TMD Leichtforscher 2

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Int J Comput Dent. 2012;15(2):93-107.

Korrelation zwischen rechnergestützten Messungen der mandibulären Öffnungs-und Schließbewegungen und klinische Symptome der Mandibulotemporalen Dysfunktion.

[Article in English, German]

Source

Abteilung für CAD / CAM-und Kieferheilkunde Dysfunktion (CMD) Therapie, Zentrum für Zahn-, Mund-und Kieferheilkunde, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald, Deutschland. kordass@uni-greifswald.de

Abstract

197 Patienten (74 männlich, 123 weiblich) wurden in diesem Study of Health in Pomerania zugehörigen Projekt (SHIP 0) ausgewertet. Sowohl ein klinischer Funktionsstatus als auch eine instrumentelle Analyse der funktionellen Bewegungsmuster des Unterkiefers wurde bei jedem Untersuchten angefertigt. Die instrumentelle Analyse geschah mit einem Ultraschall Kieferbewegungs Analysesystem.

Korrelationen zwischen instrumentaler Bewegungsmuster Funktionen und klinischen Zeichen und Symptome der Kiefergelenk Dysfunktion (TMD), wie gemeinsame Töne, palpable Beeinträchtigung der Kieferbewegungen und der Beendigung der Öffnungsbewegung am Inzisalpunkt, waren besonders signifikant (p <0,005). Korrelationen für TMJ Krepitations Geräuschen und Gelenkschmerzen bei Betastung vom seitlichen oder hinteren Aspekt her waren tendenziell weniger signifikant (p <0,1). Es wurde keine Assoziation für Schmerzen der Kiefer bei Bewegung oder Muskelempfindlichkeit in Reaktion auf Druck gefunden.

Die multivariate logistische Regression zeigte eine signifikante Korrelation zwischen den Helkimo Klinische Dysfunktion Stufen 2 und 3 und den folgenden unabhängigen Variablen: häufige Kopfschmerzen (Odds Ratio [OR] 4,12, p = 0,032), häufige Knackgeräusche in den Kiefergelenken (OR 5,79; p = 0,012), Bewegungsmuster des Unterkiefers mit auffälligen Anzeichen für eine Dysfunktion wie eine Abweichung oder Ablenkung (OR 4,35, p = 0,05) und Kondylenbahn Anomalien wie nervös, gerade / inverse oder unregelmäßigen Kurven (OR 28,59; p = 0,006).

Die instrumentelle funktionelle Analyse von Kondylenbahn Kurven ermöglicht es einem, statistisch valide Aussagen über das Auftreten von TMD Symptome zu ziehen. Es kann hilfreich sein, Kondylenbahn Analysen durchzuführen, wenn Risikobeurteilungen für Kiefergelenk Dysfunktion in bestimmten Situationen, vor allem vor der prothetischen Rehabilitation gefragt sind.


Int J Comput Dent. 2012;15(2):93-107.

Correlation between computer-assisted measurements of mandibular opening and closing movements and clinical symptoms of temporomandibular dysfunction.

[Article in English, German]

Source

Department for CAD/CAM and Craniomandibular Dysfunction (CMD) Therapy, Center for Dental, Oral and Maxillofacial Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-University, Greifswald, Germany. kordass@uni-greifswald.de

Abstract

197 subjects (74 male, 123 female) were evaluated in this Study of Health in Pomerania associated project (SHIP 0). Both a clinical functional status and an instrumental analysis of functional movement patterns of the mandible were performed in each subject, in the latter case using an ultrasonic jaw motion analysis system. Correlations between instrumental movement pattern features and clinical signs and symptoms of temporomandibular joint dysfunction (TMD), such as joint sounds, palpable impairment of jaw movement, and the termination of opening movement at the incisal point, were particularly significant (p <0.005). Correlations for TMJ crepitation sounds and joint pain on palpitation from the lateral or posterior aspect tended to be less significant (p < 0.1). No association was found for pain on jaw movement or muscle tenderness in response to pressure. A multivariate logistic regression model showed a significant correlation between Helkimo Clinical Dysfunction grades 2 and 3 and the following independent variables: frequent headaches (odds ratio [OR] 4.12; p = 0.032), frequent popping sounds in the jaw joints (OR 5.79; p = 0.012), incisal paths showing conspicuous signs of dysfunction such as deviation or deflection (OR 4.35; p = 0.05), and condylar path anomalies such as jumpy, straight/inverse or irregular tracings (OR 28.59; p = 0.006). Instrumental functional analysis of condylar path tracings allows one to draw statistically valid conclusions about the occurrence of TMD symptoms. It can be helpful to perform condylar path analysis when performing risk assessments for temporomandibular dysfunction in certain situations, particularly before prosthetic rehabilitation.


