Wissenschaft ist zum Unterpflügen da, meint die DGFDT

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Das deutsche Tätigkeitswort Knirschen bringen die Herren Prof. Dr. Wolfgang B. Freesmeyer, Berlin, Präsident der DGFDT, Dr. Wolf-Dieter Seeher, München, Vizepräsident der DGFDT und Privat Dozent Dr. Oliver Ahlers, Hamburg, Generalsekretär der DGFDT am liebsten nicht über ihre Lippen. Pressen und Knirschen mögen wohl bei richtigen Patienten vorkommen und für realen Schwund auch bei Implantatfällen sorgen, das kümmert aber die einschlägig bekannten Experten für CMD, was für „Cranio Mandibuläre Dysfunktion“ stehen soll, international besser bekannt unter TMD (Temporo Mandibular Disorder), recht wenig.

Die DGFDT beschäftigt sich lieber mit ihren alten Spielsachen: „Funktionsdiagnostik und -therapie“. Das steht schon in ihrem Namen DG = Deutsche Gesellschaft für FDT Funktionsdiagnostik und -therapie. Schön. Womit die Ziele des Unternehmens auch geklärt wären. Es geht also in dieser Tochtergesellschaft der DGZMK nicht etwa um wissenschaftlich anspruchsvolle Ziele wie die objektive Erforschung von unklaren Schmerzuständen im Gebiet um die Kiefergelenke herum. Darunter leidet ein kleiner aber konstanter Anteil der Bevölkerung, erstaunlicherweise immer im Verhältnis von 3,5 Frauen zu 1 Mann.

Nein, das will diese Gesellschaft nicht wissen. Sie will nicht wissen:

  • Dass außerhalb Deutschlands der Begriff CMD mehr oder weniger unbekannt ist
  • Warum der Schmerz so merkwürdig auf die Geschlechter verteilt ist.
  • Warum Kinder nicht darunter leiden und Menschen über 60 auch praktisch nicht.
  • Dass der Schmerz mit der Bewegung des Unterkiefers (der sogenannten Funktion) eher nur zufällig zusammenhängt, schärfer formuliert, dass Schmerz und Bewegung im Grunde genommen wenig miteinander zu tun haben.
  • Dass seit mehr als 10 Jahren kein ernstzunehmender Wissenschaftler außerhalb Deutschlands seinen Namen noch mit der Theorie von der Okklusion als krankheitsauslösende Ursache von CMD verbunden sehen möchte.
  • Warum eine strukturierte orientierende Untersuchung der Patienten auf Angststörungen sehr zielführend sein kann

Alles das ficht Freesmeyer, Seeher und Ahlers nicht an. Jetzt erst recht heißt die Devise. Die DZW titelt in der aktuellen Ausgabe „Auswirkungen des Okklusionsmusters auf das Kauverhalten nachweisbar“. Es geht um irgendein „Arbeitsgruppenergebnis“ von Dr. Lindler und Dr. Rues, Karlsruhe, die herausgefunden haben, dass die Okklusion das Kauverhalten beeinflußt – da muss man erst mal drauf kommen.

 Jedenfalls setzt der offenbar von der DGFDT in die DZW Feder diktierte Artikel fort: “ … Für die Diagnostik bedeutet dies, dass keinesfalls auf die Beurteilung der Okklusion verzichtet werden kann, auch wenn …   Dabei sind zunächst die klinische Funktionsanalyse und nach deren strukturierter Auswertung gegenbenenfalls instrumentelle und/oder bildgebende Untersuchungen indiziert ….“

= das heißt im Klartext: völlig egal was die ganze Welt zum Thema Okklusion und „Funktionsstörung“ meint, die Politbüro Mitglieder der DGFDT ziehen ihr Ding durch bis zum letzten Blutstropfen. Seit 1992 wissen wir u.a. von Prof. Dr. Samuel F. Dworkin und Dr. Linda LeResche unter dem Stichwort RDC/TMD, dass es durchaus andere – wichtigere – Gesichtspunkte bei der Beurteilung einer hartnäckigen Schmerzerkrankung im Bereich des äußeren Ohres gibt, z.B. Auffälligkeiten in der psychiatrischen Übersichtsbefundung, bei der sich gehäuft Angststörungen finden lassen.

Es ist wohl Zufall, dass unter dem Dach der DGZMK nun schon wieder ein Problemgebiet identifiziert werden kann? Zur Erinnerung: erst vor wenigen Wochen mußte die DGZMK bei der Frage nach der Notwendigkeit von Kofferdam in der Endodontie deutlich zurückrudern. Es war nicht in Ordnung, alle Niedergelassenen mit eingeschränktem Zeit- und Materialbudget mit einem Federstrich in die Illegalität zu befördern und vermittel auch jetzt noch den Geschmack einer Argumentation pro domo, also pro Endodontologen – Spezialistentum. Was sich die DGZMK jetzt mit ihrer Tochter DGFDT erlaubt, ist unterirdische Wissenschaft. Da fliegt jemand den Bomber blind – das könnte Unfälle verursachen.

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