Mann mit hochempfindlichen Zähnen nach Weisheitszahnentfernung

Lesen Sie auch einen Beitrag in einem Patientenforum dazu. Ein sehr interessanter Fall war heute in der Sprechstunde: ein männlicher Patient, 37 Jahre alt, mit fast Null Zahnschmerzerfahrung mußte sich einer Weisheitszahn Entfernung unterziehen. Er erhielt deshalb von uns eine Überweisung zum Kieferchirurgen. Am Dienstag 9.10.2007 entfernte der Kollege Dr.Dr. S. den Zahn 48. Offensichtlich hatte auch der sehr geübte Mann leichte Probleme, den Zahn auszubauen; 30 Minuten hat es gedauert mit mehrfacher Durchtrennung der Zahnkrone, was für diesen Chirurgen recht lange ist. Heute erscheint der Patient mit erheblichen Zahnschmerzen in der Gegend des 48. Der Schmerzverlauf war folgender: direkt nach Nachlassen der Anästhesie am Extraktionstag war der Schmerz ungefähr VAS 7 von 10 (auf der VAS Schmerzskala, die von 0 bis 10 reicht). Dafür erhielt er Ibuprofen 400mg, die auch einigermaßen für ca. 4 Stunden halfen. Vom Dienstag bis zum Freitag verringerte sich der Schmerz merklich. Aber seit Freitag tut es wieder stärker weh, gestern (am Sonntag 14.10.07) waren es in der Spitze wieder VAS 7 von 10. Und jetzt kommt der interessante Teil. Die Schmerzen waren:

  • mit Ibuprofen fast nicht mehr beeinflussbar
  • nachts erstaunlicherweise weg, bzw. der Patient konnte gut schlafen
  • führten dazu, dass alle Seitenzähne im Unterkiefer seitdem ganz stark kälteempfindlich sind.

Wie kann das interpretiert werden? Der Schmerz am Dienstag 09.10.07 war ein normaler Wundschmerz, was daran zu erkennen ist, dass der im Laufe von 4 Tagen fast verschwindet und gut auf Schmerzmittel reagiert. Der neue Schmerz hat damit nichts mehr zu tun. Dabei handelt es sich um etwas völlig anderes. Das ist ein Phantomschmerz, denn er hat die klassischen Anzeichen: Schmerzmittel helfen nicht, nachts ist der Schlaf nicht beeinträchtigt, und die Umgebung der Baustelle ist hochgradig empfindlich. Mit anderen Worten: dieser Schmerz stammt ausschließlich von einer gewaltigen Veränderung der Empfindlichkeit des Trigeminus und nicht von der Wunde.

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