Ether a gogo bei der Drosophila melanogaster

Auch die Pharmaunternehmen Bristol Myers Squibb und GlaxoSmithkline haben sie entdeckt: die Kaliumkanäle. Als Zielpunkte für die neuesten Substanzen aus ihren Laboren. Es geht um das Einsatzgebiet

  • Fibromyalgie
  • Migräne
  •  chronische Schmerzen
  •  neuropathische Schmerzen
  •  Antiepileptika

Angefangen hat alles 1944 in "CATSCH A, ., 0. PETERa,n d P. WELT, 1944. Vergleich der Chromosomen-mutation auslösenden Wirkung von Röntgenstrahlen und schnellen Neutronen bei Drosophila melanogaster. Naturwissenschaften 32 : 230-231." Die deutschen Forscher haben während des 2. Weltkriegs Mutanten der Fruchtfliege im Labor hergestellt. Einige dieser genetisch veränderten Tiere hatten merkwürdige Eigenschaften: unter Äthereinfluss tanzten die Fliegen im Gegensatz zu ihren Artgenossen aus der freien Wildbahn. Herr Catsch benannte die Tiere "Shaker" (= deutsch "Zitterer"), weil seit 1936 von "Luers, H. (1936). Shaker, eine erbliche Bewegungsstorung bei Drosophila funebris., Z. indukt. Abstamm.- u. VererbLehre : 119–126" eine sehr ähnliche Krankheit bekannt war. Schon 1944 konnten die Forscher zeigen, dass das zuständige dominante Gen auf dem Ort 58 des X-Chromosoms liegen muss.

1969 haben William Kaplan und William Trout in Californien die Arbeit aufgegriffen und gezeigt, dass mehr als ein Typ dieser Mutanten existiert. Zum Shaker kamen u.a. der selbstbenannte Typ "Ether a gogo" (EAG) hinzu, der kein Zittern, sondern eine Art Tanzbewegung aufführte. (Nebenbei: in der 69er Arbeit werden noch 2 deutsche Forscher mit deutschen Titeln zitiert. Offensichtlich hatte man in Californien damals auch deutsche Leute dabei.)

Wie ist das Verhalten der Fliegen zu erklären? Zuerst die kurze Version: Die Röntgenstrahlen verändern bestimmte Bereiche des Erbgutes so, dass in den Muskelzellen der Tiere ein Kaliumkanal nicht mehr funktioniert. Das führt in speziellen Situationen (Ätherdunst) zum Dauerfunken der Nerv/Muskel Signalleitung.

Wir wissen heute, dass es verschiedene Kalium-Kanal-Typen auch in menschlichen Körperzellen gibt. Bis heute heißt eine derartige Typklasse immer noch EAG (von "Ether a gogo"), weil sie über den Tanz der Fruchtfliege entdeckt wurde. Die Wichtigkeit der Kaliumkanäle kann man schon daran erkennen, dass der Körper den Kaliumspiegel im Blut auf einem ganz bestimmten Konzentrationspegel hält (3,3 bis 5,5 mmol/l) und starke Abweichungen davon, z.B. durch Nierenversagen, schnell lebensbedrohlich werden.

Wozu ist das im Zusammenhang mit Schmerzen wichtig? In den letzten 5 Jahren mehren sich die Beweise, dass kleine Fehler an Kaliumkanälen weitreichende Auswirkungen bei chronischen Schmerzen haben. Darum werden die Kaliumkanäle auf zahnfilm.de in Kürze intensiv beleuchtet.

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