Hirn Aktivität verschieden bei TMD und neuropathischen Mund/Gesichtsschmerzen

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Pain. 2014 Mar;155(3):467-75. doi: 10.1016/j.pain.2013.11.008. Epub 2013 Nov 21.

Differential brain activity in subjects with painful trigeminal neuropathy and painful temporomandibular disorder.

Abstract

Human brain imaging investigations have revealed that acute pain is associated with coactivation of numerous brain regions, including the thalamus, somatosensory, insular, and cingulate cortices. Surprisingly, a similar set of brain structures is not activated in all chronic pain conditions, particularly chronic neuropathic pain, which is associated with almost exclusively decreased thalamic activity. These inconsistencies may reflect technical issues or fundamental differences in the processing of acute compared with chronic pain. The appreciation of any differences is important because better treatment development will depend on understanding the underlying mechanisms of different forms of pain. In this investigation, we used quantitative arterial spin labeling to compare and contrast regional cerebral blood flow (CBF) patterns in individuals with chronic neuropathic orofacial pain (painful trigeminal neuropathy) and chronic nonneuropathic orofacial pain (painful temporomandibular disorder). Neuropathic pain was associated with CBF decreases in a number of regions, including the thalamus and primary somatosensory and cerebellar cortices. In contrast, chronic nonneuropathic pain was associated with significant CBF increases in regions commonly associated with higher-order cognitive and emotional functions, such as the anterior cingulate and dorsolateral prefrontal cortices and the precuneus. Furthermore, in subjects with nonneuropathic pain, blood flow increased in motor-related regions as well as within the spinal trigeminal nucleus.

Crown Copyright © 2013. Published by Elsevier B.V. All rights reserved.

KEYWORDS:

Cerebral blood flow; Orofacial pain; Temporomandibular disorder; Thalamus; Trigeminal neuropathy

 

Übersetzung

Menschliche Gehirn-Bildgebung Untersuchungen haben gezeigt, dass akute Schmerzen mit der Koaktivierung zahlreicher Hirnregionen, einschließlich des Thalamus, des somatosensorischen, der Insel und des cingulären Kortex verbunden sind. Überraschenderweise wird eine ähnliche Reihe von Gehirnstrukturen bei chronischen Schmerzzuständen nicht aktiviert, besonders neuropathischen Schmerzen, die fast ausschließlich mit einer Erniedrigung von thalamischen Aktivitäten einhergehen. Diese Inkonsistenzen könnten mit technischen Problemen oder grundlegenden Unterschiede in der Verarbeitung von akuten verglichen mit chronischen Schmerzen zusammenhängen.

Die Beachtung aller Unterschiede ist wichtig, weil die Entwicklung von besseren Behandlungsmethoden abhängig ist vom Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen der verschiedenen Formen von Schmerzen. In dieser Untersuchung haben wir die quantitative arterielle Kernspin Untersuchung benutzt, um die regionalen Hirndurchblutungs (CBF) Muster bei Patienten mit chronischen neuropathischen Mund/Gesichtsschmerzen (schmerzhafte Trigeminus-Neuropathie) und chronische nichtneuropathische Mund/Gesichtsschmerzen (TMD, in Deutschland : CMD) zu vergleichen.

Der neuropathische Schmerz war vergesellschaftet mit einem sinkenden CBF in einer Reihe von Regionen, einschließlich des Thalamus und primären somatosensorischen Kortex und Kleinhirn. Im Gegensatz dazu wurde bei chronischen nichtneuropathischen Schmerzen ein erheblicher CBF Anstieg in Regionen mit höheren kognitiven und emotionalen Funktionen, wie beispielsweise das vordere Cingulum, der dorsolaterale präfrontale Kortex und der Precuneus, festgestellt. Darüber hinaus wurde bei Patienten mit nichtneuropathischen Schmerzen ein erhöhter Blutfluss in den motorbezogenen Regionen sowie im Trigeminuskern im verlängerten Rückenmark angetroffen.

 

Bedeutung

Traditionsbedingt kennen die meisten Zahnmediziner nur die TMD (in Deutschland noch CMD) als DIE chronische Schmerzerkrankung in ihrem Fachgebiet. Die Forscher des obigen Papiers definieren sie als „nichtneuropathische“ Schmerzerkrankung. Dieser gegenüber steht der chronische neuropathische Mund/Gesichtsschmerz, dessen Existenz erst ganz langsam in das Gruppenbewußtsein der Zahnmediziner einsickert.

Dass es sich um grundverschiedene Zustände handeln muss, geht aus dieser Kernspin Arbeit hervor. Bei chronischen neuropathischen Schmerzen sinkt merkwürdigerweise die Aktivität im Thalamus. Bei akuten Schmerzen steigt sie. Wir sind weit entfernt davon zu wissen, was dieser Befund bedeutet. Anzunehmen ist aber eine grundsätzliche Umorganisation im Hirn von langjährigen Neuropathikern. Dies würde auch das Nichtwirken selbst stärkster Betäubungsmittel bei dieser Schmerzarzt verstehbarer machen.

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