Das ist unerlaubte Körperverletzung

 Lesen Sie auch die Artikel Bohren oder nicht Bohren – Prof. Dr. Nyvad hat neue Ideen und  Kollagen wird zwischen Hybridschicht und Dentin zerstört   aus der Rubrik Welches Füllungsmaterial

 


Vorher sah der Zahn 14 so aus und dann

 

bohrte Herr Füllungsmeister dieses Loch in den Zahn. Aus mindestens 4 Gründen ist das Vorgehen unakeptabel:

  1. die Form des Bohrlochs zeigt eindeutig, dass es mit der angeblichen Karies nicht wirklich dringend gewesen sein kann. Wer täglich Karies mit dem Hand-Exkavator entfernt, weiß ganz genau, dass die hier gezeigte Form ausschließlich mit einer diamantbesetzten Fräse in gesunde Substanz reingeschliffen worden sein kann.
  2. Die Bohrung hier war dazu überwiegend (min. 2/3) im Schmelz und weniger (max 1/3) im Dentin. Reale Karies breitet sich ausgehend von einem kleinen Kanal im Schmelz viel schneller im Dentin aus. Eine kariesbezogene Form hat also wenig Schmelzanteil, aber dafür viel Dentin.
  3. Dieser Behandler hat aus einem Schmelzdefekt in einer geschätzten Größe von maximal 2 mm Durchmesser (= 3,1 mm2) ein Großproblem mit mindestens 4 x 3 mm (=12 mm2) Ersatzoberfläche geschaffen. Anders ausgedrückt: vorher war ein Schmelzrand von ca 6 mm Länge vorhanden, jetzt sind es plötzlich 14 mm. Die Gefahr von Sekundärkaries ist mindestens proportional zur Länge des Ersatz/Schmelz Übergangs.
  4. Wenn der Patient auch nur etwas knirscht, dann fliegt die Füllung aus dieser schwachsinnigen Untertassen-Form schneller heraus, als der Bohrstratege sie wieder hineinbekommt. Es gibt keinen vernünftigen Grund auf Makroretentionen zu verzichten, schon gar nicht, wenn der Zahn vorher fast jungfräulich war. Wer jetzt mit dem Argument kommt, dass Kunststoff ja „adhäsiv“ angeklebt wird, merkt auch sonst nicht viel.

Jetzt kommt der Clou: diese 2 Bilder finden sich in einem aktuellen Heft der Dentalindustrie  und sollen den Leser zum Nachahmen animieren. Natürlich geht es darum, den Verkauf von Komposit (Plastikfüllung) anzukurbeln. Dass sich immer ein Kollege findet, der derlei Unsinn in Mündern anrichtet und die (unerlaubte) Körperverletzung auch noch fotografisch festhält, wundert nicht. Für den „Fortschritt“ ist den Kollegen kein (Patienten)Opfer zu groß. Dass aber eine renommierte Firma solche Dinge als „Fortbildung“ getarnt in die bunten Blättchen mit einigem Geld hineindrückt, das läßt tief blicken.

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