Aktueller Neuropathie Fall aus Forum

Frau X.X. schildert im Forum von Zahnfilm.de unter dem Titel „Ratlos wegen Dauerschmerzen“ ihre Zahngeschichte von 2010 bis jetzt. Sie leidet seit einer Wurzelbehandlung von 46 unter Dauerschmerzen, die morgens leicht beginnen und sich durch Sprechen verschlimmern.

 

Beginn des Zitats

„Hallo,

mit großem Interesse habe ich mich hier schon auf den Seiten eingelesen und habe mir gedacht, ich muss hier jetzt auch mal um Rat fragen.

Am besten ich fange mal von ganz vom Anfang an.

Im Dezember 2004 fiel mir aus dem vorletzten Backenzahn im Unterkiefer unten rechts (von mir aus gesehen) ein großes Goldinlay aus meinem Backenzahn. Mein Hauszahnarzt setzte das Inlay allerdings wieder ein, der Nerv hat sich auch wieder soweit beruhigt. Er meinte noch, irgendwann wird der Zahn sicher kommen.

Und das tat er dann auch mit aller Gewalt im Juli 2010, eine Woche nach meiner Hochzeit in meinen Flitterwochen in Italien. Kurz und gut, die Italiener haben es nicht für nötig gefunden, mir irgendwie richtig helfen zu wollen, zwei Mal vom Krankenhaus abgewiesen worden, einmal vom Zahnarzt vor Ort, dieser wollte nicht mal röntgen. Er schob es zwar auf eine Entzündung, hat mir ein entzündungshemmendes Medikament mitgegeben, aber nicht mal Tramadoltropfen vom Krankenhaus halfen.

Nach einer Woche hatte mein Mann dann mein Leid satt, wir versuchten in Österreich Hilfe zu bekommen. Gesagt getan, auf nach Klagenfurt ins große Landeskrankenhaus. Dort sofort in der Abteilung geröntgt worden, Zahn aufgebohrt, Wurzelbehandlung. Der Zahn wurde dann offen gelassen, Antibiotikum und wieder zurück nach Italien, wo ich sofort dann für nach unserer Rückkehr einen Termin beim Hauszahnarzt machte, der mir das Goldinlay seinerzeit wieder eingesetzt hatte. Er röntge nochmal, meinte, es sähe gut aus, füllte den Zahn provisorisch und meinte, wenn alles gut ginge könnte die Woche darauf dann die Wurzelfüllung gemacht werden.

Nur mein Zahn dachte sich wohl denkste und puckerte munter weiter. So saß ich dann also wieder beim Zahnarzt nach zwei Tagen, der wußte sich nicht mehr zu helfen. Daraufhin nach unertragbaren Schmerzen bekam ich vom Zahnarzt meines Mannes dann einen Spezialisten für Wurzelbehandlungen genannt und ich machte dort einen Termin aus. Dort saß ich dann im August 2010 und dieser entdeckte dann einen weiteren, stark entzündeten Wurzelkanal. Die Schmerzen beim durchbohren.. kann sich jeder denken. Damit war dann auch mein Geburtstag versaut.

Von da an war ich dann im zwei-Tages-Rhythmus bei diesem Zahnarzt, denn nach jeder provisorischen Füllung ging alles von neuem los. Also sollte nur noch nach mittlerweile acht Wurzelbehandlungen eine WSR helfen. Diese erfolgte dann im September 2010.

Seitdem habe ich Schmerzen im rechten Unterkiefer. Ständiges Vertrösten und Hinhalten, es müsse ja noch heilen, es war ein schwerer Eingriff, es war stark vereitert usw.. haben mittlerweile drei Jahre vergehen lassen, ohne dass eine Besserung eintrat.

Laut Röntgenbilder und selbst 3D-Röntgen brachten nur ein tolles Heilungsergebnis des Knochens, aber keine Erklärung für die Beschwerden, die im übrigen morgens sacht anfangen und gegen abend dann meist immer stärker werden. Oft stelle ich das auch fest, wenn ich an Tagen geschäftsbedingt viel reden mußte. Nachts spüre ich zum Glück nichts davon und kann schlafen.

Jetzt im Juli 2013 wurde erneut eine WSR an diesem Zahn durchgeführt. Die einzige Möglichkeit, die der Zahnarzt noch sah, um den Zahn noch zu retten. Jedoch war auch leider dieser Eingriff komplett erfolglos, die Schmerzen sind nach wie vor da, obwohl sogar noch an der hinteren Wurzelspitze noch entzündliches Material gefunden wurde, so der Zahnarzt.

