55% M-TMD Patienten glauben zu knirschen, tatsächlich nur 10%

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J Am Dent Assoc. 2012 Nov;143(11):1223-31.

Bruxismus und myofasziale Temporomandibuläre Erkrankungen: eine Labor-basierte Polysomnographie Untersuchung.

Source

Klinik für Mund-, Kiefer-Pathologie und Medizin, New York University College of Dentistry, 380 Second Ave., Suite 301, New York, NY 10010, USA. kgr234@nyu.edu
abstrakt

HINTERGRUND:

Viele Zahnärzte glauben, dass Bruxismus (SB) ein pathogener Faktor bei myofaszialen Temporomandibulärer Störung (TMD) ist, aber fast alle unterstützenden Angaben stützen sich auf Patienten Selbst-Berichte statt auf die direkte Beobachtung.

Methoden:

Die Autoren stellten einen strukturierten Eigen-Bericht zur Verfügung, um herauszufinden, ob eine große und gut charakterisierte Stichprobe von Patienten mit myofaszialen TMD (124 Frauen) mehr Schlaf Bruxisum (SB) erleben als eine gleich alte und auch sonst passend ausgesuchte Gruppe gesunder Teilnehmer (46 Frauen). Die Autoren ermittelten dann Daten aus einer zwei-Nacht-Labor-Polysomnographie (PSG) Studie, um festzustellen, ob die M-TMD Fall Teilnehmer mehr SB als die Kontrollpersonen haben.

ERGEBNISSE:

Die Ergebnisse der unabhängigen Stichprobe t-Tests und X (2) Analysen zeigten, dass a) die selbst berichteten Raten von SB bei den M-TMD Teilnehmern signifikant höher lagen(55,3 Prozent) als in der Kontrollgruppe Teilnehmer (15,2 Prozent), und b) die Labor Schlafstudie (PSG) wesentlich geringere und statistisch ähnliche Raten von SB in  beiden Gruppen (9,7 Prozent und 10,9 Prozent) bewies. Schleifgeräusche waren in beiden Falle Teilnehmer (59,7 Prozent) und Kontrollpersonen (78,3 Prozent) weit verbreitet.

FAZIT:

Den meisten M-TMD Teilnehmer (90%) zeigten keine SB, und die gemeinsame Überzeugung, dass SB eine ausreichende Erklärung für myofasziale TMD wäre,  aufgegeben werden sollte.

Klinische Implikationen:

Obwohl es auch andere Gründe zur Behandlung des SB gibt, darf eine unberechtigte Besorgnis über die Erhaltung oder Verschlimmerung einer chronischen myofaszialen TMD durch Schlaf Bruxismus (SB) nicht verwendet werden, um eine SB Behandlung zu rechtfertigen.

PMID:
23115152
[PubMed – in process]
J Am Dent Assoc. 2012 Nov;143(11):1223-31.

Sleep bruxism and myofascial temporomandibular disorders: a laboratory-based polysomnographic investigation.

Source

Department of Oral and Maxillofacial Pathology and Medicine, New York University College of Dentistry, 380 Second Ave., Suite 301, New York, NY 10010, USA. kgr234@nyu.edu

Abstract

BACKGROUND:

Many dentists believe that sleep bruxism (SB) is a pathogenic factor in myofascial temporomandibular disorder (TMD), but almost all supportive data rely on patients‘ self-reports rather than on direct observation.

METHODS:

The authors administered a structured self-report interview to determine whether a large and well-characterized sample of patients with myofascial TMD (124 women) experienced SB more often than did matched control participants (46 women). The authors then used data from a two-night laboratory-based polysomnographic (PSG) study to determine whether the case participants exhibited more SB than the control participants.

RESULTS:

The results of independent sample t tests and χ(2) analyses showed that, although self-reported rates of SB were significantly higher in case participants (55.3 percent) than in control participants (15.2 percent), PSG-based measures showed much lower and statistically similar rates of SB in the two groups (9.7 percent and 10.9 percent, respectively). Grinding noises were common in both case participants (59.7 percent) and control participants (78.3 percent).

