Prof. Dr.- Endo – Hülsmann, Göttingen, nervt


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Unlängst hatte der Kollege Prof. Dr. M. Hülsmann seinen Feldtag (Amispeak für Reichsparteitag). Er hat per Veröffentlichung über die dpa und Springer Presse (Welt, Bild …, also ganz oben) verkünden lassen, dass laut seiner Statistik die Mehrzahl der deutschen Zahnärzte für die Wurzelbehandlung zu dumm oder nicht ausreichend motiviert sind. Konkret liest sich der Generalangriff so:


Göttingen – Zahnärzte in Deutschland machen jedes Jahr millionenfach Fehler bei der Therapie von kranken Zahnwurzeln. Das berichtet Professor Michael Hülsmann von der Göttinger Universitäts- Zahnklinik unter Berufung auf eine Studie.“In etwa der Hälfte der Fälle ist die Behandlung nicht optimal. Sie entspricht teilweise auch nicht den Standards“, so Hülsmann. 2006 seien über die Krankenkassen mehr als sieben Millionen Wurzelkanalbehandlungen abgerechnet worden. Die Erfolgsquote liege unter 50 Prozent. Diese Zahlen älterer Studien würden durch eine aktuelle Untersuchung an der Göttinger Uniklinik belegt. Die Göttinger Forscher haben für ihre Studie 200 Patienten untersucht, die sich nach Wurzelkanalbehandlungen durch andere Zahnärzte erstmals in der Klinik vorstellten. Das Resultat unterscheide sich kaum von den Ergebnissen älterer Untersuchungen, sagte Hülsmann: „Es sieht nicht nach dramatischen Verbesserungen aus.“ Die Erfolgsrate liege nahezu unverändert zwischen 40 und 50 Prozent. Würden die Zahnärzte optimal arbeiten, „könnte die Erfolgrate rund 90 Prozent betragen“.
Er wolle nicht von Pfusch sprechen, sagte Hülsmann. Aber die Behandlung sei vielfach nicht optimal. Ursache sei zumeist, dass Bakterien im Wurzelkanal zurück blieben. Dies habe zum Teil „anatomische Gründe“. Denn das Wurzelkanalsystem sei sehr komplex und sehr verzweigt. So könne es passieren, dass durch die „normalen Spülungen nicht alle Bakterien zu erwischen“ seien. Vielfach werde aber offenbar „nicht genügend oder nicht mit der richtigen Lösung gespült“. In anderen Fällen würden die Wurzelkanäle nicht richtig präpariert. ….


Der unbeteiligte Beobachter von Außen könnte jetzt leicht denken, alle Achtung vor dem Herrn Professor, der sich hier in die Nesseln setzt und den Kollegen den Spiegel hinhält. Endlich eine Krähe, die der anderen Krähe die Augen …. Stimmt nur leider nicht so ganz. Dazu muss man nämlich den Hintergrund kennen.

  • Seit Jahren wollen Hülsmann und die damit verbundenen Endo-Seilschaften ein Behandlungsmonopol für das Zahninnere für sich erreichen.
  • Am liebsten auf reiner Privatbasis.
  • Am liebsten in Wunschgrößenordnungen von 1.000 Euro pro Zahn

Dafür veranstalten die Herren Endodontologen-Spezialzahnärzte nicht nur seit Jahren Seminare und Kongresse auch auf internationaler Ebene, nein inzwischen gibt es auch schon hier in Deutschland den Master (heißt wirklich so) Studiengang Endodontologie gegen ein kleines Entgelt von ungefähr 30.000 Euros. Und jetzt dürfen wir mal raten, wer a) als Dozent in solchen Studieneinrichtungen für den Endo-Masta aufläuft, und warum b) dpa und Springer justamente jetzt mit der Nachricht oben gefüttert wurde und c) was der kleine Allgemeinzahnmediziner in Zukunft von der Akademikerseite als Unterstützung Richtung Wurzelbehandlung zu erwarten hat.

Gibt es dazu noch Fragen? Wohl kaum.

Der BVAZ (Berufsverband der AllgemeinZahnärzte) ist diesem Treiben zu Recht scharf entgegen getreten. So läuft das nicht. Es geht nicht an, dass wir Praktiker uns für unsere Arbeit an der Basis mit den Millionen von Wurzelfüllungen auf Kasse auch noch in die Pfanne hauen lassen müssen, uns erklären lassen müssen, was wir alles falsch machen. Die Pfeifen, die sich selber die Rosinen herauspicken und im Traum nicht daran denken, ihr Operationsmikroskop in den Dienst des einfachen Volkes zu stellen, haben einfach nicht das Recht, das Fehlen von „amazing shapes“ oder das Vorliegen von „Zips“ zu bemäkeln. Im Gegenteil, der Spieß gehört umgedreht. Das sind die Fragen an die „Endodonto-Hardcore-Fraktionisten“

  1. Es gibt alternative erfolgreiche Protokolle z.B. Knappwost, Walkhoff. Die sind billiger, einfacher und soweit zu überblicken genauso sicher. Warum wird da nicht geforscht?
  2. Wo ist die Preisrechtfertigung / Existenzberechtigung von teurer WF gegen günstige Implantate?
  3. Was ist bei hartnäckigen Schmerzfällen?
  4. Gibt es so etwas wie eine soziale Verantwortung der Endodontos in Richtung Honorare die noch irgendwie von dieser Welt sind?

