Alternative Leitlinienarbeit zu Stellungnahmen der DGZMK

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Die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen sogenannte “Stellungnahmen” zu einzelnen zahnmedizinischen Fachfragen. Zuletzt geschehen ist das im August 2007 zum Thema “Behandlung endodontischer Schmerzfälle”, Quelle “Zahnärztliche Mitteilungen” vom 16.08.2007. Diese “Stellungnahmen” haben zur Zeit praktisch amtlichen Charakter und sind auch in der Rechtssprechung von großer Bedeutung bei der Entscheidung von Sachfragen. Denn es gibt in der deutschen Zahnmedizin – im Gegensatz zur Humanmedizin – kaum sogenannte Leitlinien.

 Bei Leitlinien handelt es sich um konkrete Diagnose- und Behandlungsempfehlungen, die von einem speziell dafür zusammengesetzten Fachgremium auf der Grundlage von kritisch gesichteten wissenschaftlichen Beweisen beschlossen werden. Natürlich braucht es dafür ausreichende wissenschaftliche Grundlagen, insbesondere hochwertige klinische Multicenterstudien, die in der Mehrheit eindeutige Ergebnisse gezeigt haben. Auf dieser Basis stehen heute viele medizinische Routinebehandlungen wie z.B. bei Bluthochdruck oder Zustand nach Thrombosen.

Leider gibt es in der Zahnmedizin für viele Routinebehandlungen immer noch keine guten klinischen Studien. Z.B. ist die Datengrundlage für die Entfernung von Weisheitszähnen sehr mager und die 2 oder 3 einzigen klinischen Studien, die sich tatsächlich mit echten randomisierten (zufallsausgewählten) Weisheitszahnbehandlungen beschäftigen, sind alles andere als ermutigend für die traditionelle Befundung und Therapie. Wir haben immer noch große Lücken in unserem gesicherten Wissen. Die DGZMK begibt sich darum bei ihren Stellungnahmen des öfteren auf wissenschaftliches Glatteis, einfach deshalb, weil es schlichtweg keine klinischen Studien gibt, die die Sachfrage eindeutig klären würde.

Im konkreten Fall der endodontischen Schmerzfälle gibt es tatsächlich keine klaren Beweise für oder gegen die Wirksamkeit der angesprochenen Substanzen Ca-OH (Kalk) und CHKM (Chlorkampfermenthol) in wirklichen Zähnen von lebenden Patienten. Deshalb hat sich jetzt eine Arbeitsgruppe um Dr. Michael Logies, Wallenhorst gebildet, die sich an die Arbeit machen will, die sogenannten “Stellungnahmen” auf wissenschaftlichen sichereren Boden zu bugsieren und daraus eventuell Leitlinien zu entwickeln. Details sind hier zu finden www.zmk-leitlinien.de und www.zmk-wiki.de.

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