CONCLUSIONS:

Most case participants did not exhibit SB, and the common belief that SB is a sufficient explanation for myofascial TMD should be abandoned.

CLINICAL IMPLICATIONS:

Although other reasons to consider treating SB may exist, misplaced concern about SB’s sustaining or exacerbating a chronic myofascial TMD condition should not be used to justify SB treatment.

PMID:
23115152
[PubMed – in process]

 

 

 

Neuer Sprengstoff

Die Einleitung der Zusammenfassung oben beginnt so: „Viele Zahnärzte glauben, dass Bruxismus (SB) ein pathogener Faktor bei myofaszialen Temporomandibulärer Störung (TMD) ist, aber fast alle unterstützenden Angaben stützen sich auf Patienten Selbst-Berichte statt auf die direkte Beobachtung.“ Das bringt die Sachlage auf den Punkt.

Die Untersuchung aus New York aus 2012 sagt nichts weniger, als dass die Knirscherforschung im Zusammenhang mit TMD (CMD) der letzten 100 Jahre zum größeren Teil Müll darstellt.  Warum um alles in der Welt fragt man die Kranken nach ihrem Knirschverhalten, wenn man es doch selber genau messen könnte? Selber gemessen haben aber nur wenige. Die meisten gingen von der komplett falschen Annahme aus, dass der Patient selber sein Knirschen beurteilen könne.

Hier wird klipp und klar bewiesen, dass er es nicht kann. *) 55 Prozent der M-TMD Patienten glauben, dass sie knirschen, zeigen aber im Schlaflabor, dass maximal 10 Prozent tatsächlich knirschen. Was übrigens die gleiche Quote wie bei Gesunden darstellt.

Geben Sie jetzt gleich mal bei Medline (wissenschaftliche Datenbank) die Suchbegriffe „Bruxism“ und „TMD“ ein. Dann können Sie jede Menge wissenschaftliche Arbeiten aufrufen, die einen Zusammenhang zwischen Bruxismus und TMD beweisen wollen. Aber diese Studien beruhen alle auf falschen Annahmen.

 

*) Übrigens können auch etwa 50% der niedergelassenen Zahnärzte nicht erkennen, ob ein Patient knirscht.

 

Raphael, Karen G, David A Sirois, Malvin N Janal, Pia E Wigren, Boris Dubrovsky, Lena V Nemelivsky, Jack J Klausner, Ana C Krieger, und Gilles J Lavigne. „Sleep bruxism and myofascial temporomandibular disorders: a laboratory-based polysomnographic investigation“. Journal of the American Dental Association (1939) 143, Nr. 11 (November 2012): 1223–1231.
 

Rossetti, Leylha Maria Nunes, Paulo Henrique Orlato Rossetti, Paulo César Rodrigues Conti, und Carlos dos Reis Pereira de Araujo. „Association between sleep bruxism and temporomandibular disorders: a polysomnographic pilot study“. Cranio: the journal of craniomandibular practice 26, Nr. 1 (Januar 2008): 16–24.

7 Replies to “55% M-TMD Patienten glauben zu knirschen, tatsächlich nur 10%”

  1. Sehr interessant!
    Sehr spannend, endlich mal jemand, der die Grundlagenforschung im Schlaflabor betreibt, die so dringend benötigt wird. Sonst müssen sich die armen Patienten noch jahrelang den Mythos vom Stress = Knirschen = Schmerzen anhören. Spätestens als ich einen „Stress-Fragebogen“ ausgefüllt habe und einen geringeren Wert als mein Zahnarzt selbst aufwies, habe ich das Ganze in Frage gestellt. Um die These dann weiter zu überprüfen habe ich mir den SleepGuard besorgt. http://www.stopp-zaehneknirschen.de/ Er kann die nächtlichen Knirsch/Press-„Attacken“ messen und mittels eines Warntons auch verringern.
    Ergebnis: ja, ich presse (nicht knirsche!) manchmal nachts die Zähne aufeinander. So ca. 30-50 Mal. Schalte ich jetzt den Ton ein, reduziert sich das Ganze auf 12-15 Mal ABER der Schmerz ist morgens trotzdem der gleiche.

