Schützenhilfe von unerwarteter Stelle: Marxkors rudert bei Okklusion zurück

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Auch ich lese ein Buch. Es ist von Prof. em. Dr. Reinhard Marxkors, Verfasser vieler Fachbücher in der zahnärztlichen Prothetik. Dieser hat 1998 in einem seiner wahrscheinlich letzten Werke „Unklare Kiefer- Gesichtsbeschwerden“ bemerkenswerte Sätze im Kapitel „Okklusion“ geschrieben:

Im hervorgehobenen grauen Kasten auf Seite 150 steht: „Die Unsicherheit ist keineswegs dadurch geringer geworden, dass man erkennen musste, dass manchen Patienten mit unklaren Gesichtsschmerzen über die Okklusion nicht beizukommen ist, nicht geholfen werden kann. Es bedeutete einen entscheidenden Schritt vorwärts, als man erkannte, dass einerseits keineswegs alle Patienten, bei denen okklusale Störungen vorliegen, Dysfunktionssymptome oder gar Schmerzen entwickeln und dass sich andererseits auch bei Patienten mit störungsfreien Okklusionen sehr wohl Dysfunktionssyndrome einstellen können.

Diese Erkenntnisse sind nichts weniger als das Eingeständnis, keine Ahnung zu haben, warum besonders Frauen an hartnäckigen chronischen Schmerzen im Gesicht und Kiefer leiden. Es ehrt den emeritierten (aus dem Berufsleben ausgeschiedenen) Professor Marxkors, sich soweit aus der Deckung gewagt zu haben, das zuzugeben. Solche Worte ist man von der Akademikerseite im Zusammenhang mit der Okklusion nicht gewöhnt.

Das sieht es düsterer aus. Beispiele:

  1. Prof. Dr. Graf, Jena, Gutachter einer Doktorarbeit aus 2002, läßt diesen Passus des Doktoranden durchgehen: „Mit den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit kann Auffassungen, insbesondere aus dem anglo-amerikanischen Schrifttum, entgegengetreten werden, wonach die Okklusion für die Entstehung und Unterhaltung funktioneller Störungen nicht ursächlich sei.“
  2. Prof. Dr. Meyer, Greifswald als Gutachter einer Doktorarbeit 2002 läßt die Doktorandin mit echtem und Placebo-Magnetfeld am Kiefergelenk von schmerzbehafteten Patienten arbeiten. Heraus kommt, dass die Placebo-Behandlung effektiver ist.
  3. Prof. Dr. Witt, Würzburg, 1. Referent einer 2005 Doktorarbeit beauftragt seinen Doktoranten, eine relativ unwichtige Cadiax Gesichtsbogenapparatur mit KFO behandelten Zahnmedizinstudenten durchzumessen. Heraus kommt dieser denkwürdige Satz: „Abschließend kann also gesagt werden, dass die kieferorthopädische, und kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Therapie, wie sie an der Zahn-, Mund-, und Kieferklinik der Universität Würzburg durchgeführt wird, eine optimale Funktion des Kiefergelenkes ermöglicht. —– einer geht noch:
  4. Prof. Dr. H. Jakstat, Berlin in seiner Eigenschaft als 2. Gutachter beauftragt den Doktorand in einer 2005er Arbeit zur „Morphometrische Vermessungen von MRT-Aufnahmen des Kiefergelenks“. Dabei soll herausgekommen sein, dass „eine präzisere Beurteilung der für die Therapie entscheidenden Strukturen und eine genauere Klassifikation von Kiefergelenksveränderungen als die klinische Untersuchung. Damit spielt sie eine große Rolle bei der Entscheidung, ob die Erkrankung eher konservativ oder chirurgisch behandelt werden soll. „

Fazit: Mit einer rühmlichen Ausnahme,  haben sie den Knall noch nicht gehört.

One Reply to “Schützenhilfe von unerwarteter Stelle: Marxkors rudert bei Okklusion zurück”

  1. Hallo Herr Kollege,

    was Sie so herauslesen. Der Marxkors hat sich zu Frauen überhaupt nicht geäußert.
    Und das bei Frauen viele Sachen anders laufen als bei Männern ist ja wohl ein alter Hut. Vielleicht sind es dann diese Unterschiede z.B. im Hormonsystem, im Stoffwechsel, in der Psyche, im Aufbau des Gehirns, in der
    Signalverarbeitung, im Zustand des z.B. Bindegewebes usw., usw. die zu dieser „Bevorzugung“ der Frauen bei Schmerzen führen.
    Was das Placebo-Magnetfeld damit zu tun hat oder auch nicht, ist hier aus dem Zusammenhang völlig unverständlich.

    Mit freundlichen Grüßen J.Heinemann

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