Schweden bleibt in der Zahnmedizin vorne

M. Brännström,

1979, „Bacteria and pulpal reactions under silicate cement restorations.“
1986, „The hydrodynamic theory of dentinal pain: sensation in preparations, caries, and the dentinal crack syndrome.“

Per Axelsson,

1976, „The effect of various plaque control measures on gingivitis and caries in schoolchildren.“
1994, „The effect of a new oral hygiene training program on approximal caries in 12-15-year-old Brazilian children: results after three years.“

J. Lindhe

1975, „Experimental gingivitis in young dogs.“
1977, „Lack of effect of trauma from occlusion on the recurrence of experimental periodontitis.“

G. Bergenholtz

1981, „Inflammatory response of the dental pulp to bacterial irritation.“
1982, „Bacterial leakage around dental restorations: its effect on the dental pulp.“

W.J. Loesche

1964, „BACTEROIDES ORALIS, PROPOSED NEW SPECIES ISOLATED FROM THE ORAL CAVITY OF MAN“

Alle diese Arbeiten haben einiges gemeinsam: Sie kommen aus Schweden bzw. von einem Schweden und sind Meilensteine in der zahnmedizinischen Forschung gewesen. Teile davon sind trotzdem bis heute nicht im gemeinsamen Grundwissen der Zahnmediziner angekommen. Bis heute behaupten immer noch genügend Kollegen, dass okklusale Traumen die Parodontitis verschärfen, obwohl Lindhe das 1977 schon widerlegt hat. Und immer wieder werden Vermutungen laut über die angeblichen Wirkungen der Füllungsmaterialien auf das Pulpengewebe. Bergenholtz hat Anfang der 80er Jahre schlüssig bewiesen, dass Undichtigkeiten der Materialien Bakterieneinströme in die Pulpa verursachen und deshalb die Pulpa Schaden nimmt. Der Einfluss der Chemie auf die Odontoblasten (Pulpazellen) war dagegen unwichtig.

Auch 2006 gibt es Neues und Wichtiges aus Malmö, Schweden. Die Abteilung Mund/Gesichtsschmerz (engl. „Orofacial Pain Unit“, man beachte die Namensgebung) der Zahnklinik der Universität Malmö unter Leitung von Prof. Dr. Marti Helkimo hat Odontalgien untersucht. Odontalgien sind im Prinzip Schmerzen, die der Patient an genau angebbaren Zähnen spürt, für die es aber keiner Erklärung durch den Zahnbefund gibt. Odontalgien sind also das Paradebeispiel für neuropathische Schmerzen. 35 Patienten mit diesem Problem erhielten Injektionen mit Lidocain (örtliches Betäubungsmittel), um herauszufinden, ob die Schmerzen verschwinden. Das Ergebnis: es kommt durch die örtliche Betäubung für 60 bis 120 Minuten zu einer deutlichen Schmerzverminderung, aber nicht zur vollen Schmerzfreiheit.

Die Autoren schließen daraus, dass die unmittelbaren Fasern des Trigeminus von der Stelle wohl eine Rolle bei der Schmerzentstehung spielen, dass aber offensichtlich auch zentralere Schaltstellen den Schmerz mitverursachen.

Soweit ich (J.W.) informiert bin, hat eine solche oder ähnliche Studie in deutschen Zahnkliniken noch nicht stattgefunden.

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