Zahnärztliche Leitlinien: schwache Aussagen noch schwächere Begründungen

Bekanntermaßen schauen die Humanmediziner (alle „normalen“ Ärzte) etwas mitleidig auf die Zahnmediziner herunter. Hier die „richtigen“ Ärzte und dort die Zahnklempner. Der extrem schwache Auftritt der Zahnmediziner auf der Internet-Plattform für die Leitlinien in der Medizin, die von den fachmedizinischen Gesellschaften (z.B. Nuklearmedizin, HNO, Gynäkologie etc.) herausgegeben werden, ist ein ernster Hinweis für die Richtigkeit der Behauptung.

Ganze 3 Einzelfragen (Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe, Fissurenversiegelung und Operative Entfernung von Weisheitszähnen) werden überhaupt von den Leitlinien erfaßt. Die Hauptfelder der zahnärztlichen Berufstätigkeit werden also gar nicht berührt. Und schaut man sich die Leitlinie zur Operativen Entfernung von Weisheitszähnen an, dann ist man leicht entsetzt über die Schwammigkeit der Aussagen und noch entsetzter über die praktisch nicht vorhandene Datenlage. Alle Aussagen über das operative Entfernen von Weisheitszähnen werden laut aktueller Leitlinie von 2006 mit der schlechtesten aller möglichen Evidenzstufen, der Expertenmeinung, gedeckt. Es gibt streng genommen keine ernsthafte Studie, die das operative Entfernen von Weisheitszähnen wissenschaftlich unterstützt. Genau das steht in den Leitlinien.

Liest man dann noch etwas genauer zwischen den Zeilen, wird sogar das Gegenteil vermutet: würde man wissenschaftlich einwandfreie Studien anstellen, könnte dabei sehr gut herauskommen, dass das Entfernen von Weisheitszähnen mehr Komplikationen verursacht, als das Belassen.

Das ist doch eine Nachricht.

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