Rekordknirscher

knirscherDas Original dieser Aufnahme stammt vom Kollegen Dr. Martin S. Spiller, Townsend, MA, USA. In seinem Begleittext schreibt er dazu:

Zitat

Introduction

    If you have been in practice long enough, you will have run into something like this eventually.  This is a 76 year old farmer who has fairly obviously been „grinding his teeth“.  In fact, you would be making a correct assumption.  Note that the tooth wear is much worse anteriorly than it is in the posterior.  As we will eventually see, this is diagnostic of abrasion from bruxism.  But notice a few other less obvious things.  You see no occlusal amalgam fillings in the posterior teeth.  You see no plaque or redness around the gingiva.  You see no active decay anywhere.  Furthermore, the patient has no periodontal bone loss in spite of a serious bruxing habit.  On the other hand, you do see a few buccal composite fillings along with severe buccal-cervical wear.  We can conclude the following from these observations:

    This patient has probably never used too much sugar.  We conclude this by the lack of amalgam fillings in the intact molars and the occlusal of #4, the one „surviving“ premolar.

    The patient has had good oral hygiene for most of his life.  We conclude this by the lack of periodontal disease, in spite of severe bruxing, and the current state of health of the gingiva and supporting structures.

    On the other hand, something has caused cervical erosion on #s 4,5,6,11 and 12.“

Zitat Ende

 

Übersetzung

Einführung

     Wenn Sie selbst lange genug Praktiker gewesen sind, werden Sie so etwas auch gesehen haben. Dies ist ein 76 Jahre alter Bauer, der ziemlich offensichtlich mit seinen  „Zähnen geknirscht“ hat. In der Tat, so ist es hier. Beachten Sie, dass sich die Abnutzung der Zähne viel schlimmer vorne als nach hinten ausgewirkt hat.
     Wie wir schließlich sehen werden, handelt es bei  dieser Diagnose um eine Abrasion durch Bruxismus (= Knirschen). Aber nehmen Sie noch ein paar andere, weniger offensichtliche Dinge zur Kenntnis. Sie sehen keine okklusalen (= auf der Kaufläche) Amalgam-Füllungen in den Backenzähnen. Sie sehen auch keine Plaque oder Rötung um die Gingiva. Sie sehen keinen aktiven Zerfall ringsherum. Ferner weist der Patient keinen parodontalen Knochenverlust auf, trotz einer schweren Knirsch Gewohnheit. Auf der anderen Seite, können Sie ein paar bukkalen (= zur Backe gelegene) Kompositfüllungen mit schweren bukkalen-Hals-Verschleiß sehen. Daraus können wir die folgenden Beobachtungen schließen:

     Dieser Patient hat wahrscheinlich nie viel Zucker verwendet. Wir schließen dies durch das Fehlen von Amalgamfüllungen in den intakten Molaren und der Kaufläche von Zahn Nummer USA# 4 (= 15 in Deutschland), der einzige Prämolar, der noch halbwegs Original geblieben ist..

     Der Patient hatte eine gute Mundhygiene in der meisten Zeit seines Lebens. Wir schließen dies durch das Fehlen von Parodontalerkrankungen, trotz schwerem Bruxismus, und dem aktuellen Gesundheitszustand des Zahnfleisches und der darunter liegenden Schichten.

     Auf der anderen Seite hat irgendetwas zervikale (= am Zahnhals) Erosionen an den Zähnen  # 4,5,6,11 und 12 verursacht.

 


 Hinzuzufügen

ist aus meiner (Joachim Wagner, Zahnarzt) Sicht noch folgendes Bemerkenswerte.

1. Der 76 jährige Bauer ist trotz seines Knirschens mit seinen Zähnen weit gekommen. Jedenfalls weiter, als bei vielen zahnärztlichen Versuchen herauskommt, solchen Menschen die Zähne zu erhalten. Natürlich gibt es auch noch den kosmetischen Aspekt.

2. Die Pulpen (= Zahnnerven) von Zähne lassen sich allerhand bieten, bis sie aufgeben. Wahrscheinlich sind im obigen Beispiel noch alle (!) Pulpen am Leben. Das an die Kollegen, die bei solchen Anblicken Panik schieben.

3. Dieser Mensch hat im Laufe seines Lebens die eigene Bisshöhe um geschätzte 2 cm (einer oben und einer unten) runtergerubbelt. Das sind in Mikrometer umgerechnet = 20.000 ym. Macht pro Jahr 20.000 ym / 76 a = 263 ym/a, pro Woche also 5 Mikrometer. Es soll immer noch Kollegen geben, die ihre Krönchen und sonstigen Hochleistungswaren auf 5 Mikrometer genau einschleifen müssen. Dann können die sich aber bei unserem Bauer dranhalten, weil jede Woche 5 NEUE Mikrometer dazukommen.

Ich wette einen Kasten Kölsch, dass der Patient mit seinen Kiefergelenken nie ein Problem hatte und auch keins mehr bekommt. Auch dann nicht, wenn ein Behandler ihm von jetzt auf gleich den Biss um 8 mm hebt und auf alle OK Zähne Keramikteilchen klebt, ohne an den Zähnen irgendetwas zu schleifen. So sähe nämlich mein Planungsbeitrag zur angemessenen Behandlung aus.

5 Replies to “Rekordknirscher”

  1. RE: Rekordknirscher
    Dafür, dass der Mann 76 ist, sind erstaunlich viele Zähne von Karies oder Parodontitis verschon geblieben.
    Allerdings, wenn der Mann sich so um die gesunderhaltung seiner Zähne gekümmert hat, wie kann man dann über Jahrzehnte beobachten, wie die Zähne immer kürzer geknirscht werden? Normalerweise sollten doch beim ersten mm weniger schon die Alarmglocken angehen. Knirscherschnienen sollten auch für nicht GKVersichte Amis erschwinglich sein. Wäre günstiger gewesen, als die nun notwendigen (Metall)Keramikteilchen.

  2. Hat dieser Mann Beschwerden?
    Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß er im Verlauf einer wie auch immer aussehenden Behandlung welche kriegt?

    Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß „never change a running system“ diesem Mann mehr nützt als schadet?

    LG

    H. P.

  3. Falscher befund und richtige Behandlung
    [quote name=“Horst P.“][quote name=“Horst P.“]Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß er im Verlauf einer wie auch immer aussehenden Behandlung welche kriegt?

    Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß „never change a running system“ diesem Mann mehr nützt als schadet?

    LG

    H. P.[/quote]

    Kann es sein, daß da zwei Scheidezähne fehlen ???

    LG

    HP[/quote]

    Ich meinte natürlich Schneidezähne. Im Bild rechts dürften zwei fehlen. Und der Eckzahn auf die Einser Position gewandert. Da knirscht sich natürlich jeder Mensch jedes Gebiß zur Ruine.

    LG

    HP

  4. Ich will ja verstehen
    [quote name=“j.wagner“]nein, da fehlen keine Schneidezähne. VG Joachim Wagner[/quote]
    Fehlen da die Molaren rechts im Bild?
    So ein Mist ist von der Natur nicht vorgesehen. Das ist zahärztliche Glanzleistung.

    LG

    HP

Kommentar verfassen