Prof. Gunnar Bergenholtz ist Zahnfilm.de Vordenker – leider schon emeritiert

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Ein alter Schwede ist er jetzt: Prof. emeritus (nicht mehr aktiv) Dr. Gunnar Bergenholtz. Und er gehört zu denen, die in der Zahnheilkunde auffallend wenig Unsinn gesagt und geschrieben haben, was – wie wir wissen – eben nicht selbstverständlich ist für die Lehrstuhlinhaber in der Zahnmedizin.

In Medline finden sich seine ersten wissenschaftlichen Werke in 1973, damals ging es schon um die Wurzelbehandlung und den Zustand an der Wurzelspitze danach. Dr. Bergenholtz möchte sich offenbar früh auf kleinen Bereich der Zahnheilkunde konzentrieren: was passiert der Pulpa (Zahnnerv) und dem umgebenden Gewebe beim Angriff von Mikrobiota (Bakterien)?

Seit Anfang der 70er Jahre hat er bereits einen Lehrstuhl an der zahnmedizinischen Hochschule von Göteborg in Schweden inne, den er dann über 30 Jahre als Endodontologe (zuständig für das Zahninnere) ausfüllt. Was den Mann von vielen seiner Artgenossen auch hierzulande unterscheidet ist: er geht sehr früh mit experimentellen Forschungen in die USA und gerät da an einen ganz bekannten Mann: C.F. Cox, Mister Bond sozusagen. Mit dem macht Bergenholtz in den 80er Jahren ganz wichtige Tierexperimente. U.a. was passiert, wenn man Primaten (Affen) Löcher in die Zähne schleift, die Zähne 2 Tage offen läßt, damit sich die Bakterien schön in die Dentinkanäle verteilen können und dann das ganze mit Kunststoff wieder zupappt? Und zwar in 2 Varianten: 1) mit Glutaraldehydhaltigem Bond und 2) mit Bond ohne Glutaraldehyd. Dann werden die Tiere nach einem festgelegtem Zeitschema (2 Tage, 10 Tage, 90 Tage) getötet und die Zähne mit Kiefer komplett in feine Scheiben geschnitten, um die genaue Auswirkung studieren zu können.
Das Ergebnis dieses Experiments lesen Sie entweder selbst, wenn Sie in Medline das Suchstichwort "bergenholtz g" eingeben, dann wird Ihnen diese recht flott präsentiert, oder Sie warten, bis ich die Studie hier vorstelle.

Wahrscheinlich spielt aber auch die personelle Führungsmannschaft in der schwedischen Zahnmedizin-Akademie der 80er Jahre eine wichtige Rolle. Da gab es einen Herrn J. Lindhe, selbst ein Vorausdenker und Impulsgeber im internationalen Rang, oder auch WJ Loesche, ein weiteres Schwergewicht in der Forschung der Zahnmedizin, das Schweden hervorgebracht hat. Mit beiden Forschern hat Bergenholtz wissenschaftliche Forschungen durchgeführt und veröffentlicht (1975,1978,1982).

Was der Nichtakademiker nicht weiß: wissenschaftliche Arbeiten sind nicht alle gleich. Da gibt es die Fleißarbeit in Geschichte der Medizin zur Erlangung der Doktorwürde. Die ist dick, und angeblich auch arbeitsintensiv, ansonsten aber ziemlich überflüssig. Die meisten Arbeiten sind halt Durchschnitt und klären Detailfragen nach dem Wunsch eines "Doktorvaters", ob dass dann so alles stimmt … Wirklich weiterführend sind in der Regel die Arbeiten, wo mehrere günstige Bedingungen zusammen kommen:

  • ein mit allen Wassern gewaschener Fachmann auf dem Gebiet ist dabei – er darf vieles kontrollieren, aber muss auch ganz neue Ideen zulassen können. Der Typ Vorgesetzte und Befehlsgeber in Form des älteren Professors, der nur seine Sicht der Dinge bestätigt haben will, soll es aber nicht sein, denn der würde die Ergebnisfindung erheblich stören, wenn nicht sogar verhindern.
  • ein junger unverbrauchter intelligenter Denker kommt dazu, und der will nicht nur eine dämliche Doktorarbeit schreiben und danach viel Geld erbohren, sondern hat selber Lust auf das Thema.
  • Geld ist für die Forschung da – auch für die experimentelle an Tieren und bremst zu Abwechslung mal eine vielversprechende Forscherkarriere nicht aus.
  • die bisher nicht geklärte Streitfrage kann durch das Experiment besser beurteilt werden

Was bei solchen Kombinationen herauskommt: Kunststoff-Füllungen mit garantiert null Bakterien drunter, ein Versuch mit speziellen Ratten, deren aufgeschliffene Pulpen (Zahnnerven) auch nach Wochen Tragezeit mit offener Pulpa (!) noch mit einer 99% sicheren Prognose nur leicht amputiert, aber nicht entfernt werden mußten. Hat Bergenholtz im Programm, versprochen.

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