CMD: Endlich sichere und nachprüfbare Diagnosen nach Schema DC/TMD

Frisch von der vordersten Front der Wissenschaft, die sich mit den Schmerzen bei TMD (für Deutsche: CMD) befasst, kommt ein neues Diagnose Findungs Schema. Das erlaubt es, nachprüfbare Diagnosen nach genau vorgeschriebenen Untersuchungen am Patienten zu erarbeiten.

tmddecisiontree

 

Das originale und vollständige Schema finden Sie hier.

 

Wozu ein neues Schema?

Zum Verständnis benötigen wir die Fachbegriffe „Spezifität“ und „Sensitivität“. Beide beschäftigen sich mit der Genauigkeit, mit der ein bestimmtes Verfahren (z.B. HIV Test, oder auch TMD – Diagnostik) in der Lage ist, krank von gesund zu unterscheiden.

Spezifität *)

ist die Genauigkeit eines Verfahrens, tatsächlich Gesunde als gesund herauszufinden.

Sensitivität

ist die Genauigkeit eines Verfahrens, echte Kranke als krank zu erkennen.

 

Beide Werte werden in Prozent ausgedrückt, wobei ein Wert nahe 100% für eine gute Genauigkeit steht und Werte unter 60% ausdrücken, dass das Verfahren eher einem Würfelspiel gleicht. Beispiel: Die früheren RDC/TMD Diagnosen vor 2014 hatten nachweislich eine Spezifität von 95%, aber die Sensitivität lag bei nur 70%. Das heißt, dass zwar die Gesunden zuverlässig erkannt wurden, aber etwa 30 % Kranke fälschlich als gesund bezeichnet wurden.

Mit den jetzt veröffentlichten Verfahren steigt die Sensitivität je nach Diagnose auf min. 85% und die schon gute Spezifität wird noch weiter verbessert.

Doppelt geprüft

Spezifität und Sensitivität sind also Meßgrößen für die Güte eines Diagnoseverfahrens. Um beides berechnen zu können, muss das Diagnoseverfahren natürlich mit weiteren Methoden überprüft werden, um herauszufinden wieviel falsch Positive (Gesunde, die vom Verfahren als krank bezeichnet werden) oder falsch Negative (Kranke, die angeblich gesund sind) im Durchschnitt auftreten. Das bedeutet, dass das Diagnoseverfahren mehrfach überprüft, somit also validiert (= es misst, was es messen soll) wurde. Die neuen DC/TMD Verfahren messen demnach tatsächlich temporo mandibuläre Störungen (Disorders).

Hier nicht

Das kann man von den in Deutschland üblichen Untersuchungsmethoden bei CMD leider nicht sagen. Was hierzulande unter „Funktionsanalyse“ des „craniomandibulären“ Systems abgeliefert wird, ist a) nie validiert worden und hat b) eine Spezifität sicher unter 50%  (also jede Menge falsch Positive) und eine vermutete Sensitivität (= Kranke als krank erkennen) von kleiner als 60%. Alleine schon das Wort Funktionsanalyse drückt aus, dass der Untersuchungsschwerpunkt nicht bei den Schmerzen liegt. Man muss davon ausgehen, dass die bisherigen Verfahren hier eben gerade nicht die  Störung in den Geweben um das Kiefergelenk korrekt beschreiben.

 

Alle außer Deutschland und …

Schaut man sich die Mitwirkenden am internationalen RDC/TMD Consortium an, handelt es sich im wesentlichen um Wissenschaftler aus den USA, Großbritannien, Niederlande, Italien, Brasilien und Schweden und mit Vorbehalt auch China. Durch Abwesenheit glänzen deutschsprachige Gebiete (Zürich ausgenommen: Prof. Dr. Sandro Palla) und Japan. Ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) als Beobachter frage mich natürlich, wie lange sich die deutsche Zahnärzteschaft diese Vogel Strauß Politik noch leisten will.

 

*) Beispiel Mammografie

Das Aufkommen von Brustkrebs in der Bevölkerung liegt etwa bei 1%. Das serienweise Erstellung von Röntgenbildern der Brust liefert eine Spezifität (Gesund wird als gesund erkannt) von 94 % und eine Sensitivität von 90 %.

Das bedeutet:  7 von 8 Frauen mit noch unerkanntem Brustkrebs werden beim Mammographie-Screening erkannt (D). 1 Frau hat einen falsch-negativen Befund (E, Sensitivität rund 90%).
Von 992 Frauen ohne Brustkrebs (C) haben 929 tatsächlich einen unauffälligen Mammographie-Befund (G, Spezifität 94 %). 63 haben einen verdächtigen Befund (F: falsch-positive Befunde). Quelle hier.

Das Hauptproblem hier sind die 63 (von 1000) falsch positiven Befunde. Diese Frauen erhalten eine Krebsdiagnose, haben aber keinen Krebs. Das Beispiel macht klar, warum die Spezifität möglichst nahe 100 % liegen sollte.

 

 

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