4 Replies to “Prof. Dr.- Endo – Hülsmann, Göttingen, nervt”

  1. Prof. Hülsmann hat wohl recht
    Anlässlich einer Strahlentherapie im MKG-Bereich bekam ich heftige Zahnschmerzen im re. Unterkiefer. Nach röntgen des re. Unterkiefers stellte sich dann schnell heraus, dass eine nicht ordnungsgemässe bzw. ausreichende Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 47 die Ursache war. Der Zahn war beherdet. Jahre zuvor wurde der Zahn bereits von zwei Zahnärzten behandelt. Der hervorragenden Behandlung durch Prof. Hülsmann habe ich es zu verdanken, dass ich jetzt beschwerdefrei bin und meinen Zahn behalten habe. Zwei zuvor konsultierte Kieferorthopäden bzw. Zahnärzte wollten den Zahn sofort ziehen und empfahlen mir die anschließende Versorgung mit einem Implantat. Eine andere Behandlungsmethode sei nicht empfehlenswert und brächte keinen Erfolg. Abgesehen vom Aufwand, wäre das Ziehen des Zahnes und die Versorgung mit einem Implantat, wohl sicher um ein vielfaches teurer geworden, als die von Prof. Hülsmann durchgeführte Revision und Behandlung der Wurzelkanäle des Zahnes.

  2. Vielen Dank Herr Krings für Ihren Kommentar. Ich bin weit davon entfernt Prof Dr. Hülsmann persönlich angreifen zu wollen – und ganz sicher nicht die Art und Weise seiner Wurzelbehandlung. Es erstaunt mich dazu, zu hören, dass ein Implantat (bei mir zur Zeit etwa 700 Euro) "um ein Vielfaches teurer geworden wäre" als die von Prof. Hülsmann durchgeführte Revision am 47. Mir geht es im Artikel auch eher um die implizite Verurteilung meiner Sorte von Zahnarzt: den Kassen"Abschmier" Zahnärzten, die für etwa 200 Euro (1 mal Trep1, 3 mal WK, 3 mal Med, 3 mal WF) diese Revision der Wurzelkanalbehandlung vom Zahn 47 auf Kasse durchführen sollen und dabei eine Fehlerquote von 15% bis angeblich 50% produzieren. Und jetzt Hand auf’s Herz, Herr Krings, darf ich mal raten? Ihre Revision war zum Schluss doch 4-stellig (= mehr als 1.000 Euro) ? Viele Grüße Joachim Wagner

    1. Doch noch eine Antwort
      Hallo Herr Wagner, ganz sicher möchte ich jetzt hier keine endlose Diskussion führen. Aber diese kurze Antwort muss schon sein:
      Als Laie möchte ich mich keinesfalls in Ihre Probleme unter Kollegen einmischen. Mit meinem ersten Kommentar wollte ich nur aus Patientensicht bestätigen, was in in dem hier oben abgedruckten Ausschnitt des Artikels von Prof. Hülsmann geschrieben steht. Den ganzen Artikel kenne ich nicht und zumindest diesen Teil hier verstehe ich auch nicht als Generalangriff, sondern als die sachliche Schilderung eines anscheinend vorhandenen Problems.
      Ich muss leider meine Aussage vom 20.06.2010 wiederholen: Ein Implantat wäre sehr viel teurer geworden, als die Wurzelkanalbehandlung letztendlich war. Und da ich zwischenzeitlich eine Rechnung erhalten habe, kann ich Ihnen sagen, dass die Kosten für die Behandlung nicht im 4-stelligen Bereich lagen, sondern deutlich darunter. Und für eine Behandlungsdauer von ca. 4 Stunden in 3 Sitzungen und dem entsprechenden Aufwand, halte ich die Kosten durchaus für erträglich. Und ich will Ihnen hier der Vollständigkeit halber auch mitteilen, dass mir von den zuvor erwähnten beiden Kieferorthopäden bzw. Zahnärzten, ein Betrag von ca. 1.200 Euro für das Implantat genannt wurde. Daher war ich natürlich umso mehr erstaunt, als Sie den Betrag von 700 Euro nannten. Gibt es da evtl. deutliche Unterschiede bei der Qualität? Wie sonst ist ein so immenser Preisunterschied möglich?
      Viele Grüße
      MK

  3. RE: Prof. Dr.- Endo – Hülsmann, Göttingen, nervt
    Hallo Herr Wagner,
    habe eben diesen Artikel gefunden und fand es schade, daß sie auf den letzten Kommentar keine Antwort gegeben haben.
    Mich würde nur interessieren ob bei ihren erwähnten Honorar von 700 Euro für eine Implantatversorgung die Kalkulation für die Krone schon berücksichtigt wurde?
    Viele Grüße und schönes WE,
    Markus

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