Formokresol im Kindermund ist besser als Calciumhydroxyd

Prof. Dr. Hickels Münchner Mannschaft (Unizahnklinik) hat 2005 eine bemerkenswerte Studie mit 200 echten Milchzähnen in 107 Kindermündern veröffentlicht. Es ging dabei um die Frage, wie man am besten eine durch kariöse Erweichung offene Pulpa (Zahnnerv) versorgt. Die Standardbehandlung ist zur Zeit die sogenannte Pulpotomie, also die Entfernung des größeren Anteils des Zahnnervs bis zu den Kanaleingängen. Welches Material oder Verfahren sollte man dann auf die Restteile des Zahnnerven anwenden? Zur Auswahl stehen:

  1. Formokresol (1:5 Buckley Lösung)
  2. Er:YAG Laser
  3. Eisensulfat 15%
  4. Calcium Hydroxyd (CaOH)

Ergebnis: Die folgenden Angaben sind die Prozentzahlen des röntgenologischen Erfolgs gefolgt von den klinischen (Schmerzfreiheit) Erfolgen in Klammern.

  1. Formocresol 96 (100)
  2. Laser 93 (98)
  3. Eisen sulfate 86 (100)
  4. Calcium hydroxide 86 (95)

Kommentar: Im Röntgenbild ist Formokresol eindeutig sicherer als Calciumhydroxyd. Das bedeutet, dass die Phenolchemie effektiver im Killen von Bakterien ist als die Kalkmischung. Das an sich ist nichts Neues. Gleiches wissen wir von der Desinfektion von Wurzelkanälen durch CHKM und CaOH. Auch da ist das phenolische Mittel dem Kalk eindeutig überlegen.Neu ist dagegen, dass eine deutsche Universität gegen den allgemeinen Öko- und Antichemietrend in der deutschen Gesellschaft die Tatsachen zurechtrückt. Bachblüten und und ökologische Wunschvorstellungen sind im infizierten Milchmolaren einfach fehl am Platz.

2 Replies to “Formokresol im Kindermund ist besser als Calciumhydroxyd”

  1. sehr informativ
    Sehr guter Beitrag! Bei meinem Sohn wurde auch eine Pulpotomie durchgefuehrt (mit Formokresol undiluted). Etwas Bedenken habe ich schon wegen des Formokresols aber in den USA ist das ganz normal, dieses Mittel zu verwenden (sogar unverduennt).

    1. Danke Inka, in den USA und vielen englisch sprechenden Ländern (England und Australien z.B.) trifft man die typisch deutschen Bedenken gegen JEDE Art von Chemieeinsatz auch seltener an. Das hat viel mit der Geschichte zu tun, nicht zuletzt mit dem GröFaz im 2. Weltkrieg, der nach außen hin für die Kräutermedizin, für die Homöopathie war, die Schulmedizin nicht unterstützte, der sich aber, wegen seiner ständig schwächelnden Konstitution, trotzdem – also praktisch unter dem Ladentisch – fortlaufend zweifelhafte Lösungen spritzen ließ. Bis heute fehlt die intellektuelle Auseinandersetzung vieler Mitbürger dieses Landes mit diesem Abteil der braunen Vergangenheit. Viele Grüße Joachim Wagner

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