In Berlin macht das Bohren auf Kasse keinen Spaß

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Der sogenannte Honorarverteilungsmaßstab (HVM) der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Berlin für 2007 ist ein Drama für die Kollegen/innen dort. Er läuft darauf hinaus, dass viele zahnärztliche Leistungen mit weniger als der Hälfte dessen bezahlt werden, was hier im „goldenen“ Westen (KZV Nordrhein, Düsseldorf) dafür an die Behandler überwiesen wird.

Was ist da los? Berlin ist die Stadt, die Jahrzehnte von Bonn aus mit Milliarden-Subventionen gefüttert wurde. Das leichte Geld hat ihr nicht gut getan. Gewerbliche Arbeitsplätze sind Mangelware, die Arbeitslosigkeit liegt erheblich über dem Bundesschnitt und das abartig große Beamtenheer führt zu unfassbaren Defiziten in der Staatskasse. Es ist also kein Wunder, dass den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Berlin trotz heftigster Subventionierung aus dem Risikostrukturausgleich immer eines fehlt: Geld. Und das, obwohl z.B. die Techniker Krankenkasse mit überwiegend Mitgliedern im Westen bis zu 50% ihrer Beitragseinnahmen dahin abliefern muss.

Das ist der Hintergrund: die GKVen in Berlin haben zuwenig Beitragseinnahmen, gleichzeitig aber viele (umsonst) mitversicherte Familienangehörige, die Ausgaben verursachen. Dazu kommt die hohe (Zahn)Ärztedichte, die die Ausgaben pro Mitglied auch nicht verbessert. Der Gesetzgeber will es nun, dass die Beitragssätze der Krankenkassen nicht weiter gesteigert werden dürfen, also führt kein Weg an einer Rationierung des Geldes der Krankenkassen vorbei. Damit leben die Ärzte in Berlin schon lange und die Zahnärzte sind seit einigen Jahren auch dabei: Kürzungen bis zu mehr als 50%. Das Kleingedruckte im aktuellen HVM der KZV Berlin sieht vor:

  • dass ein sogenannter Basisgrenzwert in Punkten pro Fall (Patient) festgelegt wird, der sich aus dem Durchschnitt des Jahres 1996 (!) ergibt.
  • Dieser Wert wird dann mit Zu- oder Abschlägen versehen, die davon abhängen, wieviele Scheine (Patienten pro Quartal) die Praxis insgesamt an die KZV abliefert. Praxen, die weniger als 130 Scheine haben, werden mit Zuschlägen „belohnt“, alle darüber bekommen Abschläge. Ab dem 541. Schein im Quartal beträgt der Abschlag 50%.
  • Der so errechnete Praxisgrenzwert (Scheine mal Basisgrenzwert + /- Abschlag) wird dann tatsächlich auch ausbezahlt, erbringt die Praxis aber mehr Punkte an ihren Patienten, als laut Durchschnitt 1996 vorgesehen, dann werden diese „Überpunkte“ mit saftigen Abschlägen bis zu 80% (!) bestraft.

Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass die Kollegen/innen in der Bundeshauptstadt im Durchschnitt jede Behandlung mit weniger als 70% des Preises im Westen erbringen müssen. Und dass Mehrarbeit am einzelnen Patienten extrem bestraft wird.
Und jetzt wundern sich doch tatsächlich noch Politiker, dass aufwändige Wurzelbehandlungen immer weniger „auf Kasse“ angeboten werden?

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