Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst

J Oral Rehabil. 2012 Apr 10. doi: 10.1111/j.1365-2842.2012.02298.x. [Epub ahead of print]

Hängen Bruxismus und der Biss kausal zusammen?

Source

Quelle

Klinik für Mund-Kinesiologie, Academic Centre for Dentistry Amsterdam (ACTA), Forschungsinstitut für MOVE, Universität Amsterdam und VU University Amsterdam, Niederlande Department of stomatognathe Physiologie und prothetische Zahnheilkunde, Institut für Zahnmedizin an der Universität Helsinki, Finnland Abteilung für Kiefer-und Gesichtschirurgie, TMD Clinic, University of Padova, Italien Department of Oral Rehabilitation, die Maurice und Gabriela Goldschleger School of Dentistry, University of Tel Aviv, Tel Aviv, Israel.

Zusammenfassung

In der Zahnmedizin ist die Überzeugung weit verbreitet, dass der Bruxismus und die Zahn (Fehl-) Okklusion („der Biss“) zusammenhängen. Das Ziel dieser Überprüfung war es, die verfügbare Literatur zu diesem Thema kritisch zu bewerten. Eine PubMed-Recherche der englischsprachigen Literatur, über die Abfrage „Bruxismus [Majr] und (Zahnokklusion [Majr] oder Kieferfehlstellung [Majr])“ ergab 93 Artikel, von denen 46 Papiere zum Schluss in der vorliegenden Rezension eingeschlossen wurden. Ein Teil der eingeschlossenen Publikationen beschätigte sich mit den möglichen Zusammenhängen zwischen Bruxismus und Aspekten der Okklusion, aus denen sich schließen läßt, dass es weder für okklusale Störungen noch für Faktoren im Zusammenhang mit der Anatomie des Mund-Gesichtsschädels irgendwelche Beweise vorhanden sind, dass sie beteiligt sind in der Verursachung des Bruxismus. Stattdessen gibt es ein wachsendes Bewusstsein von anderen Faktoren (nämlich psychosoziale Faktoren und programmierte Bewegungsmuster) die in der Verursachung des Bruxismus wichtig sind.

Ein weiterer Teil der enthaltenen Papiere beurteilt die mögliche Vermittlerrolle der Okklusion zwischen Bruxismus und seine angeblichen Folgen (zB Abnutzung der Zähne, Verlust der parodontalen Gewebe und Kiefergelenk Schmerzen und Funktionsstörungen). Auch wenn sich die meisten Zahnärzte einig sind, dass der Bruxismus verschiedene nachteilige Wirkungen auf das Kausystems haben kann, hat sich bis heute für keine dieser angeblichen negativen Auswirkungen Beweise für eine vermittelnde Rolle der Okklusion und Artikulation gefunden. Daher sollte auf der Grundlage dieser Überprüfung festgestellt werden, dass es  keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Bruxismus und dem Biss gibt.

 

J Oral Rehabil. 2012 Apr 10. doi: 10.1111/j.1365-2842.2012.02298.x. [Epub ahead of print]

Are bruxism and the bite causally related?

Source

Department of Oral Kinesiology, Academic Centre for Dentistry Amsterdam (ACTA), Research Institute MOVE, University of Amsterdam and VU University Amsterdam, The Netherlands Department of Stomatognathic Physiology and Prosthetic Dentistry, Institute of Dentistry, University of Helsinki, Finland Department of Maxillofacial Surgery, TMD Clinic, University of Padova, Italy Department of Oral Rehabilitation, The Maurice and Gabriela Goldschleger School of Dentistry, University of Tel Aviv, Tel Aviv, Israel.

Abstract

Summary   In the dental profession, the belief that bruxism and dental (mal-)occlusion (‚the bite‘) are causally related is widespread. The aim of this review was to critically assess the available literature on this topic. A PubMed search of the English-language literature, using the query ‚Bruxism [Majr] AND (Dental Occlusion [Majr] OR Malocclusion [Majr])‘, yielded 93 articles, of which 46 papers were finally included in the present review*. Part of the included publications dealt with the possible associations between bruxism and aspects of occlusion, from which it was concluded that neither for occlusal interferences nor for factors related to the anatomy of the oro-facial skeleton, there is any evidence available that they are involved in the aetiology of bruxism. Instead, there is a growing awareness of other factors (viz. psychosocial and behavioural ones) being important in the aetiology of bruxism. Another part of the included papers assessed the possible mediating role of occlusion between bruxism and its purported consequences (e.g. tooth wear, loss of periodontal tissues, and temporomandibular pain and dysfunction). Even though most dentists agree that bruxism may have several adverse effects on the masticatory system, for none of these purported adverse effects, evidence for a mediating role of occlusion and articulation has been found to date. Hence, based on this review, it should be concluded that to date, there is no evidence whatsoever for a causal relationship between bruxism and the bite.

