Neuropathiker haben immer kälteüberempfindliche Nachbarzähne

Pfote

So sieht die Zeitkurve von Ratten aus, die in Höhe von L5 (Lendenwirbelsäule) eine Einschnürung des Wurzelnervs (DRG=Dorsal Root Ganglion) erhalten. Legt man deren Hinterpfote auf eine 18 Grad kalte Platte, ziehen die Ratten am Tag vor der OP (=BL) die Pfote 2 mal alle 5 Minuten weg, aber 3 Tage danach viel öfter, nämlich ca. 12 mal. Während des Experiments sind die Ratten bewußtlos, also geht es hier nur um die Empfindung der Temperatur. Dazu muss man wissen, dass die Bein/Fussnerven (N. Sciaticus) nicht nur von einer dorsalen Wurzel, also L5, sondern auch von höheren und niedrigeren Ebenen kommen.

Jetzt stellt sich aber die Frage, warum eigentlich wird durch die Verletzung eines Nervs an der Wirbelsäule eine solche Überempfindlichkeit auf Kälte ganz woanders ausgelöst? Die Antwort scheint die TRP Superfamilie zu sein. TRP steht für Transient Receptor Potential. Identifiziert wurden bisher TRPV1, TRPV2, TRPV3, TRPV4, TRPM8 (auch bekannt als CMR1), und TRPA1 (früher als ANKTM1). Unter diesen sind TRPA1 and TRPM8 als Kälte empfindliche Ionen Kanäle ausfindig gemacht worden. TRPM8 wird aktiviert durch Menthol und fallende Temperaturen von 25–28°C, TRPA1 dagegen spricht bei 17 C an, eine Temperatur, die auch für Menschen unangenehm ist.

Eine japanischen Arbeitsgruppe hat 2005 eine Serie von Experimenten an Ratten durchgeführt und schlüssig dargestellt, wie dieser Zusammenhang ungefähr aussieht:

  • Die Einschnürung des Nervs am DRG in Höhe von L5 verursacht eine Entzündung des DRG
  • Darauf reagiert das Nervgewebe mit einem Hochfahren der TRPA1 Produktion
  • Der eingeschnürte Nerv L5 bekommt davon zwar distal (in der Peripherie) nichts mit
  • Aber der darüberliegende L4 erhält das volle Maß
  • Über dessen Fasern laufen die Überempfindlichkeiten auf Kälte
  • Beweis1: nimmt man Knockout Ratten (Ratten, die kein TRPA1 Gen haben), gibt es keine Überempfindlichkeit
  • Beweis2: unterdrückt man mit immunologischen Methoden die Produktion von TRPA1, gibt es ebenfalls keine Überempfindlichkeit.

Kommentar: Vermutlich wird TRPA1 das Wort der Zahnmediziner der 10er Jahre werden.  Das ist mit einiger Wahrscheinlichkeit das Molekül, weswegen es die Abrechnungsposition „üZ“ (Überempfindlicher Zahn) oder die ewige Werbung für die beste Zahnpasta dagegen überhaupt gibt. TRPA1 ist gleichbedeutend mit Kälte und Schmerz im Zahn.

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