Angststörung verändert Wahrnehmung

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Die Frau, ca. 60 Jahre, erhielt vor 1 Jahr eine Brücke rechts unten. Heute erscheint die Patientin mit sichtlich aufgebrachter Verhaltensweisen, was sich bereits in der Aufregung des Personals beim Entgegennehmen der Versichertenkarte am Tresen äußert. „Sie hat Probleme mit der Brücke …“ bekomme ich zugeflüstert.

Auf meine Frage, was ich denn tun könne, platzt sie heraus, sie sei mit der Brücke nicht zufrieden. Außerdem sei da was abgeplatzt. Frage: „Haben Sie Schmerzen“, Antwort: „Seit genau einer Woche knackt es beim Kauen im linken Kiefergelenk, und das ist sehr unangenehm“. Die fällige 01 (Routinekontrolle) wäre fast unter den Tisch gefallen, aber aus meiner Erfahrung mit angstgestörten Patienten weiß ich, dass die Erfassung der ganz normalen Erkrankungen des Kauorgans geradezu systematisch sabotiert werden durch den erregten Vortrag dieser Patienten.

Dabei zeigt sich ein unübersehbarer Ringsumdefekt an der Krone 21. Die Patientin erklärt sofort, dass sie das wüßte, aber keine Behandlung wünsche. Aha. An der Brücke rechts unten findet sich auch beim besten Willen keine Abplatzung und es stellt sich beim Besprechen
heraus, dass die Patientin:

  • keine Schmerzen dort hat und hatte
  • sie das Essen unter der Freischwebekonstruktion 46 – die damals aus Kostengründen in Metall gewählt wurde – stört
  • die Brücke für zu niedrig hält – optisch fügt sie hinzu
  • sie von früheren Behandlern weiß, dass der Biss auf einer zu niedrigen Brücke rechts daran schuld sein kann, dass auf der Gegenseite Schmerzen im Kiefergelenk passieren können.

Wie komme ich nun dazu, zu behaupten, dass diese Patientin in erster Linie eine Störung hat, weniger ein Zahn/Kieferproblem? Es sind diese typischen Anzeichen:

  1. auf den konkreten Schmerzpegel im Kiefergelenk auf einer numerischen Skala von 0 bis 10 befragt, antwortet die Patientin ausweichend. Das tut kein einziger Neuropathie-Patient, denn deren Hauptproblem ist wirklich der Schmerz.
  2. den konkret sichtbaren Behandlungsbedarf direkt vor der Nase hält die Patientin für unwichtig, was angesichts des angefertigten Röntgenbilds (Krone hält nur noch an einem dünnen Metallstift) alles andere als vernünftig ist,
  3. die Patientin versucht mich als Behandler auf das Glatteis einer „fehlerhaften Bisslage“ zu bringen. „Probieren Sie doch mal dieses Farbpapier, dann sehen Sie …“
  4. sie die Untersuchung des ganzen Mundes fast verhindert hat durch das Insistieren auf die Beschwerden und ihren Auftritt insgesamt.
  5. „Gnathologische Vorkenntnisse“ besitzt, die sie nicht ganz ungeschickt in die Gesamtvorstellung einwebt.

Wir haben uns auf das Anfertigen einer Schiene verständigt. Die Patientin ist aber aufgeklärt, dass a) die Schiene ihre Beschwerden wahrscheinlich genauso langsam oder schnell wie die Spontanheilung veringern wird und b) der Zahn 21 irgendwann unrettbar verloren ist. Ich setze auf eine Langzeitwirkung der Worte. 29.05.2008 Wie zu erwarten war, ist die Patientin nicht mehr zu einer Behandlung erschienen, weder ihres Gelenkknackens, noch des abgebildeten Frontzahnproblems. Ihre beiden erwachsenen Töchter sind bezeichnenderweise mit ihren eigenen Kindern weiterhin in meiner Behandlung und auch wieder hier gesehen worden. Offensichtlich teilen sie die Ansichten ihrer Mutter nicht so ganz.

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