Kommentar

Und immer klarer neigt sich die Waage in Richtung „Vergiss den Biss“ bei vielen wesentlichen Schmerz- und Krankheitserscheinungen im Mund. Die hier wiedergegebene Auswertung von 42 weltweiten Studien wird sich nur schwerlich widerlegen lassen, dafür spricht die Qualität der beteiligten Wissenschaftler, allesamt gut bekannt und selbst mit ernsthafter – der Wahrheit verpflichteter – Forschung beschäftigt.

Gehen wir also davon aus, dass der Biss das Knirschen nicht beeinflusst. Was ist dann also von der so genannten Front- und Eckzahnführung zu halten, die angeblich die „schädlichen Angewohnheiten“ , gemeint ist das Knirschen, verhindert? Ganz einfach: Das sind zur Philosophie erstarrte Behauptungen einzelner einflussreicher Zahnarzt-Häuptlinge des vergangenen Jahrhunderts, die nie auf ihre Standfestigkeit geprüft wurden.

Denn werden sie geprüft und mit der Wirklichkeit verglichen, lösen sie sich auf, wie Schnee in der Sonne,

9 Replies to “Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst”

  1. H. P.
    Knirschen ist physiogologisch eine Episode. Im Wechselgebiss finden Zähne ihre Position an den Gegenbeißern.

    Wer dann erneut knirscht, hat kein Zahnproblem. Sondern ein Zahnarztproblem

    Merke: Die zahnmedizinische Lehrmeinung muß den Zahnklempner vorm Kadi schützen.

    Und alle profitieren.

  2. RE: Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
    Hallo H.P., ich finde es immer erstaunlich, wenn Blinde ausgerechnet dann die Farbe erklären wollen, nachdem Einäugige ihren Eindruck vom wirklichen Leben geschildert haben.
    Tipp: Fragen Sie mal jemand, der sich damit auskennt, mit dem Knirschen.

    Viele Grüße
    Joachim Wagner

  3. Knirschen
    http://www.tarzahn.de/Fallbeispiele/Migraene.htm

    Auch nur eine Meinung. Aber eine interessante.

    Zitat:


    Der vorliegende Fall ist sicher ein sehr schönes Beispiel dafür, wie eine iatrogen erzeugte Malokklusion über Zwischenstufen zur Gebissdestruktion, zum Schmerz und letztlich zur Depression führt. Das Knirschen und Pressen muss in diesem Falle als frustraner Selbstheilungsversuch interpretiert werden. Die Patientin hat also praktisch versucht, die Ursache für ihr Unglück durch Knirschen und Pressen zu beseitigen. Wenn man bedenkt, dass die Lockerungsgrade schon L=2 erreicht hatten, war sie davon ja auch nicht mehr sehr weit entfernt.“

    MfG

    H. P.

  4. Benimm
    [quote name=“j.wagner“]Hallo H.P., ich finde es immer erstaunlich, wenn Blinde ausgerechnet dann die Farbe erklären wollen, nachdem Einäugige ihren Eindruck vom wirklichen Leben geschildert haben.
    Tipp: Fragen Sie mal jemand, der sich damit auskennt, mit dem Knirschen.

    Viele Grüße
    Joachim Wagner[/quote]

    Sehr geehrter Herr Wagner,

    ich gebe zu, daß mein Beitrag provokant war. Der Sache wegen.

    Meines Eindrucks nach war Ihr Beitrag provokant. Persönlich.

    Seis drum. Sie haben ein bemerkenswertes Forum im web geschaffen.

    Vielen Dank dafür.

    MfG

    H.P.

    quod licet iovi …

  5. RE: Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
    [quote name=“j.wagner“]Hallo H.P., ich finde es immer erstaunlich, wenn Blinde ausgerechnet dann die Farbe erklären wollen, nachdem Einäugige ihren Eindruck vom wirklichen Leben geschildert haben.
    Tipp: Fragen Sie mal jemand, der sich damit auskennt, mit dem Knirschen.

