Bergenholtz Endodontics 1 – Einführung

Prof. Dr. Gunnar Bergenholtz,
Department of Endodontology and Oral Diagnosis, Faculty of Odontology, The Sahlgrenska Academy at Göteborg University, Box 40530, Göteborg, Schweden

hat im Jahr 2004 in der Zeitschrift "Critical Reviews in Oral Biology & Medicine" zusammen mit dem US-amerikanischen Kollegen

Prof. Dr. L. Spångberg,
Department of Endodontology, School of Dental Medicine, University of Connecticut, Farmington, Connecticut, USA

einen kritischen Bericht des aktuellen Wissenstandes (englisch = "Review") unter dem Titel "CONTROVERSIES IN ENDODONTICS" veröffentlicht, der wegen seiner Weitsichtigkeit in vielen Punkten verdient, hier in Zahnfilm.de herausgehoben zu werden. Der Anfang soll gemacht werden mit der Übersetzung der "Introduction", eben der Einführung. So here we go:


Einführung

Beschädigungen der Pulpa (Zahnnerv) sind oft infektiös und die Behandlung umfasst einige schwierige Schritte, die darauf abzielen, die Infektion des Wurzelkanal Systems im Zahn zu verhindern. Von Anfang an beruhten die Behandlungsmethoden in der Wurzelbehandlung – wie in vielen anderen zahnmedizinischen Bereichen – auf Versuch und Irrtum. Erst in den letzten Jahrzehnten haben wir wissenschaftliche Methoden entwickelt, um zielgerichteter vorzugehen. Trotzdem sind wissenschaftliche Berichte über krankhafte Prozesse der Pulpa, insbesondere wie sie diagnostiziert und effektiv gemanagt werden können, relativ selten in der endodontischen (das Zahninnere betreffenden) Literatur anzutreffen.

Schaut man sich die vorhandenen Artikel in den wichtigsten endodontischen Journalen an, wird deutlich, dass technische Aspekte des Testens von Instrumenten und Füllungsmaterialien, häufig auch noch an extrahierten Zähnen als sogenannte "in vitro" (im Glas) Experimente den größten Raum einnehmen (Wu and Wesselink, 1993; Eriksen et al., 2002). Das hat als Konsequenz, dass der Fortschritt des biologisch gesicherten Wissens nur langsam voran geht. Irving Naidorf sagte schon 1972 in einer endodontischen Übersichtsarbeit: "Die übermäßige Beschäftigung der Zahnärzte mit der Technik hat die Zahnmedizin (die Endodontie einbegriffen) einseitig in einen Zustand der technischen Excellenz befördert, der nicht begleitet wird von einem biologischen Verständnis der grundsätzlichen krankhaften Vorgänge, mit denen wir es hier zu tun haben und den biologischen Konsequenzen unserer Behandlung. Die Spaltung zwischen den Praktikern und den Grundlagen Wissenschaftlern wird dazu verschlimmert, dass sich die beiden Gruppen nie untereinander austauschen, sondern nur in der Gruppe." Die letzten 30 Jahre haben wenig Änderung gebracht und nur kleine Mengen an gesammeltem biologischem Wissen hat Eingang in die klinische Arbeit in der Endodontie gefunden. So ist es nicht verwunderlich, dass in diesem Feld der Zahnmedizin es viele sich widersprechende Meinungen und Sichtweisen zur richtigen Behandlung von Erkrankungen des Zahninneren gibt.

Dieser Übersichtsartikel (Controversies in Endodontics) beleuchtet und analysiert den Hintergrund von einigen der wichtigeren Fragen, die im Bereich Endodontie in den letzten Jahren stark diskutiert wurden. Speziell wird es in dem Artikel um Kontroversen gehen, die das klinische Vorgehen bei Krankheiten beschreiben, die bei infektiösen Beschädigungen der vitalen (lebenden) Pulpa, als auch der toten Pulpa auftreten.

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