varianten sind denkbar.)
    Die Diskussion dreht sich daraum daß diese Art der Therapie alleine offensichtlich ungeeignet ist, die Zahnlücke bei 12 bei diesem Patienten stabil zu schließen.

    Man könnte natürlich die UK Versorgung evtl noch mit in die Diskussion mit einbeziehen (Stichwort: suffiziente Seitenzahnabstützung v.A. im dritten Quadrant)?
    Ggfs könnte mehr Knirsch- Kaulast auf die Seitenzahnbereiche verteilt werden um die Front zu schonen?

    mfG

  4. habichdann
    [quote name=“christoph“]Sorry aber ..
    Was sollen diese Kommentare User H.P.(alias Horst P) ??

    GKV (Regelleistung) ist vermutlich die mehrfach gescheiterte ZE Lösung von 13-21, oder (noch „besser“) Extraktion 13 und Brücke 14-21(ggf. mit „ur“ Befund auf 15. (Weitere Varianten sind denkbar.)
    Die Diskussion dreht sich daraum daß diese Art der Therapie alleine offensichtlich ungeeignet ist, die Zahnlücke bei 12 bei diesem Patienten stabil zu schließen.

    Man könnte natürlich die UK Versorgung evtl noch mit in die Diskussion mit einbeziehen (Stichwort: suffiziente Seitenzahnabstützung v.A. im dritten Quadrant)?
    Ggfs könnte mehr Knirsch- Kaulast auf die Seitenzahnbereiche verteilt werden um die Front zu schonen?

    mfG[/quote]

    Ich habe nur geraten. Knirschen kann auch mal iatrogen sein. Was Sie kompetent bestätigen. Stichwort Seitenzahnabstützung.

    MfG

    H. P. (Horst P)

  5. Klasse Leistung
    Was Herr Wagner aus diesem Murks von Vorbehandlern macht, ist wohl kaum besser zu lösen. Ich bin wirklich beeindruckt. Wie der untere Zweier von der Krone auf dem oberen Dreier.

    Liebe Grüße

    Horst P. (oder H. P.)

  6. implantatkosten?!
    ….nicht jeder kann sich ein implantat leisten. sie tun ja so ,als würden wir gerne gesunde zähne beschleifen

  7. naja
    [quote name=“H. P.“]ich rate.

    Keine GKV „Leistung“.
    Privat versichert? Privat abgerechnet?
    „Zahnzusatzversicherung“?
    Ismirschlecht.

    H. P.[/quote]

    Nur -13 Bewertungspunkte?
    Schwach.
    Setzen. Sechs.
    Nur 13 Zahnklempner geben ihre Irritation an die Öffentlichkeit?

  8. naja
    [quote name=“doris“]….nicht jeder kann sich ein implantat leisten. sie tun ja so ,als würden wir gerne gesunde zähne beschleifen[/quote]

    Ich habe gelernt, gesunde Komposit und Empress Füllungen zu beschleifen. Auch keramikverblendeten Spargoldschrott.[quote name=“doris“]….nicht jeder kann sich ein implantat leisten. sie tun ja so ,als würden wir gerne gesunde zähne beschleifen[/quote]

    Ist aber auch nicht der Hit, wenn man sein Geld ungern verdient. Hoffentlich reicht es zum Leben. Oder doch lieber Knochendübel???

    „Die Therpie folgt dem Geld.“

    Wer würde das anders machen?

  9. RE: Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3
    [quote name=“christoph“]Sorry aber ..
    Was sollen diese Kommentare User H.P.(alias Horst P) ??

    GKV (Regelleistung) ist vermutlich die mehrfach gescheiterte ZE Lösung von 13-21, oder (noch „besser“) Extraktion 13 und Brücke 14-21(ggf. mit „ur“ Befund auf 15. (Weitere Varianten sind denkbar.)
    Die Diskussion dreht sich daraum daß diese Art der Therapie alleine offensichtlich ungeeignet ist, die Zahnlücke bei 12 bei diesem Patienten stabil zu schließen.