    Viele Grüße
    Joachim Wagner[/quote]

    Wenn Sie jemanden suchen, der sich mit dem Backen auskennt, fragen Sie einen Bäcker. Nur so als Beispiel.

    Warum fragen Sie zum Thema Knirschen die Knirscher nicht?

    Mit einer eugnathen Verzahnung kann kein Lebewesen mit einer den Hominiden ähnlichen Zahnformel knirschen. Im web finden Sie, daß z. B. Katzen im Wechselgebiß knirschen. Was die Halter regelmäßig an den Rand der Verzweiflung treibt.

    MfG

    H. P.

  6. RE: Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
    [quote name=“j.wagner“]Hallo H.P., ich finde es immer erstaunlich, wenn Blinde ausgerechnet dann die Farbe erklären wollen, nachdem Einäugige ihren Eindruck vom wirklichen Leben geschildert haben.
    Tipp: Fragen Sie mal jemand, der sich damit auskennt, mit dem Knirschen.

    Viele Grüße
    Joachim Wagner[/quote]
    [quote name=“j.wagner“]Hallo H.P., ich finde es immer erstaunlich, wenn Blinde ausgerechnet dann die Farbe erklären wollen, nachdem Einäugige ihren Eindruck vom wirklichen Leben geschildert haben.
    Tipp: Fragen Sie mal jemand, der sich damit auskennt, mit dem Knirschen.

    Viele Grüße
    Joachim Wagner[/quote]

    Wußten Sie schon, daß man auch Inhalte sachlich diskutieren kann?

    MfG

    H. P.

  7. Kniscehen, PA, CHKM
    Diesen Ihren Beitrag halte ich für hier passend:

    http://www.zahnfilm.de/betrifft-patienten18/633-chkm-auch-in-der-parodontologie

    Ich wollte an der UK Erlangen keine CHX Taschenspülung. Macht Beläge, die mit der häuslichen Zahnpflege kaum in den Griff zu kriegen sind.

    Die Behandler fragen: Was dann? Ich sage: Walkhoffs CHKM. Die fragen nach. Und sagen: Ham wer nich.

    Hatte ich nicht mit. Habe ich zuhause. Apothekenpflichtig.

    Studien sagen: CHX oder nix ist egal.

    Der Ansatz CHKM auch in der Parodontologie ist charmant.

    Ich hatte mir in der aktuellen Behandlungsrunde Mai 2012 den 17 locker geknirscht. Okklusales Trauma. Lockerungsgrad 3. Ich konnte eine Woche rechts nicht schmerzfrei kauen. Ich denke, das ist Psychologie gewesen. Und nicht Fehlverhalten der Behandler. Diese Behandlung triggert bei mir massive Knirschaktivität.

    Jetzt isser wieder fest. Und beschwerdefrei.

    LG

    HP

  8. RE: Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
    knirschen ist meines Erachtens eine Frage des Muskeltonus. Dieser ist bei mir zu hoch (= Ursache starker Gesichtsschmerzen und Kiefergelenkschmerzen). Mit Entspannungsübungen oder Muskelrelaxan u. Medikamenten gegen die Nervenschmerzen komme ich da nicht mehr in diesem Leben heraus. Ich fürchte es hilft, wenn überhaupt, nur noch Dysport! Empfehlen Sie die Injektion in den Pterygoideus lateralis mittels EMG, oder ohne, oder stehen Sie dieser Frage indifferent gegenüber?

  9. Knirschen
    (…)
    Studien sagen: CHX oder nix ist egal.

    Der Ansatz CHKM auch in der Parodontologie ist charmant.

    Ich hatte mir in der aktuellen Behandlungsrunde Mai 2012 den 17 locker geknirscht. Okklusales Trauma. Lockerungsgrad 3. Ich konnte eine Woche rechts nicht schmerzfrei kauen. Ich denke, das ist Psychologie gewesen. Und nicht Fehlverhalten der Behandler. Diese Behandlung triggert bei mir massive Knirschaktivität.

    Jetzt isser wieder fest. Und beschwerdefrei.

    LG

    HP[/quote]

    Mittlerweile knirsche ich rechts mit den Prämolaren und Frontzähnen. Der langfristige Erhalt des 17 scheint mir gesichert. Der Kreuzbiß 15/45 und die Palatinalkippung des 12 werden sehr wahrscheinlich spontan ausheilen.

    LG

    H. P.

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