Überempfindliches Dentin unterscheidet sich nicht von normalempfindlichen

Dr. M. Ommerborn und Dr. W. Raab schreiben im Kapitel „Odontalgie“ des Buches „Gesichts- und Kieferschmerzen aus interdisziplinärer Sicht“, Springer Verlag 2006, auf Seite 57:

Fazit
Man kann also nach dem heutigen Stand davon ausgehen, dass der empfindliche Zahnhals nicht nur Folge und Ausdruck eröffneter Dentinkanälchen ist, sondern dass es sich hier um ein Geschehen mit unterschiedlichen Reaktionsmechanismen handelt. Hierzu gehören entzündliche lokale Veränderungen, Nerve sprouting und periphere Nozizeptorensensibilisierung. Bis heute konnte noch kein Nachweis erbracht werden, dass sich überempfindliches Dentin sowohl in struktureller als auch physiologischer Hinsicht von gesundem Dentin unterscheidet. —- Zitat Ende —

Die Kollegen zitieren dazu eine wissenschaftliche Arbeit von Yoshiyama von 1990 und die älteren Forschungen von Brännström bis 1986. Was kann man daraus entnehmen?

  • Die Creme de la Creme der deutschen interdisziplinären Schmerzwissenschaftler weiss nicht, warum empfindliches Dentin sooo empfindlich ist
  • Die Erklärungslücke ist so alt wie die Zahnmedizin, die Schmerzen der darunter Leidenden sind stark, aber so gut wie kein Wissenschaftler kümmert sich darum. Implantate sind offenbar wichtiger und interessanter.
  • Es fällt auch den Fachbuchleuten nicht auf, dass sie immer eine wichtige Quelle für Schmerzen übersehen: die Schmerzverarbeitung, und damit sind alle Nervanteile und leitungen ab dem ersten Schmerzempfänger bis zum Bewußtsein gemeint.

Was heißt das für den Praktiker bzw. den Patient? Es wird noch eine längere Weile dauern, bis die Bedeutung der Signalübertragung für die Schmerzmenge endlich angemessen gewürdigt wird.
Frage der Logik: Wie wahrscheinlich ist es, dass 100% aller Schmerzen im Gesichts/Kieferbereich ausschließlich von den Organen (Haut, Muskel, Knochen …) ausgehen? Antwort: Unwahrscheinlich. Frage: und warum glaubt es dann doch jeder?

Kommentar verfassen