  2. Sehr interessant! Teil 2
    Habe ein paar Wochen Buch geführt über die Schmerzintensität und die Anzahl des nächtlichen Pressens (klar nicht sehr objektiv, wenn ich sehe „oh heute Nacht viel gepresst“ könnte ich mir ja einbilden mehr Schmerzen zu haben) aber auch ohne statistische Auswertung war zu erkennen, dass es keinen signifikanten Zusammenhang gab.
    Klar, ich habe keine Vergleichswerte von schmerzfreien Patienten (würde meine Freunde ungern nötigen das Teil mal auszuprobieren) aber ich kann schon mal sagen: ob mit oder ohne Schiene, Oberkiefer- oder Unterkieferschiene das hat kaum Einfluss auf das Pressen. Wahrscheinlich habe ich auch vor den Schmerzen schon gepresst.

  3. Sehr interessant! Teil 3
    Der Zusammenhang Pressen/Knirschen = Schmerzen ist für mich daher nicht so offensichtlich wie viele Zahnärzte es gerne hätten. Und die Argumentation „schon da alte Sprichwort ‚die Zähne zusammenbeißen‘“ würde irgendwas in diese Richtung beweisen ist einfach nur lächerlich. 🙄 (OT: warum kann ich keinen Kommentar schreiben, wenn ich mich einlogge?)

  4. peinlich genug …
    daß USA sich in Ahnungslosigkeit suhlt. Obwohl Hitler ihnen deutsche Kompetenz en masse rübergespült hat.

    Walkhoff war nicht dabei. Mir fallen viele helle Köpfe ein. Ein Einstein. Kein Zahnstein. Aber ein Zahnarzt?

    „*) Übrigens können auch etwa 50% der niedergelassenen Zahnärzte nicht erkennen, ob ein Patient knirscht“

    Der typische Internist kriegt auch nicht raus, ob der Patient furzt.

    Ich schlage folgenden Test vor:

    „Beißen Sie mal fest zu!“

    Wenn das im Wartezimmer hörbar ist, haben Sie einen Knirscher vor sich.

  5. Peinlich
    Peinlich wie so oft, ist mal wieder Horst P. Ich als Blogmaster tue Ihnen, Herr P. , diesmal nicht den Gefallen des Löschens Ihrer Einlassungen. Ich überlasse es der Intelligenz der Leser zu entscheiden, an welcher Stelle Herr P. eine Verbindung vom Knirschen zur Hitlerei erkennen will. VG Joachim Wagner

  6. Was schreib ich da?
    [quote name=“j.wagner“]Peinlich wie so oft, ist mal wieder Horst P. Ich als Blogmaster tue Ihnen, Herr P. , diesmal nicht den Gefallen des Löschens Ihrer Einlassungen. Ich überlasse es der Intelligenz der Leser zu entscheiden, an welcher Stelle Herr P. eine Verbindung vom Knirschen zur Hitlerei erkennen will. VG Joachim Wagner[/quote]

    Zahnklempner unter sich. Es war nie meine Absicht, mich mit Ihnen anzulegen. Aber „Verbindung vom Knirschen zur Hitlerei“: Zwischen welchen Zeilen lesen Sie da? Ich sage nur, daß Hitler einen großen Teil der deutschen Intelligenz ins US Exil getrieben hat. Ob Zahnärzte dabei waren, weiß ich nicht.

    LG

    hp

  7. Intelligenz
    [quote name=“j.wagner“]Peinlich wie so oft, ist mal wieder Horst P. Ich als Blogmaster tue Ihnen, Herr P. , diesmal nicht den Gefallen des Löschens Ihrer Einlassungen. Ich überlasse es der Intelligenz der Leser zu entscheiden, an welcher Stelle Herr P. eine Verbindung vom Knirschen zur Hitlerei erkennen will. VG Joachim Wagner[/quote]

    Wer ist da was? Bei der Intelligenz der Leser, die dominant Zahnaerzte sein dürften, wundert mich dieser Schmarrn von Beitrag nicht wirklich.

    Man braucht ein einser Abi für diese Sekte. Mein Beileid.

    hp

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