Kommentar

Die Herren Bernd Kordaß, Alfons Hugger und O. Bernhardt legen hier Leichtforschung vor, die im Jahr 2012 so nicht mehr akzeptabel ist. Das mache ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) an folgenden Punkten fest:

1. Der hier verwendete Begriff „TMD“ soll laut den Autoren für Temporo Mandibuläre Dysfunktion stehen. Dabei handelt es sich jedoch um eine freihändige Erfindung der beteiligten Herren, nicht aber um den international schon lange gefestigten Begriff TMD, der die Abkürzung für Temporo Mandibular Disorder darstellt. Ich wiederhole mich auch an dieser Stelle gerne zum 22. Mal: Ich zähle hier keineswegs Erbsen und schlage meine Zeit auch nicht mit Prinzipienreiterei tot. Zwischen dem deutsch belegten Wort „Dysfunktion“ und der US-amerikanischen Bezeichnung „Disorder“ liegen diagnostische Welten. Das eine hat mit dem anderen sehr sehr wenig zu tun. Wer also englischsprachige Veröffentlichungen in die Welt setzt, ist gut beraten, sich die internationale Festlegung der Diagnose VORHER anzuschauen.

2. Nimmt man nämlich als Fachmann die Festlegung der Diagnose „TM-Disorder“ zu Kenntnis, stellt man fest, dass unsere 3 Schreiber davon offensichtlich keine Ahnung haben. Sie wissen nicht, dass es grundsätzliche Unterschiede gibt zwischen:

  • muskulärer TMD (Diagnosegruppe 1) und
  • per MRT nachgewiesener Gelenkdeformation (Diagnosegruppe2) und
  • degenerativer Gelenkserkrankung (Diagnosegruppe 3).

Der Fortschritt der neuen RDC/TMD Diagnose Einteilung ist gerade der, nicht mehr alles, was in der Backe Schmerzen macht, in einen Topf zu werfen. Das aber haben sie getan, die Autoren hier: alles zusammengeworfen, denn wir erfahren kein Wort über die Verteilung der Untersuchten auf die RDC/TMD Diagnosekriterien.

3. In den Resultaten der Arbeit kommt dieser denkwürdige Satz vor: „Es wurde keine Assoziation für Schmerzen der Kiefer bei Bewegung oder Muskelempfindlichkeit in Reaktion auf Druck gefunden.“ Das nenne ich ein Eigentor. Alle TMD Patienten leiden unter Schmerzen in oder in der Nähe der Kiefergelenke. Und genau die werden in der „rechnergestützten Messung der mandibulären Öffnungs- und Schließbewegung“ als „nicht assoziiert“ mit Bewegungen des UK erklärt. Bravo, sage ich. Das wichtigste Symptom von TMD hat also nichts mit der Unterkieferbewegung zu tun. Damit bescheinigen sich unsere wackeren Forscher selber, dass ihre Messungen am Grundthema TMD gründlich vorbeigehen.

4. Die letzten Sätze der deutschen Zusammenfassung zeigen deshalb auch, woher der Wind eigentlich weht: Es geht um das Schönreden der sogenannten „Instrumentellen Funktionsanalyse“ und die 3 Männern sind sich nicht zu schade diese auch noch für das Anfertigen von Prothetik zu empfehlen.

Fazit: Wer „multivariate logistische Regression“ buchstabieren kann, ist nicht notwendigerweise deswegen ein wichtiger Forscher. Was hier vorliegt, ist aufgewärmter Bockmist mit Statistik garniert. Die instrumentelle Funktionsanalyse ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wird. *)

*) Hinweis für die Kombattanten: Zahnfilm.de spezialisiert u.a. im systematischen Pulverisieren des Lehrsatzes von der Nützlichkeit der instrumentellen Funktionsanalyse. Schnallen Sie sich also bitte an – und lesen hier in der Rubrik „Biss, Knirschen und Funktion“, was bisher geschah.

One Reply to “TMD Leichtforscher 2”

  1. RE: TMD Leichtforscher 2
    Herrlich, wie sie das formulieren. „Kombattanten“, „Bohren an der Front“ man merkt, dass sie bei der Bw waren 😉

    Bin mal gespannt ob es eine Reaktion der „Forscher“ auf diesen Artikel gibt.

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