Daraufhin war ich nun vor ca zwei Wochen aus eigenem Antrieb heraus (ich bin privat krankenversichert, meine Krankenversicherung steht da hinter mir) zu einem Neurologen gegangen, um hier vielleicht Aufschluss zu bekommen. Laut seinen Befunden ist aber der Trigeminusnerv vollkommen ok, kein Hinweis, alles in bester Ordnung. Von ihm kam dann der Hinweis, wenn weder der Zahnarzt was findet noch her, muss es psychosomatisch sein und ich sollte doch zu seiner Kollegin gehen, einer Ärztin für psychosomatische Leiden und Psychotherapie. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich diesen Rat befolgen mag, da ich mein Leiden nicht bzw noch nicht hier einordnen mag (ich habe leider bereits massiv schlechte Erfahrungen gemacht mit Aussagen aufgrund z. B. Ultraschalluntersuchungen und MRT, hier wurde nicht erkannt, dass meine Gallenblase damals kurz vorm platzen war mit einem Gallenstein ca 3×6-7 cm groß, dies wurde erst bei der OP erkannt).

Der Rat meines Zahnarztes letzte Woche bei einer normalen Kontrolle war dann der, den Zahn ziehen zu lassen, er meinte, dass der Nerv wohl immer noch triggert. Was auch immer genau er damit meinte.
Ich komme mir mittlerweile ziemlich allein gelassen vor, was man hier noch tun kann.

Dazu zu erwähnen wäre noch, dass bei mir vor Jahren mal eine Zyste in der Kieferhöhle diagnostiziert wurde, die wohl recht groß ist, aber sonst nie Probleme gemacht hat (wurde zufällig durch ein CT festgestellt). Laut HNO auch nicht weiter behandlungsbedürftig. Mittlerweile aber fühlt es sich so an, als ob der Schmerz auch noch oben über den rechten oberen Oberkiefer wandert.

Medikamente nehme ich keine. Ibu600 schlagen eh nicht an. Was anderes habe ich noch nicht probiert, weil mir keiner dazu geraten hat oder weiter was unternehmen wollte.

Daher bitte ich einfach hier um Hilfe, denn ich bin einfach nur noch ratlos. Ich habe einen anspruchsvollen Job, der mich zwar teilweise davon ablenkt, aber mit Beschwerden arbeiten macht auch nicht wirklich Spaß.

Lieber Herr Dr. Wagner, wenn Sie das lesen, ich wäre Ihnen für einen Rat/Tipp/Info sehr sehr dankbar.

Freundliche Grüße
Eine Leidensgenossin“

 
Ende des  Zitats
 

Die Antwort an die Patientin finden Sie hier : Ratlos wegen Dauerschmerzen
 
 
Kommentar

 Voll normal. Die Patientin leidet seit 3 Jahren an eindeutigen Trigeminus Neuropathie Schmerzen und keiner merkt es, auch nicht der dafür bezahlte Neurologe.  Lockere 5 Kardinalsymptome für eine klassische Trigeminus Neuropathie lassen sich im Fall der Frau X.X. ausmachen:

  1. Mehrfach (hier 8) wiederkehrende Sequenz von Medikamenten Einlagen und nachfolgenden Schmerzen am einem Zahn während der Wurzelbehandlung.
  2. Dauerschmerzen seit 3 Jahren und keine Besserung trotz WSR.
  3. Gute Knochenheilung im 3D Röntgen nachgewiesen
  4. Nachts schmerzfrei, tagsüber rampenförmiger Schmerzverlauf.
  5. Nichtwirkung von Ibuprofen

Viel typischer geht es kaum. Für mich (Joachim Wagner, Zahnarzt und Schmerztherapeut für Trigeminus Dauerschmerzen) gibt es keinerlei Zweifel, dass der Trigeminus, und der zwar der 3 Ast rechts, bei Frau X.X. viel zu empfindlich geworden ist. Über die Gründe läßt sich nur spekulieren; Wurzelbehandlungen zeigen sich zwar häufig als Auslöser. Ob sie auch wirklich die Ursache stellen, wird noch zu klären sein.

 

Eine fatale Rolle spielt im vorliegenden Beispiel der Neurologe. Vermutlich bestand die Untersuchung des Neurologen im Abtasten der Austrittspunkte des Trigeminus und ein paar gezielte Fragen Richtung Trigeminus Neuralgie. Anders ist es kaum zu erklären, wie der Kollege zur Aussage kommt, „laut seinen Befunden ist der Trigeminusnerv vollkommen ok“.

Diesen Satz kann ich so nicht stehen lassen. Richtig formuliert heißt er nämlich: Nach oberflächlichen Untersuchungen scheint der Trigeminusnerv von Frau X.X. zunächst ok zu sein. Bei eingehenderer Untersuchung wird sich aber zeigen, dass a) messbare Leitungsunterschiede*) zwischen dem rechten und linken Trigeminus erscheinen und b) die Krankengeschichte siehe oben eine deutlich andere Sprache spricht.

Dass der Neurologe dazu auch noch das Psychosomatie Fass aufmacht, tja. Fällt unter Fehlleistungen.

 

*) Zu den messbaren Leitungsunterschieden wird demnächst eine Artikelserie erscheinen. Stichwort „Somatosensorisch evozierte Hirnpotenziale“

 

 

 

 

 

 

 

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