    Man könnte natürlich die UK Versorgung evtl noch mit in die Diskussion mit einbeziehen (Stichwort: suffiziente Seitenzahnabstützung v.A. im dritten Quadrant)?
    Ggfs könnte mehr Knirsch- Kaulast auf die Seitenzahnbereiche verteilt werden um die Front zu schonen?

    mfG[/quote]

    Kollegen jubeln. Was ist ein „ur“ Befund?
    Jubeln auch Patienten?
    Haben Sie mehr als null Ahnung von Bruxismus bei einseitigem Kreuzbiß?

    Gute Besserung!

    H. P.

  10. Link funktioniert nicht
    http://www.onmeda.de/foren/forum-zahnmedizin/naechtliches-knirschen–pressen/1022025/pages=3/read.html

    Zitat:
    Dass Sie beispielsweise behaupten, funktionelle Hindernisse wären nicht in der Lage Bruximus auszulösen ist schlichtweg falsch. So gibt es eindeutige Untersuchungen an Affen, denen Funktionshindernisse implementiert wurden, und die im Sinne eines Selbsheilungsversuches alle anfingen zu bruxen wie die Hölle und starke Zahnlockerungen und Knochenabbau bekamen die erst wieder sistierten, nachdem die Hindernisse entfernt wurden.

  11. Osswald
    [quote name=“Ingrrid“]http://www.onmeda.de/foren/forum-zahnmedizin/naechtliches-knirschen–pressen/1022025/pages=3/read.html

    Zitat:
    (..) und die im Sinne eines Selbsheilungsversuches alle anfingen zu bruxen wie die Hölle und starke Zahnlockerungen und Knochenabbau bekamen die erst wieder sistierten, nachdem die Hindernisse entfernt wurden.[/quote]

    Hallo Ingrrid,

    schade, dass der Link nicht geht. Ich habe meinen 25 von Herrn Osswald reparieren lassen.

    Hätte mich schon interessiert, wer „Kollege Müller“ ist.

    Grobe Vorkontakte und Zahnmedizin. Wenn es um den eigenen Vorteil geht … Auf einen 1000 Mikrometer zu hohen Vorkontakt kracht die komplette Kaumuskulatur. Die bringt locker 2000 N. Ein Prämolar zerbricht bei ca. 1000 N.

    LG

    H. P.

  12. RE: Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3
    Hallo H.P.,
    in meinem zweiten Posting funktioniert der Link. Der von mir zitierte Text beginnt auf Seite 3…“Jetzt fangen Sie schon wieder an Herr Kollege Müller….“. Wenn Sie die Einträge gelesen haben, wissen Sie wer mit Kollege Müller gemeint ist. Freut mich, dass Dr. Osswald ihnen weiterhelfen konnte.

    Viele Grüße

  13. RE: Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3
    [quote name=“Ingrrid“]Hallo H.P.,
    in meinem zweiten Posting funktioniert der Link. Der von mir zitierte Text beginnt auf Seite 3…“Jetzt fangen Sie schon wieder an Herr Kollege Müller….“. Wenn Sie die Einträge gelesen haben, wissen Sie wer mit Kollege Müller gemeint ist. Freut mich, dass Dr. Osswald ihnen weiterhelfen konnte.

    Viele Grüße[/quote]

    Die prompte Antwort freut den Streiter der Selbsthilfegruppe Zahnmaterialgeschädigte Nürnberg. Wer Herr Müller ist, habe ich beim kurzen Überfliegen nicht erkannt. Was mir auf Anhieb die Nase hoch ging, ist eine Schiene im Unterkiefer. Das ist fast immer ein Behandlungsfehler.

    Die Schiene muß in den Oberkiefer. Weil da der Knochen weniger fest ist.

    Geht um viel Geld in diesem Forum.

    LG

    H. P.

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