Mit Lidocainspray Schmerzspitzen beseitigen

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Aus der Ulmer Uniklinik kommt ein weiterführender Tipp für Patienten mit Schmerzen, die nicht von den Zähnen stammen. Die Beratungspatientin des heutigen Tages, Frau M.S. (48) aus der Nähe von Ulm leidet seit 4,5 Jahren unter schlimmen bis schlimmsten Dauerschmerzen, die sie speziell im Bereich der linken unteren Seitenzähne und oberen Schneidezähne spürt.

Zuerst aufgetreten sind die Schmerzen nach einer Ringsum Neuüberkronung im Ober- und Unterkiefer, die ein Behandler X vor 4,5 Jahren mit der Begründung vornahm, dass der Biss nicht stimmen würde. Übrigens in 2 mal 8 Stundensitzungen innerhalb einer Woche. Vorher trug die Patientin etliche ältere Kronen und Brücken von ihrem „Dorfzahnarzt“, der – Zitat – „noch vom Krieg übriggeblieben war“ und noch althergebrachte Ringdeckelkronen angefertigt hatte. Diese hätten keinerlei Probleme in ihrer mindestens 20-jährigen Tragezeit verursacht.

Unmittelbar nach den Rekordschleifsitzungen wäre es mit den brutalen Schmerzen losgegangen, die in der Stärke anfangs bei 9 bis 10 von 10 gelegen hätten. Zuerst habe nur eine Dauerbehandlung mit Tramadol (= Opiat) geholfen.

Bei der Befundung und Auswertung diverser DVTs (= digitale Volumen Tomografien) heute stellt sich heraus, dass mit Ausnahme der unteren 4 Schneidezähne alle verbliebenen 18 Zähne im Verlaufe der letzten Jahre wurzelbehandelt wurden. Dazu wurden alle zwischendurch eingesetzten Kronen wieder entfernt und durch Kunststoff Provisorien ersetzt. Mit dem Behandler vor 4,5 Jahren läuft eine gerichtliche Klärung.

Die Patient besuchte verständlicherweise seit Schmerzbeginn bereits eine Reihe von namhaften und weniger namhaften Anlaufstellen, darunter die Ulmer Uniklinik, die Müncher Uni Zahnklinik, einige Zahnärzte und dazu Schmerztherapeuten. Als weiterführend empfindet Frau M.S. den Hinweis aus der Ulmer Uniklinik, die ihr empfahl, gegen die krasse Überempfindlichkeit ihrer linken Wange gegen Kälte (z.B. Wind beim Spaziergehen) ein Lidocainspray in die Nase zu bringen, und so den 2. Ast des Trigeminus für eine Stunde zu betäuben.

Weniger hilfreich sind die vielen Wurzelbehandlungen gewesen, die wohl aus Unsicherheit über die Diagnose durchgeführt wurden. Auch die Münchner Unizahnklinik hat sich mit ihren Behandlungsvorschlägen: 1. Entfernung einer uralten Zyste im Bereich von 24 und 2. Implantate im Bereich 46 , 47 nicht wirklich um das vorgetragene Beschwerdebild der Patientin gekümmert.

Die gegenwärtigen Dauerschmerzen betragen 4 bis 5 von 10 Möglichen, verschlimmern sich durch Kälte und nach dem Essen. Im Bereich der ehemaligen Wurzelspitze des Zahns 21, der lange gezogen wurde, spitzt sich der Kälteschmerz derart stark zu, dass die Patientin keine Spaziergänge mehr bei Temperaturen unter 15 Grad machen kann.

Fazit

Offensichtlich bestand zum Zeitpunkt der vermutlich überflüssigen Prothetik Groß-OP 2008 schon eine Veranlagung der Patientin zur Neuropathie des Trigeminus. Sie berichtet von Cluster Kopfschmerz vor 15 Jahren. Die Intensiv Schleifarbeit an fast allen Zähnen im OK und UK hat das Fass dann zum Überlaufen gebracht und im Anschluss für schlimmste Schmerzzustände des überempfindlichen Trigeminus gesorgt. Die zukünftige Marschrichtung bei Frau M.S. muss lauten

1. Verbesserung der antineuropathischen Medikation. Ich habe dazu Amitritpylin flüssig in Kombination mit Gabapentin 300mg verschrieben

2. Äußerst behutsame zahnmedizinische Begleitung, also keine Operation von Zysten, keine WSR, keine großen Änderungen von Biss und Bisshöhe.

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