Kompromiss Buch von Dr. H. Schrenker

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Im Juni ist Büchermonat. Frisch gelesen habe ich „Kompromisse und Grenzen in der Prothetik“ von Dr. H. Schrenker, Spitta Verlag, 2003.

 Der Vorteil des Buches ist, dass man es als Langsamleser in einem Tag abhaken kann. Es ist reichhaltig bebildert und läßt ordentlich Platz für eigene Anmerkungen. Sachlich ist die dargebotene Auseinandersetzung mit dem Stoff erstaunlich theoretisch.

Beispiel: Bild 20: die Verblockung und die extrakoronale Lage des Ceka Ankers führen …schnell zu parodontalen Schäden. Das kann man jetzt glauben oder auch nicht. Der Autor spult hier ganz offensichtlich sein Lehrbuchwissen ab, denn es fehlt jeder Hinweis, wie diese Behauptung bewiesen werden könnte. Abteilung Beweise: Zwar hat das Buch ein Literaturverzeichnis. Schaut man da aber hinein, handelt es sich um die Aufzählung einer mittelprächtigen Lehrbuchsammlung, die jeder cand.med.dent. irgendwann kaufen durfte.

Beispiel Seite 133 mit einem Fallbeispiel „Unklare Beschwerden im Gesichtsbereich mit einer Abbildung der Patientin“. 2 Seiten später sieht man auf der OPG Aufnahme 100% wurzelbehandelte Zähne rechts und links, dazu fehlen auf der rechten Seite bereits 5 Backenzähne bei der damals 28-jährigen Patientin. Ohne weitere Worte ist schon ziemlich klar, was für eine Krankheit hier wahrscheinlich vorliegt: Phantomschmerzen. Davon ahnt unser Kollege aus Würzburg leider überhaupt nichts. Also eiert er mit der Diagnose „nicht primär dentogene, sondern myogen-arthrogene Natur der Schmerzen“ zuzüglich eines „Kompressionsgelenkes“ herum. Das soll dann mit Schiene und – wer hätte es gedacht – prothetischer Neuversorgung zum „befriedigenden Ergebnis“ gebracht worden sein. Na dann geht es ja.

Um den Sack zuzubinden: nachdem ich das Buch durch hatte, entdeckte ich Hinweise auf die Biografie des Autors. Herr H. Schrenker ist Jahrgang 1965, hat in Würzburg studiert, war von 1998 bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Prothetik Würzburg und schreibt 2002 -2003 seine Memoiren. Noch Fragen?

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