Aktuelle Antineuropathika

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Medikamente gegen neuropathische Schmerzen

Quelle:

The future: new concepts and potential therapies
NM Sumracki, L Nicotra, YH Kwok, L Liu
Cambridge University Press

 

In einem 2013 neu erschienen Buch wird die oben wiedergegebene Tabelle abgebildet. Sie ist aus 3 Gründen interessant. 1. Sind dort 2 , noch in der Erprobungsphase 2 befindliche, Neuerscheinungen aufgeführt. 2. Wird bei jedem Medikament der Wirkmechanismus angegeben und 3. Sagt die Spalte „Cochrane yes/no“, ob es vergleichende Mehrfachstudien für das Medikament gibt.

Vergleicht man die von mir (Zahnarzt Joachim Wagner) als Erstmedikation vorgeschlagene Kombination aus Amtitriptylin, Gabapentin und Carbamazepin mit der Tabelle, dann tauchen alle 3 auch dort auf. Einzig Gabapentin wird nicht namentlich erwähnt, ist aber so eng mit Pregabalin verwandt, dass wir es hier gleichsetzen können.

 

Die 4 Autoren des Kapitels The future: new concepts and potential therapies des Buches geben einen Überblick über die aktuelle Entwicklung von Medikamenten und physikalischer Therapie bei neuropathischen Schmerzen. So sollen derzeit ca. 70 Neuentwicklungen von Molekülen bis zur Phase 1 (Kleingruppentests am Menschen direkt nach Tierversuch) vorgedrungen sein, allerdings vorwiegend in Kleinunternehmen.

 

Welche Arzneimittel Bindungsstellen bei Neuropathie kommen am Mensch in Frage?

1. GABA

Gamma Amino Buttersäure (= GABA) Rezeptoren finden sich im Hirn und im Rückenmark. Ganz bekannte Liganden (= Andock Moleküle) der GABA Rezeptoren sind Benzodiazepine, wie z.B. Diazepam (= Valium) oder auch Clonazepam. Beide sind in der Tat als Notfallmedikation bei Neuropathie einsetzbar, haben aber schwere Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und schnelle Abhängigkeit. Inzwischen ist klar, dass der GABA Rezeptor mehrere Varianten hat. Es gibt eine , die die Schmerzunterdrückung ohne die Nebenwirkungen beherrscht. An dem passenden Andock Molekül wird gearbeitet. Am Mensch erprobt: Valproat Säure , Clonazepam  ,

2. Natrium Kanäle

Praktisch alle Nervzellen weisen auf ihrer Oberfläche sogenannte Natrium Kanäle auf. Sie sind zuständig für die schnelle Weiterleitung von Ereignissen, z.B. eines Schmerzimpulses vom Zahn in die Wahrnehmung im Hirn. Carbamazepin stabilisiert den Ruhezustand von Natrium Kanälen, behindert also die Erregbarkeit. Bestimmte Kanäle (Nav1.8) scheinen speziell für die Schmerzübertragung zuständig zu sein. Mutiert (=verändert sich erblich) dieser Nav1.8 bis zur Funktionsunfähigkeit, merkt das Individuum (Mensch oder Maus) keinen Schmerz mehr, was hochgefährlich bei allen Verletzungen ist. Hier bietet sich der nächste Angriffspunkt für die gezielte Schmerzausschaltung per Medikament. Am Mensch erprobt: Bupivacaine  , Amtriptyline , Eugenol , Carbamazepin  , Tetrodotoxin (TTX)  ,

3. Calcium Kanäle

Ganz vergröbert kann man sich die Kalzium Kanäle auf den Nervenzellen als Einsteller für die Empfindlichkeit der Zelle auf eingehende Impulse vorstellen. Sie beeinflussen die Erregbarkeit. Gabapentin (=Neurontin) und Pregabalin (=Lyrica) docken an bestimmten Untereinheiten dieser Kanäle an und wirken dadurch bremsend auf die Erregbarkeit. Ganz sicher wird es hier in der Zukunft Neuentwicklungen von Molekülen geben, die noch besser arbeiten. Am Mensch erprobt: Gabapentin , Pregabalin, Ziconotide  ,

4. TRPV1

Der Transient Receptor Potential Vanilloid 1 (TRPV1) befindet sich vorwiegend auf Schmerznerven in der Haut und meldet zu niedrige (unter 21 Grad) oder zu hohe Temperaturen (über 42 Grad). Er wird auch ausgelöst durch Capsaicin und Menthol. Er spielt eine wichtige Rolle bei Entzündungen und neuropathischen Schmerzen. Darum wirkt Capsaicin bei Letzteren. Am Mensch erprobt: Capsaicin,  Curcumin, Menthol

5. NMDA

Der N-methyl D-aspartate Rezeptor kann hier wegen seiner Komplexität nicht beschrieben wir, deshalb lesen Sie hier nach. Dass er in der Schmerzunterdrückung beteiligt sein muss, ergibt sich aus der Tatsache das Ketamin, ein Narkosemittel und bekannter Ligand von NMDA Rezeptoren, in der Lage ist, neuropathische Schmerzen zu mindern. Am Mensch erprobt: Ketamine, Amantadine,   D-Cycloserin

6. AMPA

 

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